Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1885)
- Date
- 1885-05-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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£&v£ Jahrgang. M 41 & 4L. Ein AenLrat - Hrgan für das ortfiodo.re Iudenthum. Herausgcgcben von I)r. Lehmaun in Mainz. Donucrftag, den 28. Mai 5645 (1885). Leitende Artikel. Me Sprüche der Wäler XIII. Mainz, 22. Mai. Vor seinem Tode bestimmte Rabbi seinen Sohn Gamliel zu seinem Nachfolger in der Fürstenwürde. Derselbe war der dritte Fürst dieses Namens und der Letzte der Fürsten Israels, die in der Mischnah erwähnt werden; denn nur noch die Söhne und unmittelbaren Schüler Rabbis wie NabbiEhanina,Rabbi Chija, Lew! ben Sissi, Naw rc. werden zu den Talmiin oder Mischnahlehrern gezählt. Von der Lebensgeschichte dieses Nabbon Gamliel wissen wir sehr wenig. Daß er ein frommer, heiliger Mann war, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Doch mag hier zweierlei von ihm erzählt werden. Im Traktat Ehulin (f. 106 a) wird uns von ihm berichtet, daß er ein nnriE }2irr war, das heißt, daß er selbst beim Genüsse gewöhnlicher Speisen die priesterlichen Reinheitsvorschriften beobachtete. Und wie er seine Pflichten gegen Gott mit größter Strenge und Sorgfalt übte, so war auch seine Gesinnung den Mitmenschen, ja den Thieren gegenüber eine überaus liebreiche; im Traktat Sabbat (k. 151 b) ist uns ein Ausspruch von ihm mitgetheilt, der von dieser Gesinnung Zeugnkß ablegt. Derselbe lautet: „Jeder, der sich der Gottesgeschöpfe erbarmt, findet Erbarmen bei Gott; wer jedoch kein Erbarmen für seine Mitgeschöpfe hat, wird auch bei Gott kein Erbarmen finden." Der erste Ausspruch, der in unserer Maßechtha von ihm tradirt wird, lautet: K'twn rnirr 'i 7v iaa 7*r7m pi nnrtro oiTJEf npw n« yn Dp min iiv7n nemw nlm hdid mtSo nvp jw nnn1?:! ,pp Dt”} DHDP D'7Qp 1'N' 112Ln Dp OvOpn 7ri ,]ip ,ip} moip onpiüi ]np"DD DM2dr mrttr ,D'QLk : Dn-u'p fix? mm mv or^p n7po onw „Rabbon Gamliel, der Sohn des Fürsten Rabbi Jehuda, sagt: Schön ist das Studium der Gotteslehre in Verbindung mit der Weltsitte; denn das Bemühen um beide macht Sünde vergessen. Und jede Lehre, mit der Arbeit nicht verbunden, wird am Ende aufhören und bringt Sünde zu Wege. Und Alle, die sich mühen um die Angelegenheiten der Gemeinde, sollen sich um sie bemühen um GotteS willen (in reiner Absicht); denn das Verdienst ihrer Väter steht ihnen bei, und ihre Gerechtigkeit besteht ewig, und ihr, ich bestimme euch vielen Lohn, wie wenn ihr es gethan hättet." Wie bei der ersten Mischna dieses Kapitels, so gibt es auch bei der zweiten viele und verschiedenartige Erklärungen; namentlich erscheinen die Schlußworte derselben ganz unverständlich; aber auch gleich im Anfänge begegnet der aufmerksame Leser vielen Schwierigkeiten. Wir wollen Eins nach dem Andern erörtern und die uns aufstoßenden Fragen zu beantworten suchen. „Schön ist das Studium der Gotteslehre in Verbindung mit der Weltsitte!" Unter pN ynf das wir mit „Weltsitte" übersetzt haben, verstehen Naschi, Maimonides, Vartinora und Andere: Arbeit, weltliche Beschäftigung zum Zwecke der Beschaffung der leiblichen Bedürfnisse. Demnach wäre p*< yn und das im Folgenden erwähnte nrtOD cinund dasselbe. Warum aber wechselt Rabbon Gamliel mit den Ausdrücken? „Schön ist das Studium der Gotteslehre in Verbindung mit der Weltsitte." Schön, aber nicht nothwendig? Und doch fährt Rabbon Gamliel fort: „Jedes Studium der Gotteslehre, mit dem nicht