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Der Israelit · 1885-05-28 · Heft 41-42 (28.5.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 41-42 (28.5.1885)
Date
1885-05-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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675 Standes, der Religion und der Würdigkeit," und ferner: „Die Leitung der Arbeitsstätten soll auf religiösen Grundlagen ruhen und auf die confessionellen Bedürfnisse ihrer Angehörigen gewissenhaft Rücksicht nehmen." Aber nicht nur principiell ist hier die vollständige Gleichheit ausgesprochen, die Einrichtung wird auch thalsächlich derart sein, daß auch Israeliten, die dort eintreten, in jeder Weise den Gesetzen ihrer Religion Nachkommen können. So ist, wie wir hören, die Bestimmung getroffen worden, daß, sobald jüdische Arbeiter da sind, ein Israelit angestellt werden soll, der für die rituelle Verköstigung derselben Sorge zu tragen hat. 'Während es anderwärts vorkommt, daß auch die Israeliten die Kirche besuchen muffen, wurde hier für die Wahl des Ortes (Gut Neu-Ulrichstein bei Homberg) geltend gemacht, daß die Befriedigung der religiösen Dcdürfniffe in Ulrichstein sehr leicht, da der Weg zu den Kirchen der christlichen Bekenner und zu der Synagoge in Homberg nicht weit ist. Daß die jüdischen Arbeiter in der Beobachtung des Sabbat und der Festtage keine Schwierigkeiten finden, ist nach dem Vorhergcsagten selbstverständlich. Frankfurt a. M., 15. Mai. Die israelitische Waisenanstalt, Knabenabtheilung, beherbergte Ende 1884 27 Zöglinge. 12 der Anstalt entwachsene Knaben wurden aus den: Moses und Clara Schiff'schen Fonds unterstützt. Die vor zwei Jahren gegründete Mädchenabtheilung erhielt von einem Ungenannten M. 25,000 und von Frciherrn und Freifrau Wilhelm von Rothschild M. 20,000; dadurch war sie in den Stand gesetzt, eilt besonderes Haus zu erwerben und vier weitere Pfleglinge aufzunehmen, so daß jetzt 12 Mädchen in dem Hause sind. In den Vorstand der Anstalt wurde an Stelle des verstorbenen Herrn I. Kauffmann Herr B. Benjamin gewählt. Die Knabenabtheilung erhielt an Geschenken und Legaten M. 16,771 (darunter M. 3000 Legat des Herrn Dr. Odrell, M. 1500 Legat der Freifrau Lionel von Rothschild, M. 1000 Legat des Herrn Z. W. Wertheimbcr und M. 1000 von Fra« Joseph Oppenheim in Brüffel), an Jahresbeiträgen M. 6092, desgleichen für besondere Zöglinge M. 2255, Zinsen M. 2934, Einnahmen aus der Synagoge M. 552. Die Ausgaben betrugen M. 54,743. Der Moses und Clara Schiff'sche Unterstützungsfonds erhielt an Geschenken M. 1711, Vergütung der Lehrhcrren M. 335, Zinsen M. 1345. Die Mädchenabtheilung empfing an Geschenken (exclusive obenerwähnter M. 25,000 von einem Ungenannten) M. 25,624, jährliche Beiträge M. 2706, desgleichen für bestimmte Kinder M. 300. Zinsen M 3747 und verausgabte M. 8932. Schwei z. Winterthur, 22. Mai. Das Schwurgericht zu Winterthur verurtheilte den Mörder des Handelsmannes Oppenheim zu 15 Jahren Zuchthaus. Oesterr.-Unga r. Monarchie. Pestb. Die Londoner „Times" bringt einen längeren Bericht über die hiesige Landesausstellung, welcher verdientes Lob ertheilt wird. Unter Anderm heißt es in demselben: Ungarn besitzt eine vcrhältnißmäßig zahlreiche jüdische Bevölkerung. Früher waren die Inden blos auf den Handel beschränkt; nachdem aber ihre Gleichberechtigung ausgesprochen wurde, wendeten sich die mit vielem Geiste und großer Rührigkeit ausgestatteten Juden, auch dem Fabrikwesen, der Industrie und Kunst zu. Gleich ihren Brüdern in Westeuropa ist es auch den Juden in Ungarn gelungen, auch auf dem Gebiete der Industrie und Kunst den Sieg zu erringen. Später fand sich auch die intelligentere, ungarische Bevölkerung vom Beispiele ihrer jüdischen Mitbürger angeregt, mächtig veranlaßt, auch ihrerseits diesen modernen Leistungen Aufmerksamkeit und Kraft zuzuwcnden. Allein wir müssen der Wahrheit gemäß constatiren: die Juden bilden noch immer die Hauptvertretcr des Handels, der Industrie und Kunst in Ungarn! Wem dieses noch zweifelhaft erscheinen sollte, der halte Umschau auf der ungar. Landesausstellung, er wird bald zur Uebcrzcugung gelangen, daß die Juden nicht nur den größten Theil der Aussteller bllden, sondern daß fast keine einzige größere industrielle Leistung zur Ausstellung gelangte, bei deren Zustandekommen nicht Juden in hervorragender Weise mitgewirkt haben. England. London, 13. Mai. Die Gesellschaft zur Bekehrung der Jude» hat, wie „Truth" erzählt, in ihrem letzten Jahresberichte zehn Bekehrungen zu verzeichnen. Da das Einkommen der Gesellschaft 35,000 L. beträgt, läßt sich ein Schluß auf Kostspieligkeit der Berchristlichung jüdischer Seelen machen. Rußland. Kiew. Der hiesige Oberpolizeimeistcr führt mit der größten Strenge die Ausweisung der ausländischen, größtenthcils österreichischen Juden durch.

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