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Der Israelit · 1885-04-09 · Heft 27-28 (9.4.1885) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 27-28 (9.4.1885)
Date
1885-04-09
Page
– (sequence 22)
Language
German
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462 das anerkannte Haupt von ungefähr 100,00t) Glaubensgenossen. Gegenüber den. Bestrebungen der Neologen gründete er unter dem Namen „Machasike Haddaß," das heißt „Erhalter des Gesetzes" einen Verein, der es sich zur Aufgabe macht, das Judenthnm in Galizien unverfälscht und unverkürzt zu. erhalten. Er erwarb sich das allgemeine Vertrauen in so hohem Grade, daß er in dem Wahlkreise ü o I o ui e a von Juden und Nichtjuden einstimmig als Abgeordneter für den österreichischen Reichstag erwählt wurde. Im Reichstage zog seine imposante Erscheinung die allgemeine Aufmerksamkeit ans sich. Seine Ruhe und Würde machten den günstigsten Eindruck, und wenn auch seine Schweigsamkeit von den Gegnern vielfach verhöhnt wurde, so wurde cs andererseits anerkannt, das; hier der Beweis geliefert wurde, daß cs auch jüdische Abgeordnete gibt, die sich nicht zum Reden drängen. Rabbi Simon Schreiber nahm seinen Sitz auf der rechten Seite des Hauses unter den Konservativen und zwar inmitten der polnischen Fraktion derselben, als Kind des Landes, dem er angehörte und dessen Bewohner ihn in den Reichstag geschickt hatten. Es lag darin eine hohe Weisheit, die ihres günstigen Eindruckes nicht verfehlte und die auch von Sr. Majestät, dem Kaiser von Oesterreich, wiederholt, anerkannt wurde. Allgeniein war die Trauer in Israel, als am 26. März 1881 ein Telegramm die Trauerbotschaft verkündete, daß Rabbi Simon Schreiber einem Schlagflnffe erlegen sei. — Die israelitische Gemeinde zu Krakau hat sich noch nicht entschließen können, einen andern Obcrrabbiner zu ernenne». Ein Schwiegersohn des Heimgegangenen, Rabbi Akiba Koruitzcr, fungirt als Rabbinatsverweser. — Tie Söhne und Schwiegersöhne des Verewigten in Ungarn, Galizien und Russisch-Polen leben und wirken im Sinne und Geiste ihres unvergeßlichen Vaters pns *ai! — Ein weises Uriheil? Durch Waldesdunkel zog sich der Weg, den der reiche Kaufmann Don Diego mit seinen Begleitern und der großen Zahl der Maulthicre, die seine Schätze trugen, zu wandern hatte. Er wollte nach Majorca reisen, um auf dieser reichen und betriebsamen Insel die Maaren, die er im ganzen Königreich Arragon znfammengekauft hatte, zu verwerthen. Tie Ladung der Maulthicre bestand aus den verschiedenartigsten Dingen: köstliches, güldenes Geschmeide, mit Edelsteinen besetzt, zierliche, silberne Gcrälhe, Kleiderstoffe aus Sammet und Seide, kostbare Tücher und Teppiche; aber auch andere minderwerthige Gegenstände, Gefäße aus Kupfer, Eisen und Holz und noch viele andere Dinge bildeten das Gut des Kaufmannes, das die Maulthicre dem im Hafen wartenden Schiffe zuführen sollten. Don Diego war sehr vergnügt und berechnete schon im Geiste den großen Gewinn, den ihm die Reise bringen würde. Plötzlich ertönte ein furchtbares Geschrei; bewaffnete Männer riefen: „Halt, oder ihr seid des Todes!" Zitternd standen Don Diego und seine Begleiter und wagten es nicht, sich zur Wehre zu setzen, während die Räuber die Maulthicre sammt ihrer Ladung hinwegtrieben.. Don Diego sah starren Blickes den Verlust seiner ganzen Habe; dann erhob er seine Stimme und weinte und raufte das Haar sich aus. Da kam, hoch zu Roß, ein vornehmer Herr *) Nach dem hebräischen Werke: Kaphtor Uperach. des Weges. — „Warum weinst Du, alter Mau»"? fragte er den Kaufmann. — „Räuber," antwortete dieser, „haben mir all mein Gut geraubt." — „Was gibst Du mir", fragte der Herr, „wenn ich mit meinen Leuten den Räubern nachsctze und ihnen das gestohlene Gut wieder abnchme? Ich bin der Graf von Mercenades, der Herr dieses Waldes." — „Gnädigster Herr", entgegnete der Kaufmann, „Ihr gebt mir das Leben wieder. Sehr kostbar ist das gestohlene Gut und gerne gebe ich Euch den Zehnten davon, wenn Ihr cs mir wkederschafft." — „Daß ich ein Narr wäre! Wenn ich Dir nicht helfe, so ist Dir Alles verloren, und ich soll für ein Zehntel mein und meiner Leuten Leben wagen!" — „So nehmet die Hälfte!" — Der Graf schüttelte verneinend das Haupt. — „So theilt mit mir und gebt mir, was Ihr wollt." — „So sei es", rief der Graf; er setzte ein silbernes Hüsthorn an den Mund und blies hinein. 'Nicht lange währte es, so sammelten sich nm ihn seine Vasallen, Knappen und Knechte. Sie folgten der Spur der Räuber, holten sie ein, verjagten sie und führten die noch nicht abgeladencn Maulthicre wieder zurück. Nun begann die Thcilnng. Alle Kostbarkeiten: das Gold, das Silber, die edlen Steine, die Stoffe aus Sammet und Seide, die gestickten Tücher und Teppiche l nahm der Graf für sich, während er dem Kauf- | manne die geringfügigen Gegenstände zutheilte.

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