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Der Israelit · 1885-04-09 · Heft 27-28 (9.4.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 27-28 (9.4.1885)
Date
1885-04-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Erste Beilage M Nr. 27 & 28 -es Israelit. Leitender Artikel. Der Zaliresöericht des Htaööiner- Seminars zu Berlin. Berlin, 27. März. Heute ist der Jahres-Bericht des Rabbiner- Seminars erschieuen. Die etwas verspätete Ausgabe desselben hat ihre Veranlassung nicht in einer Störung seitens innerer Verhältnisse, sondern in dem verzögerten Abschluß der Rechenschaftslegung über die Jahresciugänge, welche gleichzeitig mit jenem zur Veröffentlichung gelangt. Der Bericht gewährt uns auch diesmal ein hocherfreuliches Bild von dem weiteren Emporblühen der Anstalt und von den glänzenden Resultaten, welche dieselbe nach Inneu und nach Außen zu verzeichnen hat. In unwandelbarer Treue haben dem Institute bei der Lösung seiner hohen Aufgabe die Gönner zur Seite gestanden, und durch den edlen Wetteifer und den freudigen Opfermut!) unserer Glaubensgenoffen ist die Anstalt dem angestrebten Ziele, durch die Spende eines bedeutenderen Fonds die materielle Grundlage der Anstalt fest begründet zu sehen, wieder um einen Schritt näher gerückt. Im vergangenen Verwaltuugsjahre betrugen die Einnahmen 44561 M. 25 Pf., die Ausgaben 35444 M. 61 Pf., es verbleibt somit ein Uebersch uß von 9116 Mart 62 Pf. Der Baarbestand belief sich am 1. Sept. 1884 auf 202,685 M. 95 Pf., hierzu treten Effekten im Werthe von 9500 M., so daß die Bilanz mit 212,185 M. 93 Pf. abschließt. — In seiner letzten Sitzung beschloß das Euratorium, mit der Bildung einer Versicherung«- u n d Pensions-Kasse für die Docenten der Anstalt zu beginnen, und die ersten hierfür bestimmten Posten im Betrage von 800 Mark sind in dem Berichte bereits verzeichnet. Die hohe Wichtigkeit dieses Zieles braucht nicht erst erörtert zu werden; die Sicherung der Zukunft der Docenten und ihrer Angehörigen erhöht die Freudigkeit im angestrengten Berufe und ist zugleich für das moralische Ansehen der Anstalt von hervorragender Bedeutung. Die Anstalt wurde im verflossenen Jahre von vierundzwanzig Hörern besucht, vtzu denen dreizehn verdeutschen, acht der nngariche» und drei der russischen Nationalität angehören. Im letztvergangenen Semester, das in dem Berichte noch keine Berücksichtigung gesunden, sind fünf neue Hörer hiuzugetreten, von denen vier Deutsche sind und einer Oesterreicher ist, und, wie wir von privater Seite hören, dürfte in den nächsten Semestern eine stattliche Reihe neuer Hörer zu erwarten sein, welche gemäß den Aufnahmebedingungen die genügende talmudischc Vorbildung aufweisen und an eineni Gymnasium ihr Abkturientenexamen bestanden haben. „Auch diesmal", so heißt es in Berichte, „erfreute uns die Erfahrung, daß der Zugang aus Deutschland stetig im Wachsen ist. So wenig unsere Anstalt unter ihren Hörern selbst irgend einen Unterschied ihrer Abstammung kennt, — sofern diese nur den Ansprüchen des Seminars genügen — so erfreulich muß es allerseits berühren, wenn in Deutschland die früher eine Zeit zurückgegaugeue Neigung für den Beruf des höchsten, religiösen Leiters und Lehrers, auch hier wieder einem nen erwachenden Eifer in der studirenden Jugend für das Studium unserer heiligen Neligkonswisseuschaft weicht." Von früheren Hörern des Semiuars wurde Herr D r.L o b, bisher Rabbiner in Samter, als solcher nach Rawitsch berufen. Im letzten Jahre hat das Seminar zwei seiner Schüler als Rabbiner entlassen, Herrn D r. I. S p itz aus Nagy Szölles als Rabbiner nach Haigerloch (Hohenzollern) und Herrn Dr. Al. Olitzki aus Olita als Stiftsrabbiuer nach Hannover. Leider betrauert auch das Seminar den Heimgang eines seiner edelsten, treuesten Jünger. Herr Dr. L. Heilbut, Rabbinatsverweser in Merchingen (Baden), erlag iu der Llüthe der Jahre einer nur dreitägigen Krankheit. Der Adel seiner Gesinnung, feine unerschütterliche Principientreue, eine seltene Gewissenhaftigkeit und selbstlose Bescheidenheit haben ihm überall Hochachtung und Liebe erworben und werden sein edles Bild in uuerlöschlicher Erinnerung betvahren. — Dem Jahresberichte geht eine geistvolle, wissenschaftliche Abhandlung des Herrn Docenten Prof. Dr. I. Barth: „Beiträge zur Erklärung desJesaiah" voran, welche an einer anderen Stelle dieses Blattes ihre Würdigung finden wird.

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