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Der Israelit · 1885-04-09 · Heft 27-28 (9.4.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 27-28 (9.4.1885)
Date
1885-04-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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446 Schule — und die liiciiflCH Schulen haben einen grasten Ruf — znrücksteht. Erfreulich war besonder« die Sicherheit und die Gewandtheit der Schüler i in Ausdruck. Welcher Werth auf den mündlichen 'Vortrag gelegt wird, bewiesen die der Schlnstrcde des Tircctors vorangcgangcncn Vorträge von Gedichten in deutscher, französischer und englischer Sprache. Tie richtige und ausdrucksvolle Lctonnng gaben Zeugnis; van dem innigen Vcrständnist unserer grasten Dichter. Tic Gesänge wurden mit P'-äcisiou vargctragen und fanden nngetheittcn Beifall, ebenso die .'Zeichnungen, sowie die Handarbeiten der Schülerinnen. So gestaltete sich der Abschluß des Schuljahres zu einem Frcndcnfelte für die Lehrer wie für die Schüler und Schülerinnen. Auch haben acht oder nenn Schüler die Berechtigung erhalten. Ter Prüfung der Realschule folgte am Donnerstag die öffentliche Prüfung der Volksschule, welche gleichfalls ein sehr befriedigendes Resultat ergab. Trotzdem diese Schule erst seit drei Jahren besteht und erst drei Klassen errichtet sind, wird dieselbe von ca. ir>0 Schülern und Schülerinnen besucht. Die Anmeldungen sind so bedeutend, das; mit dem Beginn dcS nächsten Semesters zwei weitere Klassen eröffnet werden müssen. Die Leistungen der Schüler und Schülerinnen legen Zeugnis; ab für deren Fleiß, sowie für den Eifer und die Pflichttreue der Lehrer. Wenn diese Schule in der gleichen Weise fortsährt, darf mit Sicherheit daraus gerechnet werden, daß ihre Schüler und Schülerinnen sich einst im Leben durch eigne Kraft bewähren werden. Feuilleton. HereNet. Eine Erzählung von Friedrich Rott. Viertes Kapitel. Abermals waren zwei Jahre vergangen. Ein schwüler Sommertag neigte seinem Ende .;n. Erst jetzt hatte sich ein erfrischender Luftzug erhoben und hatte den Aufenthalt im Freien erträglich gemacht. Auch Viktor hatte Erlaubnis; erhalten, mit den RachbarSkindern vor dem Hause zu spielen. Ter schone Knabe war Aller Liebling; selbst größere Kinder riefen ihn gern zu ihren Spielen; auch heute war er wieder der jüngste unter seinen Kameraden. Dennoch that es ihm an anmuthiger Gewandtheit keiner zuvor, sein Reifen machte die zierlichsten Wendungen, wenn er ihn mit dem Stäbchen vor sich hertricb, sein Kreisel schnurrte am Lautesten und drehte sich am Längsten. Frau Maibaum trat zuweilen an das geöffnete Fenster, schaute hinunter auf die Kinder und sagte sich wieder und immer wieder, daß von all' den Knaben, die sich dort tummelten, keiner sich mit dem ihren messen könnte. Jetzt hatte der Kleine auf der Straße sie auch bemerkt und nickte ihr lächelnd zu. „Sieh' Mutter, sieh, wie ineiu Kreisel lausen kann, besser als alle anderen. O, Tn mußt ihn mir nicht nmwerfcn!" rief er einem andern Knaben zu, der vielleicht nicht ohne Absicht an den längst laufenden Kreisel gestoßen hatte. Aber er ward nicht unwillig, der schone Knabe. Wie er der Lebhafteste und Gewandteste war, so war er auch der Sanfteste unter den Genossen. Frau Maibaum hatte sich wieder in die inner» Räume des Hanse» zurückgezogen, ihren Beschäftigungen uachzugchcn, während die Kinder auf der Straße weiter spielten. Sie waren so vertieft, daß sie das Heranrollcn einer Equipage überhörten, bis dieselbe in ihre unmittelbare Nähe gekommen war. Der Kutscher knallte mit der Peitsche, die Knaben zu verscheuchen, kreischend stoben sie auseinander. In der Eile rannte einer der Größeren gegen de» Kleinsten, dieser strauchelte und ward von dem Hufe eines der Pferde getroffen; nur der Geistesgegenwart eines Vorübergehenden, der ihn rasch zur Seite riß, war cs zu danken, daß er nicht unter die Räder geriet!;. Aber der zarte Knabe schien bereits leblos, er blutete aus einer Kopfwunde. Laut jammernd stürzten einige seiner Gespielen zu ihm, während die andern in'S Haus eilte», den Eltern das Unglück zu melden. Rasch hatte sich eine Menschcnmaffc um den Arbeiter gesammelt, der das blutende Kind, das er gerettet, in feinen Armen hielt. Rufe des Entsetzens wurde» laut. „Es ist tobt!" schrien die Einen. „Es athmct noch!" rief ein Anderer. „Rasch, schaffe einen Arzt herbei!" befahl der Herr, der aus den; Wagen gesprungen war, und der Kutscher fuhr im Galopp davon. „Wem gehört das Kind?" wandte er sich an die lunsiehenden.'. „Ach, die arme, arme Frau Maibaum!" riefen einige Frauen. „Mein Kind! wo ist mein Kind?" schrie diese, aus dem Hause stürzend. Doch als sie des blutüberströmten Knaben ansichtig ward, brach sie kraftlos zusammen. „Es ist todt!" schrie sie auf und rang jammernd die Hände. „Viktor! mein Viktor!" „Es ist nur verwundet und durch die Verwundung ohnmächtig," trösteten thcilnahmsvoll die Nachbarn, die die Verzweifelnde aufznrichten sich bemühten. „Geben Sic mir das Kind," schluchzte sie, „geben Sie's mir." - . „Ich will cs lieber in das Haus tragen," sagte der Arbeiter, „zeigen Sie mir nur, wohin." „Es athmct," versicherte der Herr, der sich

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