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Der Israelit · 1885-04-09 · Heft 27-28 (9.4.1885) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 27-28 (9.4.1885)
Date
1885-04-09
Page
– (sequence 21)
Language
German
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IFfMfa MMlH «NuderrrhuM- KollekrifkiWs KeLlsgs m Kr» 27 & ARON MW npi Rabbi Simon Schreiber (Liehe Portrait Leite 463.) Es war im August des Jahres 1852, da ich n«m .der Universität Prag nach Berlin überzusiedeln gedachte. Tic Ferien wollte ich dazu benutzen, einen Ausflug nach Ungarn 511 machen und meinen verehrten Lehrer, Herrn Tr. .Hildesheimer •% der damals Rabbiner in Ersenstadt war, zu besuchen. Nachdem ich 8 Tage in Wien und 14 Tage in Eiscnstadt Angebracht hatte, beschloß ich, die damals im Bau begriffene Sömmcring-Bahn, die ihrer Großartigkeit halber als das achte Weltwunder bezeichnet wurde, in Augenschein zu nehmen. Zu diesem Zwecke benutzte ich eine sich mir dabictende Gelegenheit und fuhr nach der nächsten Bahnstation, nach Mattersdorf. Abends 8 Uhr kam ich daselbst an und suchte sofort den dortigen Obcrrabbiuer Simon Schreiber auf. Sowohl er wie seine Frau Gemahlin empfingen mich auf's Freundlichste und ließen mich nicht fort, bis die Uhr die Mitiernachtsstunde verkündete. Diese wenigen Stunden sind mir unvergeßlich geblieben. Oberrabbiner Schreiber, einer der schönsten Männer, die ich gesehen habe — er zählte damals 82 Jahre — überschüttete mich förmlich mit wundervollen Erklärungen schwieriger Talmud-, Midrasch- und Bibelstcltcn, darunter Vieles von seinem großen Later, dem Obcrrabiner von Preßburg, Rabbi Moschch Sophcr (Schreiber) v"p"i"L"r. Rabbi Simon Schreiber wurde im Jahre 1820 zu Preßburg geboren. Sein Vater war der obengenannte große Lehrer Israels, der Vater seiner Mutter der nicht minder große Rabbi Akiba Eger. Nach dem Tode seines Vaters wurde sein älterer Bruder dessen Nachfolger in Preßburg, während er selbst bereits nach Ntattersdorf berufen war, wo sein Vater, ehe er nach Preßburg kam, viele Jahre als Oberrabbiner fnngirt hatte. Daß Rabbi Simon von frühester Kindheit an zum Studium der heiligen Gottcslehre war angchalten worden, brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Wie ernst er für die Erhaltung der heiligen Gotteslehrc zu wirken strebte, dafür mag das nachfolgende Faktum als Beispiel gelten. In Mattersdorf wohnten damals mehrere hundert jüdische Familien, deren Mitglieder ohne Ausnahme die jüdischen Relkgkonsvorschriften treu beobachteten. Einst verhcirathete sich eine Frau dorthin, die ihre Haare nicht bedeckte, wie es doch die jüdische Sitte erheischt. Als der Rabbiner das erfuhr, ließ er die Vorsteher der Gemeinde zu sich rufen und erklärte ihnen, daß er sein Amt niedcrlegen wollte, da er nicht dulden könne, daß ein Beispiel der llebertrctnng während seiner Amtsführung gegeben werde. Natürlich nahmen die Vorsteher die Kündigung nicht an; sie bemühten sich vielmehr, die junge Frau zu veranlassen, sich der jüdischen Sitte zu fügen. Da aber ihre Bemühungen an dem Starrsinn derselben scheiterten, so veranlaßtcn sic den Gatten, Mattersdorf zu verlassen und anderswo seinen Wohnsitz zu nehmen. Im Jahre 1858 wurde der gelehrte Mattcrsdorfer Rabbiner von der großen israelitischen Gemeinde zu Krakau zum Oberrabbiner erwählt. Hier bot sich ihm ein ausgedehntes Feld für seine ungemein segensreiche Thätigkeit. Er wurde bald der Führer der jüdischen Orthodoxie in Galizien,

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