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Der Israelit · 1885-04-09 · Heft 27-28 (9.4.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 27-28 (9.4.1885)
Date
1885-04-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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450 Sicherlich werden gleich uns die weitesten Kreise unserer Glaubensgenossen die großen Erfolge des Rabbiner-Seminars mit lebhafter Freude begrüßen. Allerdings verdanken wir dieses günstige Resultat in allererster Reihe dem Feuereifer und der unermüdlichen, rastlosen Thätigkeit des Seminardirektors, Herrn Rabbiner D r. Hildesheimer, der mit aufopferungsvoller Hingebung seine Zeit und Kraft, der sein ganzes Leben in den aufreibenden Dienst dieser heiligen Sache gestellt hat. Eine um so dringendere Pflicht jedes wahren Ichndiist cs, nach Kräften zu dem großen Werke beizustcuern, und ihm seine Unterstützung zu leihen, damit es gelinge, jene Anstalt, die bereits sechsunddreißig Rabbiner herangebildet hat, und aus der einst die Leitung des gesetzestreuen Judenthumes der Zukunft hervorgehen soll, gegen alle Eventualitäten §.;u sichern und für immer fest zu begründen. * B. Zeitirrrgsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 27. Marz. Wie der „Israelit" s. Z. meldete, war am ersten Neujahrstage von dem humanen Direktor des hiesigen Friedrichs-Gymnasiums, Herrn Prof. Dr. Kemps, die Anordnung getroffen worden, daß in der Oberprima an diesem Tage der Unterricht ausfalle, weil nach km Abgänge der Abiturienten in der Klasse bis auf drei nur jüd. Schüler verblieben waren. Daraufhin hatte der antisemitische Stadtverordnete Pickenbach in einer Volksversammlung den Direktor wegen seiner toleranten Handlungsweise denunzirt, was aber nichts feuchtete. Nun richtete derselbe Herr an den Magistrat in der gestrigen Stadtverordnetenversammlung eine Anfrage, weshalb am Friedrichs-Gymnasium der Unterricht an einem jüd. Feiertage ausgefallen sei und beklagte sich zugleich über die starke Frequenz^ der jüd. Schüler und Schülerinnen an den hiesigen Lehranstalten. Der Herr schien sich im Orte zu irren und glaubte wahrscheinlich, er befinde sich in der Bockbierbranerei, wo er am Abend-zuvor über „Juden, Antisemiten und Philosemiten" eine Brandrede gehalten hatte. Die Antwort, welche dem antisemitischen Agitator zu Theil wurde, dürfte ihm die Lust zu weiteren Anfragen nehmen. Vom Magistrattische aus erklärte Stadtschnlrath Dr. Fürstenau, daß ihm die Thatsache von dem Ausfall des lluterrichts am Friedrichs-Gymnasium nicht bekannt wäre; es sei leicht möglich, daß an einem jüd. Feiertage der Unterricht wegen einer anderen Ursache ausgefallen sei. Deshalb, weil jüd. Feiertag war, ist es nicht geschehen. Weiler erklärte der 3tebner, daß bei der Aufnahme von Schülern nur auf die Nummer der Anmeldung Rücksicht genommen wurde. „Rücksichten auf die Religion der Schüler werden bei der Annahme nicht genommen, und ich würde niemals meine Hand dazu bieten, daß solche Rücksichten genommen werden." (Lebhafter Beifall.) Noch gründlicher wurde dein Herrn Fragesteller aus der Versammlung von den Herren Stadtverordneten Böhm, Dr. Schwalbe, Dr. Mauer und Ludwig Löwe heimgelenchtet. Letzterer sagte: Ich habe mich nur zum Wort gemeldet, nm dagegen zu protestiren, daß auch dieser Saal zur Ztampfesstätte einer unsittlichen Bewegung gemacht wird, (Sehr richtig), welche zur Schmach und Schande der Bevölkerung betrieben wird. (Lebhafter Beifall.) Ich bedauere, daß es Personen gibt, welche es sich zur Aufgabe machen, den Procentsatz der Schüler der Gymnasien nach der Konfession zu berechnen. Wenn solche Bestrebungen zur Geltung gelangten, dann würde es um die Erziehung unserer Kinder höchst bedenklich ausschcn. (Lebhafte Zustimmung.) Glücklicherweise sind die Gesiuuungsgenosseu des Herrn Pickenbach in unseren höheren Lehranstalten nicht zu finden, diese wissen ihre Ehre dadurch zu wahren, daß sie sich von einer solchen Befleckung fernhaltcn. (Beifall), und, wenn wir auch die Wähler unserer Bezirke so weit respeclireu müssen, das; wir solche Reden hier auhören müssen, so meine ich doch, daß wir nichts weiter rhuu können, als darüber moralisch zur Tagesordnung überzugeheu." (Lebhafter Beifall.) Cejlc r r. - Unga r. Mona r ch i e. Wie«. Dem Rechenschaft-Bericht der josn Ntnp Verein für fromme und wohlthatige Werke 1882, 1888, 1884 entnehmen wir: Unsere Hanptthätigkeit, die Betheilignng an Kranke und Reconvalesceuten, die Unterstütznng verarmter Mitglieder, Verabfolgung von Medicameuteu für arme Hauskanle, Bandagen und Maschinen, Augengläsern, Enrbeiträge, Badener Spital und Barmherzige Brüder, nahm folgendes Erforderniß in Anspruch: 1882 fl. 12697.06,' 1888 fl. 11026.64, 1884 fl. 18141.77. Trotz dieser bedeutenden Summen können wir nicht behaupten, daß wir in den an uns herantretenden bedauerlichen Fällen mit vollen Händen geben; vielmehr müssen wir uns in Hinblicke auf unsere Mittel strenge Grenzen setzen und gar oft unseren Gefühlen Schweige» gebieten.

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