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Der Israelit · 1885-05-28 · Heft 41-42 (28.5.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 41-42 (28.5.1885)
Date
1885-05-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Erste Keilagr ju Kr. 41 & 42 des Israelit. Leitender Stritte!» | Bemerkungen zur takmudischen Sprach- und Sachkunde. Von D r. H—ch. E. V. In Bezug auf das Wort dihm heißt es im Talmud Erubin llla: n?;nni' 7:nL'Din'i Din noy. „Die Unterwelt heißt deßwegen Din'i, weil sie ein Thal ist, wohin Alle gehen müssen wegen des Din." Der richtige Sinn dieses letzteren Wortes ist meines Erachtens bis jetzt noch nicht gefunden. Rasch! erklärt es ganz siunentsprechend mit rvny, weil wir ja ähnliche Aussprüche im Talmud zur Genüge finden, wo gesagt wird, daß die geschlechtlichen Vergehungen und die sinnlichen Ausschreitungen einen großen Theil der menschlichen Sünden ausmachen. Soweit wäre der Sinn der gedachten Stelle klar. Die Schwierigkeit liegt nur darin, ein Wort zu finden, welches dem Din die Bedeutung von rmy sichern würde. N. Samuel Edeles in seinem Haggadacommentar erklärt Din — Dan und verweist auf eine Stelle km Traktat Joma 75 a., wo es heißt: rony ir\n Din. Wenn man indessen die Stelle in Joma genauer ansieht, ergibt sich, daß dort dem Worte Din keineswegs die Bedeutung von nmy beigelegt wird, sondern dem Worte nn von der Radix in vermehren, o:n ist in dem dortigen Zusammenhänge nur ein Adverb in der gewöhnlichen Bedeutung von „umsonst." Die Israeliten in der Wüste beklagten nämlich, wie cs dort im Talmud heißt, daß ihnen die geschlechtlichen Genüsse m Aegypten viel leichter und ohne Schwierigkeiten gewährt wurden, als jetzt nach der Gesetzgebung. Edeles selbst bemerkte zu jener Stelle, daß unter Din die unentgeltlichen Heirathen gemeint seien, wie sie bei Verwandten Vorkommen, wo hingegen nach der sinaiitischen Gesetzgebung, da nur Fremde sich heirathen durften, viel rnvi “sn'.D bei der Herrath erlegt werden mußte, irinfacher noch könnte man es mit Rasch! z. St. im 4. B. M. 11,5. erklären; mLvn p Din. Sie murrten nämlich über die vielen gesetzlichen Hindernisse, die ihnen die Verwandtenheirathen unmöglich machte, während in Aegypten solche üblich waren. Es ist ja aus der Geschichte bekannt, daß noch die letzte ägyptische Königin aus dem Ptolomäerhausc- Eleopatra, ihren jüngeren Bruder zum Gemahl hatte. Allenfalls dürfte aus dem Gesagten hervorgehen, daß Din an und für sich nicht nmy bedeuten kann, und die Gemara würde nicht so ohne Weiteres dies voraussetzen können, ohne irgendwelche Erklärung zu geben, wenn sie wirklich die Auffassung Edeles im Sinne gehabt hätte. Dieselbe Erwägung gilt in noch verstärktem Maße von Rasch!, der solche weitgeholte Erklärungen nicht mit Stillschweigen zu übergehen Pflegt. Und selbst zugegeben Edeles' Erklärung wäre richtig, so ist damit die Schwierigkeit nicht behoben, sondern, nur anderswohin gewälzt, wo sie mit verdoppelter Kraft sich erhebt. Dazu kommt noch, daß wir nach dieser Erklärung genöthigt sind Din Din zu nehmen, was auch seine Schwierigkeit hat. Es ist nicht zu leugnen, daß solche Gleichsetzung des n und n in in der Agada sehr häufig ist, wie die Stelle im Jernschalmi Peah VI, 7 beweist: pn piDno *0 rrn? 8"n p u*™. Dennoch aber müßte diese Gleichsetzung im Talmud oder wenigstens im Kommentar Raschi's angedeutet sein, da sich doch dieselbe nicht so ohne Weiteres versteht. Im Obigen glaube ich Edeles Ansicht genügend widerlegt zu haben. Sehen wir nun, was die Lexicographen von Fach darüber sagen. Aruch citirt das Wort nicht, ebenso Bnxtorf. Levy, Neuhebräisches und talmudisches Wörterbuch bringt es zuerst und fügt die Erklärung hinzu, daß das Wort arabisch sei, nämlich;n von 'jm leichtsinnig sein und übersetzt demnach: „das Thal, in welches Alle hknabsinken, wegen Leichtsinnes, Unzucht, Buhlerei." Das Gezwungene und durchaus Unstatthafte dieser Erklärung leuchtet Jedem ein, der nur das geringste Sprachgefühl besitzt, wenn er auch von der arabischen Sprache nichts versteht, die, man verzeihe mir den Ausdruck, neben der persischen einigen Lexicographen als ein asylum iguorantiae gilt, jedes unbekannte oder unverstandene Wort zugewiesen wird. Abgesehen von der unstatthaften Zusammenstellung dreier Hauptwörter, die durchaus keine Synonyma sind, um den richtigen Sinn durch diese keineswegs festgefügte Kette von Verbindungsgliedern herbeizuziehen, frägt es sich, wie kommt Din zu j*n? Levy schreibt zwar seiner Erklärung zu Liebe Din mit Jod, aber weder in der Bibel, noch an unserer Stelle in der Gemara wird es

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