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Der Israelit · 1885-05-28 · Heft 41-42 (28.5.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 41-42 (28.5.1885)
Date
1885-05-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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677 „Der Kuckuk soll sie holen, die Taugenichtse," rief Dr. Seebach, „wo sind sie denn hingelaufen? und was treibt denn Viktor dort mit dem armen Kerl?" Hugo theilte ihm mit, was er den freudigen Ausrufungen seines Freundes entnommen. „Ah!" rief Dr. Seebach, indem er mit ausgestreckter Hand auf Maibaum, der sich inzwischen in freudigster Erregung mit Viktor unterhalten hatte, zutrat, „Sie sind der brave Mann, der unserm Viktor das Leben gerettet und ihn vier Jahre erzogen hat. Herr von Königstein hat mir davon erzählt, und freue ich mich herzlich, Sie kennen zu lernen. Aber vor Allem muß ich Sie um Entschuldigung bitten, wegen der Ungezogenheit einiger meiner Zöglinge. Die losen Buben werden ihrer wohlverdienten Strafe nicht entgehen und bitte ich Sie, mir mitzutheilen, wie hoch der Schaden, den die Jungen angerichtet haben, sich beläuft." „Ich werde mir das nächste Woche erlauben," erwiderte Maibaum, „augenblicklich muß ich eilen, daß ich nach Hause komme, es ist spät, und ich habe mich hier all zu lange aufgehalten." „Dürfte ich meinen Pflegevater nicht begleiten?" fragte Viktor bittend, „er wohnt kaum eine Viertelstunde von hier in der P.... straße." „In diesem Aufzuge, lieber Viktor, kann ich das nicht gestatten. Sie sind ja voller Federn." „So werde ich mich rasch umkleiden, in fünf Minuten bin ich wieder hier." „Das dürste wohl nicht so rasch möglich sein," versetzte der Doctor, deui es nicht angemessen dünkte, seinen Zögling mit dem allzu einfach gekleideten Manne durch die Stadt gehen zu lassen, „und Ihr Pflegevater hat Eile." „Freilich, steilich," sagte Maibaum, „es ist Freitag Nachmittag, und der Abend tft nicht fern. Aber, wenn der junge Herr uns vielleicht morgen besuchen dürfte, meine Frau würde sich auch so sehr, sehr steuen." „Aber Du darfst mich nicht junger Herr nennen," sagte Viktor, Maibaum's Hand an seine Lippen druckend. Der Jnstitutsvorsteher nickte ihm lächelnd zu. „Sie sind eilt guter Knabe, Viktor, und wenn Sie Ihre Pflegeeltern morgen besuchen wollen, so habe ich nichts dagegen." . „So komme ich morgen ganz sicher. Adieu, mein lieber, lieber Vater! Grüße auch meine liebe Mutter von mir." Maibaum wagte es nicht recht, in Gegenwart des vornehm gekleideten Herr», Viktor's Umarmung zu erwidern; er drückt ihm nur verstohlen die Hand, grüßte höflich und fuhr so rasch als möglich mit seiuem Handwagen davon. Viktor, noch immer i» heftigster Erregung, blickte ihm nach. „Kommen Sie," sprach Dr. Seebach zu den beiden Knaben, „Sie müssen sich sofort umkleiden, Sie können sich so vor keinem Menschen sehen lassen." Die Knaben entsprachen dieser Aufforderung, sie eilten durch die entlegensten Laubgänge dem Wohnhause zu und dann sogleich hinauf in ihr Zimmer. Hugo hatte während dessen frisch drauf los geplaudert, Viktor hatte jedoch keine Sylbe erwidert, und als er jetzt in das Zimmer getreten nnd die Thür hinter sich in's Schloß gedrückt hatte, da warf er sich in einen Sessel und brach in einen Sttom von Thränen aus. „Um Gottes willen, Viktor, was ist Dir?" rief Hugo bestürzt, „so sprich doch, warum weinst Du?" „Ich weiß es selbst nicht," schluchzte Viktor, „vielleicht vor Freude. O, ich freue mich so sehr, so sehr! — wenn es nur erst morgen Nachmittag wäre, daß ich zu ihnen könnte, zu meinen lieben, lieben Pflegeeltern." „Der Herr Doctor hat doch Recht," sagte Hugo, indem er seinen An» um den Schluchzenden legte, „Du bist ein guter Knabe." „Ich begreife nicht, wie mau in diesem Falle von meiner Güte sprechen kann. Ich müßte doch der elendeste Mensch sein, wenn ich nicht mit allen Fasern meines Seins an den edlen Menschen hängen würde, die so unendlich viel für mich gcthan. Und denke Dir nur, schon seit nenn Jahren wohnen sie hier, und ich bin jetzt acht Jahre hier und habe sie noch nie getroffen." „Ohne die Ungezogenheit der Knaben wärest Du vielleicht fort von hier, ohne sie auch nur ein einziges Mal gesehen zu habe»." „Wohl möglich, sogar wahrscheinlich. In Wirklichkeit," fügte Viktor lachend hinzu, indem er sich mit dem Tuche über die thräner ° chten Wangen fuhr, „ich bin den ungezogenen Buden zu großem Dank verpflichtet. Mein Papa hat sich doch so viel Mühe gegeben, den Aufenthaltsort meiner Pflegeeltern zu erfahren, denn ich habe mich, namentlich in der ersten Zeit, beständig nach ihnen gesehnt. Aber Niemand wußte, wohin sie sich gewandt. Und nun werde ich sie morgen besuchen! — Wie ich mich darauf freue! — Wie ich mich darauf freue! — Hugo!" er schlang seinen Arm um ihn und drückte ihn fest an sich „mein lieber, lieber Hugo! Du freust Dich mit mir, nicht wahr? und Du wirst nicht böse sein, wenn ich Dich diese Nacht

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