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Der Israelit · 1885-04-09 · Heft 27-28 (9.4.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 27-28 (9.4.1885)
Date
1885-04-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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451 Ungeachtet der Steigerung unserer Ausgaben haben wir leider eine konstante Verringerung'unserer wichtigsten Einnahmsqnelle, nämlich der Jahresbeiträge zu verzeichnen. Wir vereinnahmten aus diesem Titel: 1882 fl. 8416.85, 1888 fl. 8865.35, 1884 fl. 8049.85. Es sind nämlich in den 3 Zähren 1882, 1883 und 1884 blas 64 neue Mitglieder zugewachsen, während 16 Mitglieder ausgetreten und 69 Mitglieder leider mit Tod abgegangen sind. Der Bestand der Mitglieder war mit Schluß des Jahres 1884, 804 Mitglieder, wovon 767 Mitglieder ihre Beiträge eingezahlt hatten. Der geringere Mitgliederzuwachs ist einerseits in unserer Generation sich abschwächende Pietät für den Bestand einer Ehewra, die in der überwiegenden Mehrzahl anderer jüdischen Gemeinden die erste Stelle cinnimmt, andererseits in der großen Eoncnrrcnz einer Reihe von Spczialzwccken gewidmeter, sehr löblicher Vereine zu suchen, welche vereint die Opferwilligkcit unserer verehrten Gemeindemitglieder in absolut und relativ größerem Maße als in früheren Zeiten in Anspruch nehmen. Ucbcrdics haben manche der verehrten Schwcftervereine unserer Gemeinde vor uns den Vorthcil eines sichtbaren und mehr in die Augen fallenden Zweckes, der die Thcilnahmc rege macht, voraus, während unsere Thätigkci naturgemäß nur auf stille Hebung beschränkt ist. Wir geben trotzdem die Hoffnung auf eine erneuert wachsende Zunahme unseres Mitgliederstandes nicht auf. Das Vereins-Vermögen und die verwalteten Stiftungs-Kapitalien betrugen am 31. Dez.l884Nom. fl. 102.270 — und fl. 3230.76 disponibleBaarmittcl. Zn Bezug auf die Friedhofs-Verwaltung hat auf Grund einer zwischen den Herrn Vertretern der israelitischen Enltusgcmeiudc und unserem Vorstände getroffenen Vereinbarung seit i. Juli 1884 eine Vereinbarung in der Richtung stattgefnnden, daß aus Dclegirtcn des Vorstandes der Wiener Eultnsgcmeinde und des Vorstandes der Ehewra Kadischa ein gemeinsames Friedhofs-Eomite gebildet wurde, welchem nach festen Normen alle das Friedhofswesen betreffenden Agenden zur Besorgung zugewiesen sind. Die seitherige rituelle Hebung hat hiedurch keine Veränderung erfahren. Unsere Ehewra hat das 121 ftc Zahr ihres Bestehens in ihrer jetzigen Form erreicht: sie hat aus sich die schöne, große Wiener jüdische Gemeinde, neben sich eine stattliche Reihe wohlthätigst wirkender Vereine entstehen Aschen und wir haben nur den einen Wunsch für'die altehrwürdige Ehewra, deren Verwaltung uns anvcrtraut ist, den Ehrenplatz in der (Gemeinde zu behaupten, der ihr nach der ihr zngcwiescnenen Aufgabe gebührt. A n st r fl I I c n. Der verstorbene L. W. Levy in Sydney hat l5 verschiedenen Instituten und Wohlthätigkeitsaustalten 3074 8. hinterlassen. C U i 1 I C t D II. Kapyrus Grzfierzog Karner. 'von Professor Or.. Leinrich -Kuller. (Schluß.) Weit zahlreicher sind die koptischen Papyrus lan tausend), größtentheils Briefe und Rechtsurkundcn, aber auch Bibclfragmcnte aus der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung. DasKoptische ist bekanntlich die jüngste Eutwickelnngsform des Altegyptischen; es bedient sich in der schriftlichen Firirung des griechischen Alphabets. Aus diesem Beispiele kann man recht die scheinbar wunderlichen, aber in Wahrheit gesetzmäßigen Wcchsclfälle des Schicksals beobachten, von denen nicht nur Individuen, sondern auch ganze Völker und Enltnr-Epochcn betroffen werden. Die Phönizier haben ihr Alphabet den Egyptern entlehnt, von diesen kam cs zu den Griechen, welche cs den geknechteten Enkeln der alten Pharaonen wieder brachten. Aber der Prozeß der Entnationalisirung griff immer weiter um sich. Unter der römischbyzantinischen Herrschaft haben die Egypter ihre Schrift, unter der arabischen ihre Sprache verloren, die sich immer mehr in die Klöster. zurückzog und auf den Cultus beschränkt blieb. Rur die ethnographischen Eigenthümlichkcitcn ließen sich trotz des Jahrtausende dauernden Druckes und trotz der starken Vermischung mit fremden Elementen nicht verwischen. Man soll noch heutzutage — nach dem Ansspruche eines großen Kenners egyptischer Typen — „wenn auch nicht häufig, echte, feine antike Gcsichtszüge, welche an die idealisirten Königsgestalten der egyptischeu Wandgemälde erinnern, in wunderbarer Vollkommenheit finden." Die beiden Enltnr-Epochen, welche dem Lande Egypten eine neue Signatur aufgedrückt haben, die griechische und arabische, erhalten aus dem PapyruSfnnd ihre hellste Beleuchtung. Der Einfluß der griechischen Enltur hat namentlich in Unter-Egypten schon sehr früh begonnen, und seit Alexander dem Großen sind griechischen Sitte und Sprache die herrschenden geworden. Selbst unter römischer Herrschaft vermochte die lateinische Sprache nicht

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