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Der Israelit · 1885-05-28 · Heft 41-42 (28.5.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 41-42 (28.5.1885)
Date
1885-05-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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678 Nicht einmal die kürzeste Zeit zur Regelung der Privatverhältnisse wird den Ausgewiesenen bewilligt. Amerika. Der in Manchester geborene, im 31. Lebensjahre stehende, ehemalige Rabbiner Dr. David Stern hat sich in Wilkesbarre vergiftet. In einem hinterlafsenen Schreiben gibt Dr. Stern, welcher der sogenannten radicalen Reform huldigte, als Grund seines Selbstmordes an, das; er in einem „zehnjahrigcnKampf um's Dasein," die Ucberzengung gewonnen habe, daß die Welt nur von „Ungerechtigkeit und Eigennutz" regiert werde und ihn; sowohl die Kräfte, wie auch die Neigung fehlten, den Kampf weiter fortzusehen. Wie cs heißt, war Dr. Stern vor Kurzem zum christlichen Glauben übergetreten. Afrika. Magador. Der Kaiser von Oesterreich hat dcu Ritter Joseph Elmaleh zum österr. Viceconsul dahier ernannt. Derselbe Herr vertrat seit sechszehn Jahren diese Monarchie als Cousularagent mit großer Geschicklichkeit, und seine Ernennung als Viceconsul hat dahier allgemeine Befriedigung hervorgerufen. Feuilleton. Herettel. Eine Erzählung von Friedrich Rott. Sechszehntes Kapitel. In dem Moment rannte ein kleiner Knabe, von dem Gartenthor kommend, an den beiden Freunden vorüber. „Was gibt» denn dort, Alfred? und wohin rennst Du?" „Ich will den Herrn Doctor rufen oder einen von den Lehrern," erwiderte der Knabe, fast athemlos vom raschen Lauf. „Da ist ein alter Jude gefahren mit einem Handwagen voll Säcken mit Federn, den haben die Knaben umgeworfen und ein Sack ist anfgegangen, da zerstreuen sie die Federn und verhöhnen den Inden." Und weiter rannte der kleine Knabe dem Wohnhause zu, die beiden größeren jedoch eilten raschen Schrittes der Gartenpforte zu, durch die ihnen ein wahres Schneegestöber cntgegenwehte und höhnendes Lachen und Jauchzen ihnen entgegen, schallte, „Schämt euch!" schrien beide wie aus einem Munde und rissen mehrere Knaben zurück, die in den Jedem wühlten. „Was kümmert's euch!" schrien die Andem und wollten von Neuem zu den Jedem. „Der Herr Doctor kommt!" rief Hugo. Das wirkte, im Nu waren die vier Buben, die das rohe Spiel getrieben, in den Laubgängeu des Gartens verschwunden. Hugo sah ihnen lachend nach. „Komm!" rief sein Freund, „helfen wir dem armen Manne die Säcke wieder anfladen" und beide machten sich sofort an's Werk. „Ich danke Ihnen, meiue lieben, jungen Herren," sprach eine freundliche Stimme, „aber bitte, bitte, bemühen Sie sich nicht, Ihre Kleider werden voll Federn." Beim Klange dieser Stimme wandte der blonde Knabe sich hastig um und starrte den Sprecher an mit weit ausgeriffeneu Augen. „0, Du Fauler!" rief Hugo lachend, indem er einen Sack mit Federn auf den Wagen warf, „warum hilfst Du denn nicht?" „Bitte, lassen auch Sie es, junger Herr," fuhr der alte Mann fort, „Ihre Kleider werden in Wirklichkeit verdorben." Da stieß der blonde Knabe plötzlich einen gellenden Schrei aus und mit ausgebrcitetcn Annen stürzte er auf den Mann zu, der eben im Begriffe war, den letzten Sack wieder auf den Wagen zu legen. „Vater!" jauchzte er, „Vater! mein lieber, lieber Vater!" und er schlang in wilder Freude seine Arme um den Mann und drückte ihn jauchzend an seine Brust. „Kennst Du Dein Kind nicht? Deinen Viktor nicht?" Maibaum, denn er war es, bebend vor Erregung, blickte zu dem hochgewachsenen, vornehm gekleideten Knaben empor und wußte nicht, ob er seinen Angen trauen dürfe. „Junger Herr —" stammelte er. „Was, junger Herr!" rief Viktor, ihn von Neuem umarmend, „mein lieber, lieber Vater! — Hast Du denn Deinen Viktor ganz vergessen? — Weißt Du nicht mehr, wie Du mich ans Deinen Armen getragen hast, wie Du mich auf Deinen Knieen hast reiten lassen, Deinen Viktor?" „Was geht denn hier vor?" rief der Instituts- Vorsteher, der eben durch die Gartenpforte auf die Landstraße trat, „hier sieht es ja aus. als ob es geschneit hätte." Hugo eilte zu ihm und berichtete ihm über den Unfug, den einige seiner Kameraden sich erlaubt. -

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