Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1885)
- Date
- 1885-05-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Arbeit verbunden, wird am Ende aufhören und bringt Sünde zu Wege." — Nach dem zweiten Satze ist die Verbindung des Studiums der Gotteslehre mit der Arbeit durchaus nothwendig; es scheint also der zweite Satz dem ersten zu widerspreche::. — Nach den größten und bedeutendsten Erklärern ist der Sinn des zweiten Satzes der, daß, wer sich allein dem Studium widmet, ohne auf die Beschaffung seiner leiblichen Bedürfnisse durch Arbeit bedacht zu sein, in Noth gevathen und dazu kommen muß, seine Mitmenschen zu hintergehen, zu betrüge», zu berauben. Nach dieser Auffassung ist der Lehrsatz zu allgemein gefaßt. Wenn Jemand ein großes Vermögen von seinen Eltern ererbt hat, so daß für seine leiblichen Bedürfnisse genugsam gesorgt ist, so kann er sich ja ungehindert dem Studium widmen, ohne daß die oben erwähnte Gefahr ihn bedroht. Auch der Fall ist ja sehr häufig, daß Andere für denjenigen sorgen, der sich ausschließlich dem heiligen Berufe der Gotteslehre widmet. Warum aber sagt NabbonGamliel mm 7n „Und jedes Studium der Lehre re. Ferner ist zu fragen, warum Rabbi in der ersten Mischnah dieses Kapitels die Sünde stets mmy nennt, währeno sein Sohn sie wiederholt als;iy bezeichnet; auch .nutz erörtert werden, weßhalb in: ersten Satze unserer Mischnah die Arbeit mit -pi p8 bezeichnet wird, während sie im zweiten Satze rirtoe heißt. Der dritte Satz scheint etwas ganz Neues zu lehren.- es ist also die Frage, warum er durch das verbindende „und" den Vordersätzen angeschlossen wird. Daß der Schlußsatz ganz unverständlich scheint, haben wir bereits hervorgehoben; wir wollen die Schwierigkeiten, die das Verständniß desselben bietet, darlegen, wann wir zur näheren Besprechung gelangen. Nach einer eistvollcn Deutung des Rabbi Sainuel de Oseda, die sich sehr weit von der gewöhnlichen Erklärung entfernt, sind die meisten der von uns aufgeworfenen Fragen beantwortet. Um sie wiederzugebcn, müssen wir zunächst die Unterschiede zwischen px -pi und nrfcOo, zwischen mmy und;iy erörtern. Während nrN7o die Arbeit im gewöhnlichen Sinne heißt, bedeutet -pi pH ganz etwas Anders; es ist die Weltsitte, die Höflichkeit und Zuvorkommenheit im Umgänge; die Urbanität, die Frieden und Geselligkeit liebt und sie zu stören sorgfältig vermeidet, mmy heißt jede Uebertretnng, gleichviel aus welcher Ursache; ]iy dagegen ist die absichtliche Sünde, eine Uebertretnng, die aus der Gesinnung entspringt. Im Talmud werden uns zwei an sich grundverschiedene Dinge angegeben, um derentwillen Gott selbst die schwersten Sünden nicht bestraft. ES heißt in der heiligen Schrift: (Jerem. C. 16 V. 12.) ra:? N7 "mm n»i i-ry mim. „Und Mich haben sie verlassen und Meine Thora haben sie nicht bewahrt." Mit Recht wird im Talmud gefragt: Scheint hier nicht eine Tautologie vorzuliegen? Worin besteht denn, daß man Gott verläßt, wenn nicht in der Nichtbewahrung der Thora, die da Gottes Gebote und Verbote enthält? Daherdeulen die Weisen die Schlußworte ans das Studium der Gotteslehre. iiNon noc* mim nw i:ry mw 'KY>ri : 2E107 üTtno 'm mtr „Gott spricht gleichsam: Ich würde sie nicht bestrafen, auch wenn sie Blich verlassen, daS heißt, durch Uebertretnng Meiner Gebote sich schwer versündigt hätten, wenn sie nur das Studium der Gotteslehre sich bewahrten; denn das Licht derselben würde sie doch endlich auf den rechten Weg zurückgeführt haben." Es heißt in der heiligen Schrift (Hof. C. 4.B. 17) 1*7 nan d'ion D'aay ii2n „Ephrajim ist ein Bund von Gräueln, o laß ihn." Und ferner (daselbst C. 10. V. 2.) 027 P7n lOL'M nny. „Sobald sie getheilten HerzenS sind, werden sie bestraft werden." — Unsere Weisen folgern daraus, daß Gott die Sünden Israels nicht bestraft, so lange Einigkeit und Friedfertigkeit unter ihnen herrscht. Wir sehen also, daß das Studium der Gotteslehre einerseits und daß das gute Benehmen, die Friedfertigkeit, das sorgfältige Vermeiden von Stteit und Hader p« yn andererseits Gott veranlassen, die Sünden seines Volkes nicht zu bestrafen. Wenn nun jedes Einzelne schon diesen Erfolg hat, um wie viel mehr muß Beides zusammen vor Strafe schützen: Daher sagt Rabbon Gamliel: Schön ist das Studium der Gotteslehre in Verbindung mit höflichem, friedfertigem Betragen, denn das Bemühen um Beide bringt zu Wege, daß Gott gleichsam die Schuld vergißt, das heißt, unbestraft läßt. Diese Erklärung ist zwar sehr geistteich und beseitigt zugleich die meisten der von uns hervorgehobenen Schwierigkeiten des Verständnisses; trotzdem scheint uns der einfache Sinn der in Rede stehende Mischna der zutreffendere zu sein, und diesen wollen wir s. G. w. im nächsten Kapitel erörtern. (Fortsetzung folgt.)