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Der Israelit · 1885-04-09 · Heft 27-28 (9.4.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 27-28 (9.4.1885)
Date
1885-04-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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445 dieselben als unbegründet hin. Der Pajjntionsbof fährt dann fort: Iür die von der Anklage ausgestellte Behauptung, daß Moses Ritter zu Franciseä Mnich in unerlaubten Beziehungen gestanden sei und das; er ans Rücksicht für seine Familicn-Ehrc und um sich der Alimcittations-Psticht zu entziehen, die Ermordung der Francisla Mnich veranlaßt haben mußte, kann in den Bcweiscrgcbuisscn ein zureichender Auhaltspnukt nicht gefunden werden. Bon keinem der vielen in dieser Beziehung vernommenen Mengen wurden irgend welche Thatsachen bestätigt, welche auf einen intimen Verkehr zwischen Zrancisca Mnich und Moses Ritter oder auch nur darauf hingcdcnLet hätten, daß Letzterer Liebesverhältnisse unterhielt oder daß sein Betragen unsittlich oder gar Allstoß erregend gewesen Ware. Der Easscuionshof schließt wie folgt:;]mn Schlüsse darf nicht unerwähnt gelassen werden, daß durch die Erhebungen in vollglaubwnrdiger Weise sichergestcllt worden ist, daß an jenem kritischen Sonntage, welcher laut der durch Stochlinski vor den Gendarmen abgelegten Aussage zur Verübung des Mordes verabredetermaßen bestimmt worden sein soll, Marianne Szaro, eine Bedienstete des Pächters Bnlct, nach Lucza kam, um die Irancisca Mnich zum Antritte des Dienstes auf dem Maierhofc anfzufordcrn daß dieselbe nach der Francisca Mnich sich in der Wohnung des Ritter erkundigte, daß hierauf dessen Tochter Beile zu Salomca Stochlinski, bei welcher dazumal Francisco weilte, sich begab nnd derselben zngercdet hat, sic möge sogleich den Dienst auf dem Maierhofe des Lhlet antreten, welche Aufforderung Francisca mit der Entschuldigung ablehnte, daß ihr Fußleiden ihr dies nicht gestatte. Diese von mehreren Zeugen bestätigte Thatsache ist für die Bcurtheilung dieser Strafsache insoferne von Bedeutung, als dieselbe der durch die Anssage des Stochlinski indicirten Annahme cntgegcntritt, daß jener Sonntag, an welchem Francisca verschwunden sein soll, zur Voltführung der Mordthat bestimmt gewesen ist und daß überhaupt das gegen die Francisca gerichtete Eomplot bestand, da doch nicht anznnehmen ist, daß eine hiebei betheiligte Person, das ist Beile Ritter, etwas unternommen hätte, was geradezu die Vereitlung des Anschlages herbeiführen mußte. Angesichts der hier hervorgehobenen, gegen die Richtigkeit der durch den Wahrspruch fcstgestellten Thatsachen streitenden Bedenken hat der Oberste Gerichtsals Eaffationshof im Sinne des 8- 392 St. G. O. die Wiederaufnahnie des Strafverfahrens zu Gunsten der Angeklagten zu verfügen befunden. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 29. März. Vorige Woche fand hier die öffentliche Prüfung der Realschule der Israel. Rcligionsgcsclljchast stall. Es war das nicht die einzige öffentliche Prüfung, die nm diese Zeit stattgcfnudcn hat — fast alle Realschulen in Preußen halten jetzt ihre Prüfungen — rvohl aber war es die einzige, die mit der Prüfung im Talmud begann. Die Schüler hatten die Schulzeit wacker benutzt und gaben die Beweise, daß sic das Gelernte wohl begriffen und innc hauen. Nnd es waren keine leichten Themata, die sie vor,;»tragen hatten, eine Klaffe zeigte, daß sic die i'p’u hün hjotn rvohl verstanden hatte nnd wußte die Kreuz- und Querfragen wohl zu beantworten, eine andere hatte das noch schwierigere Thema von rrro begriffen und erfaßt, und eine dritte wußte einen ihr ausgegebenen noch nicht gelernten Abschnitt im Talmud ohne Hilfe des Lehrers mit ’tin und ni?Din vorzutragcn nnd zu erläutern, und hat damit gezeigt, daß sie das in der Schule gepflegte Studium selbstständig fortznsetzcn vermag. Damit hat aber die Schule ihre Aufgabe gelöst, hat der Talmud, unterricht in der Schnle seinen Zweck erreicht. Die Schule ist für den kaufmännischen Beruf berechnet, sie hat ihre Schüler für die Anforderungen des Lebens vorzubereiteu.und sic zugleich in den Stand zu setzen, das in der Schule begonnene.^.n-Studium selbstständig fortznsetzcn, nnd das ist erreicht. Dabei ist die Ansbildnng keine einseitige, Geist und Körper werden gestählt und gckräftigt, nnd Schüler nnd Schülerinnen in die verschiedenen Zweige des Wissens cingcführt. War der Sonntag dem Indischen getvidmet, so begann der Montag mit dem Turnen uub war cs im höchsten Grade interessant, den, ebensoviel Kraft als Gewandtheit erfordernden Hebungen zuzufche». Dem Zuschauer, der in einer Zeit ausgewachsen ist, in welcher die Turucrei als eine Vorbereitung zur Revolution betrachtet lvnrdc und demgemäß verpönt war. fällt es schwer, die Vorstellung eines Talmudjüngers mit der eines Turners zu vereinigen, und dennoch waren es dieselben Knaben, die am Sonntag sich beim Talmudnnterrichie bewährt, die am Montag die Turnübungen mit seltner Präcision ausführten und mit einer Katzen ähnlichen Geschwindigkeit bis zur Decke der sehr hohen Turnhalle cmporkletterten. Solche körperliche Hebungen sind für die Gesundheit sehr zuträglich nnd erleichtern den späteren Militärdienst ungemein. Ebenso waren die ttcbnngen der Mädchen allerliebst nnd gaben denselben eine gute Haltung und Gewandtheit in den Bewegungen. Auch in allen anderen Fächern waren die Leistungen ganz vorzüglich, namentlich in Mathematik, Physik, Realien und Sprachen, und darf wohl mit Sicherheit behauptet werden, daß die Schule in all' diesen Gegenständen hinter keiner anderen hiesigen

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