Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 25-26 (30.3.1885)
- Date
- 1885-03-30
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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angstvoll fragte, was dieser seltsame Besuch zu bedeuten habe. Seine Niedergeschlagenheit machte sie unruhig, und auch Ruth drängte sich au ihn; er aber wehrte sie von sich, ging aufgeregt km Zimmer aus und ab und erzählte bruchstückweise und stöhnend von dem kreisamtlichen Befehle. „2354 (Bulben! Ta mag's nun d'rin sleh'n wofür, aber ich kann nicht lesen. Deine schöne Mitgift, Ruth, Deine schöne Mitgift!" Moschele sah, den Kopf auf die Hände stützend, am Tische und grübelte über die Ursache des Befehles. (5t wußte schon Einen, der ihm Aufklärung geben, der ihm vielleicht helfen konnte, aber dieser Eine war sein Todfeind, diesen Einen hatte er vor wenigen Stunden abgcwiesen; jetzt würde er ihm wohl höhnisch die Thüre weisen. Moschele verbiß sich ° förmlich in diesen Gedanken. Endlich sprang er aus; half ihm Jsakowicz auch nicht, was konnte ein Versuch schaden? Er eilte die Straße hinab und blieb vor einem halbverfallenen Häuschen stehen. Durch den rissigen Fensterladen schaute er in's Zimmer. Es war finster darin; Moschele klopfte erst leise, dann lauter. „Wer ist draußen?„ fragte Isakowicz's Stimme von innen. „Ich, Moische Dann." „Tretet ein," sagte Isakowicz, als er nach einigen Minuten den Riegel der Hansthüre znrückschob und beim scheine einer Talgkerze die verstörten Züge Moschele» erblickte. „Was wollt Ihr so spät von mir?" „Leset das!" sagte Moschele hastig, indem er ihm das Schriftstück reichte, „der Landdragoner hat das gebracht. Sagt mir, ich bitt' Euch, wofür Hab' ich das viele Geld zu geben? 2354 Gulden: Alan wird nicht stehen bleiben dabei, Isakowicz," fuhr er erregt fort, „wem man das Viertel nimmt, dem nimmt man das Ganze." Isakowicz las. Während des Lesens wetterleuchtete cs in seinem Gesichte, seine Oberlippe hob sich ein wenig empor und ließ seine grünen Zähne sehen; er lachte in sich hinein. Moschele zitterte, worüber konnte auch sein Feind lachen, wenn nicht über sein Unglück! „Was lacht Ihr über mich?" schrie er. „Wer hat Euch denn diese Schrift vorgetesen?" fragte Isakowicz höhnisch. „Der Landdragoner-" Isakowicz lachte laut ans; dann ernster werdend, fragte er: „Und was soll ich dabei thun?" „Sagen sollt Ihr mir, warum inan mir 2354 Gulden abpressen will, das Geld meiner Ruth, und ob ich nichts dagegen thun kann." „Hört, Dann, ich will Euch was sagen. Ihr seid in mein elend Haus gekommen, der Reiche zum Armen, um zu bitten. Ihr habt Euch gcdemüthigt vor dem unansehnlichen Isakowicz, vor seinen Kenntnissen. Ich müßte lügen, wenn ich sagte, daß mein Herz darüber nicht frohlockt, denn wenn Dann zu Isakowicz bitten kommt, so ist Isakowicz der reiche Mann und Dann ist bettelarm. Nicht so?" Moschele stand vor ihm, den Kopf gesenkt und die Augen zu Boden geschlagen, wie Einer, dem man das Todesnrtheil vorliest: er machte eine Bewegung, als wollte er vor dem fürchterlichen, stolzen Manne niedcrsinkcu, aber er biß seine Lippen nnd bezwang sich. „Seid Ihr fertig?" fragte er tonlos. - „Nein, Tann," sagte Isakowicz feierlich, „der reichere ist auch der bessere. Seht, ich könnte Euch sagen: tragt das Geld, von dem Ihr sprecht, in die Stadt, cs wäre verloren, Ihr wißt es; ich könnte Eure Unwissenheit ansnützcn, aber ich thne cs nicht, ich sage Euch, seid ruhig, die Sache hier hat Gott geordnet nnterdessen." Moschele bemühte sich, ruhig zu werden, aber das Lächeln, das fortwährend um Isakowicz' Lippen zuckte, gefiel ihm nicht. „Was muß ich also thnn, um den Krcishauptmann gnädig zu stimmen?" „Nichts!" Dieser Rath konnte doch sehr gefährlich sein. Moschele wußte ganz gut, daß der Landdragoner sich wegen „Nichts" in der Sonnenhitze nicht herbemüht hätte. „Ihr glaubt mir nicht," rief Isakowicz beleidigt, „gut, damit Ihr sehet, daß ich gesprochen wie ein Ehrenmann, werde ich meinen Sohn wecken und ihn den Befehl des Krcishanptmannes lesen lassen." - Er ging in die Kammer uub kehrte mit einem bleichen jungen Manne zurück, der in seiner Schlaftrunkenheit Moschele erstaunt ansah nnd dessen Rock zu betasten begann. Isakowicz reichte ihm das Schriftstück; sein Sohn las und konnte gar nicht fertig werden. „Wann habt Ihr denn das bekommen, Reb Moische?" fragte er endlich sehr verwundert. „Heute." Der junge Mann lachte laut auf. „Ihr spottet meiner," rief Moschele entrüstet, „Ihr habt Euch verabredet, mich zu verhöhnen." „Hört, Dann," sagte Isakowicz ernst, „wir verhöhnen Euch nicht, aber ich glaube, der Landdragoner hat» gethan. Wißt Ihr denn wirklich nicht, was das Papier da enthält?"