Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 25-26 (30.3.1885)
- Date
- 1885-03-30
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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438 - recht als Gidam-, er ist brav und flink, und meine Tochter sicht ihn gar gern. Aber Ihr has;t mich! 2oU ich da» .Kind, mein einzige» Kind, in die Hand meines Todfeindes liefern. Ihr verlangt sie für (5'nren Sohn; warum bittet Ihr nicht?" „Ich belüge meinen Feind nicht, Dann," antwortete er stolz nnd ging ohne Grus; davon. Moschele schaute ihm nach, schüttelte ärgerlich den Kopf und blies den Ranch heftiger aus dem Munde. Ans dem offenen Fenster hörte er sein Weib reden und seine Tochter leise weinen. Moschele erhob sich, ging zum Fenster und sah seine schlanke, braunäugige Ruth umarmt von der Mutter, die ihr gütig znsprach. Gr lächelte den Frauen zu und sprach heiter: „Gr wird nachgcbcn, Ruth, weine nur nicht." In diesem Augenblicke hörte er ein lautes Halloh, da» von Kinderkehlen kam; bald sah er einen stattlichen Dragoner zu Pferde in die menschenleere Straffe einlenken. Bon allen Seiten liefen schmutzige .Kinder mit Hellen Frendcurufen herbei; selbst die alte Iachct humpelte heran, denn die Anwesenheit dcS Landdragoners im Flecken war seit mehreren Jahren etwa» Unerhörtes. GS konnte gar nichts Gutes bedeuten, weil der Manu so drohend mit dem glänzenden Säbel rasselte. Erschreckt trat Moschele vom Fenster weg, nicht ohne dasselbe vorher geschlossen zu haben, fuhr rasch in seinen Kaftan nnd erwartete das Kommende. Der Dragoner tritt au ihn heran und fragte, indem er seinen martialischen Schnurrbart grimmig strich und Moschele, der das Sammetkävpchen vom Haupte genommen nnd cs dcmüthig zwischen seinen Fingern drehte, von Kopf bis Fuß strenge maß: „Bist Du der Jude Moses Dann?" „Ja, Herr, der bin ich." „So Hab' ich Dir diese Schrift vomKrcishanptmann zu übergeben, und nun, Jude, die Hitze hat mir die Junge an den Gaumen geklebt/ gib zu trinken." Moschele hielt daS Papier in der Hand nnd dickte verlegen bald auf diese», bald aus den Landdragoncr, der vom Pferde gesprungen war und sein Ros; an die Hansthüre fcstband. „Geruhe der Herr Landdragoucr nur einzutreten, im kühlen Zimmer wird sich noch ein guter Tropfen finden." „Das ist ein Wort, Iud!" Und damit klopfte er Moschele derb auf die Schulter, eine Liebkosung, die dieser mit einem schmerzlichen Lächeln crwiederte. Als sie bann im kleine» Zimmer saßen, und der Lauddragoner, welcher sich ein Gläschen nach dem andern eingoff, redselig geworden war, entnahm Moschele vorsichtig unter der Tischdecke seinem Geldbeutel ein schweres Silberftück und schob es dem Dragoner sachte hin. Zugleich hob er das kreisamtliche Document mit den Fingerspitzen in die Höhe nnd zwinkerte mit den Augen, als wollte er recht schlau d'rein schauen. „Weis; der Herr, was da drin steht?" fragteer. Der Dragoner steckte das Silberstück schmunzelnd ein. „Nein," sagte er, „aber was Wichtige» muß es sein, denn der Herr Kreishauptmann sagte, al» er mir» gab, es sei sofort zu besorgen, cS fei dringend, und das war schon im März." Moschele entfärbte sich, seine Hand zitterte. „Und kann der Herr Landdragoner lesen?" „Lesen?" Gr machte ein höchst wichtiges Gesicht und begann laut zu gähnen. „Hm, ein wenig, nnd Du, Jude?" „Ich lese nur Ziffern, Herr." Gr öffnete vorsichtig das Schriftstück und reichte dasselbe dem Dragoner hin. Dieser hielt es zuerst seinen Augen ganz nahe, dann entfernte er cs recht weit, schließlich brachte er es kopfschüttelnd wieder näher nnd schaute mit überaus bedächtiger Miene hinein. „Warte nur, Jude, ich hab's bald heraus. Das da, siehst Tn, ist ein „Zeit" (Z) und das klebrige" — sein rothes Gesicht verschwand auf einen Augenblick hinter dem Papiere — „und das Ganze," rief er trinmphirend, „heißt Zahl 2354. Du hast also 2354 Gulden zu zahlen, verstehst Du?" Moschele sprang ans und riß dem Dragoner da» Papier aus der Hand. Wirklich dort stand das Schreckliche! 2354. „Um Gottes Willen, welches Unglück, welches Unglück!" jammerte Moschele, „nnd wofür das, wofür das schöne Geld? Was kann ich dagegen thun?" „Nicht» als zahlen; denn denke, der Kreishauptmann wartet schon seit März," sagte der Dragoner kalt und schaute ihn streng an. „Vielleicht könntet Ihr etwas für mich anSrichtcn, Herr, beim Kreishauptmann: eS soll mir auf einige Silbcrstücke nicht ankomme»," bat Moschele zerknirscht. „Hm, wollen sehen, Jude, Du bist ein guter Kerl, der Gefühl hat für nnsereinen. Aber jetzt muß ich zurück, damit ich noch vor Thorschluß in Krakau bin. Leb' wohl!" _ Moschele wischte sich den Schweiß von der Stirn, setzte sich das Sammetkäppchen wieder auf und begab sich in's Zimmer, wo ihn seine Frau