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Der Israelit · 1885-04-09 · Heft 27-28 (9.4.1885) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 27-28 (9.4.1885)
Date
1885-04-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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452 recht Wurzel zu fassen, wogegen das römische Recht in Egypten tiefe spuren seines Einflusses hinterließ, wofür gerade unsere Papyrus itcitc Belege bieten. Als dann die Araber im Jahre 641 Egypten besetzten, hatten sie die Macht von Byzanz bald gebrochen. Aber der Kampf gegen die griechische Enltnr mutzte erst begonnen werden, und nur langsam und schrittweise, oft erst nachdem sie den Gegner zuerst bezwungen hatte, wich dieselbe zurück, schon äußerlich ist dieses Ringen documentirt, wenn an derselben statte Berse des Homer neben denen des omajjadischen Hofdichters Garir, Evangelien-Fragmcntc neben Koranterten, Fragmente des Thukydides neben mohamedanischen Traditionen gefunden worden sind. Noch inehr tritt es uns entgegen, wenn wir einen Blick in die arabischen Kanzleien werfen. Ich scheue mich, an dieser Stelle all die Namen der römischen Kaiser und die wissenschaftlichen Resultate anzuführen, welche durch Tr. Wessely ans den griechischen Papyrus, und all die yistorischen und paläographischen Daten anzudeutcn, welche durch Professor Karabacek aus den arabischen Urkunden zu Tage gefördert worden sind. Das wird an passender Stelle eine berufenere Feder thun. Ich begnüge mich, hier hervorzuheben, datz alle Verhältnisse des öffentlichen wie des privaten Lebens, sowie die Beziehungen nach Nutzen von unserem Papyrus berührt und erhellt werden. Ich kann mir nicht versagen, hier ein arabisches ofsicielles Aktenstück mitzntheilen, das in seiner Knappheit an ähnliche moderne Handschreiben erinnert. Es ist ein 9: l4Eentimeter großes Handbillet des Khalifensohucs und Thronfolgers cl-Muntasir aus dem Jahre 851, womit der Postmeister von Alcrandericn und zugleich Ehef der Geheimpolizei ins Amt berufen wird. Das durch einen charakteristischen Handzug ausgezeichnete schreiben lautet in seiner lakonischen Fassung: Im Namen Gottes des Allbarmherzigen! Bon Muhannnad el-Mnntafirbilläh, dem designirten Thronfolger, Sohne des Fürsten der Gläubigen an el-Abbüs Sohn des cl-Walid: Administrire die Post in Alexandrien! Ich würde noch gern hier zum allgemeinen Nutzen einige arabische Recepte mittheilen, die, zur Gcbetzeit genommen, wunderbare Wirkung haben sollen: aber der allzu grotze Umfang derselben verbietet es mir. Auch ist mit unseren Aerzten nicht zn spatzen. Gegen eine Klage wegen Eurpfuscherci nützen alle arabischen Recepte nicht. Ten Lesern wird sich die Frage aufdrängen: Wie kommen diese vielsprachigen Urkunden, welche einen Zeitraum von fast zwei Jahrtausenden umfassen, an Eine Fundstätte? Wer hat diese disparaten Elemente gesammelt und gewissermaßen in einem Archive vereinigt, um dunkle Perioden der Geschichte mit Einenunale hell zn beleuchten? Darüber gehen die Ansichten noch auseinander. Während von einer Seite angenommen wird, daß man auf einen ehemaligen Laden eines Fajümer Maculaturhändlers gestoßen sei. ist Professor Karabacek geneigt, zu glauben, daß unsere Papyrus auS dem Regierungsarchiv von al-Fajüm stammen, in welchem öffentliche wie private Urkunden aufbewahrt zu werden pflegten nnd welches bei einem Brande der Stadt al-Fajüm wenigstens znm Theile aus wunderbare Weise gerettet wurde. In der Sache selbst ist cs übrigens gleichgiltig, ob die Schriftstücke während der Katastrophe, von der die Stadt Arsinoe heimgesucht wurde, in einem städtischen Archiv sich befanden oder im Laden eines Macnlaturhändlers, da wir damit keine Rechtsansprüche, sondern historische Thatsachen beweisen wollen. Biele dieser Urkunden haben gewiß bessere Tage gesehen und waren früher in öffentlichem oder privatem Besitz wohl bewahrt. Die Vormerkungen von Seite des Archivars (Bibliofylax) in griechischer Sprache und die arabischen Aufschriften, Angelegenheit von al-Fajüm, Angelegenheit von Madjan rc., einerseits nnd die große Reihe von Urkunden andererseits, die, wie sich Prof. Karabacek ausdrückt, in voller chronologisch-historischer Geschlossenheit durch die Jahrhunderte laufen, lassen an ihrer archivalischen Herkunft keinen Zweifel. Auch der Zeitpunkt, in welchem diese Urkunden in dem schützenden Schoß der Erde Aufnahme fanden, ist mit großer Wahrscheinlichkeit bestimmt worden. Die jüngste Urkunde stammt aus dem Jahre 953. Man muß also aunehmen, daß um diese Zeit irgend ein Ereigniß den archivalischen Arbeiten ein Ziel gesetzt hat. Und thatsächlich erzählt uns die Geschichte, daß im Jahre 963 Egypten von feindlichen Einfällen aller Art heimgesucht worden ist. Namentlich litt Mittel-Egypten schwer durch Mord und Plünderung und Segen und Brennen der Feinde, und in dieser Katastrophe ist augenscheinlich das Archiv niedergebrannt worden. Biele Urkunden unserer Sammlung sollen noch Spuren des Feuers an sich tragen. Für un$ aber bedeutet diese Zerstörung eine Rettung, denn die von Schutt nnd Sand bedeckten Documente konnten nach einem Jahrtausend ihre Auferstehung feiern, während sie von Menschenhänden gewiß nicht verschont geblieben wären.

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