Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 25-26 (30.3.1885)
- Date
- 1885-03-30
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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437 Der Fanddragoner (5'iuc (^cschichlc aus (^aliziru. Es war an einem heißen Sommcrnachmittagc des Jahres 1834. Moschelc Tann, ein behäbiges Männlein von etwa vierzig Jahren, saß ans der Bank vor feinem Hanse und lächelte. Er hatte auch Grund, vergnügt zu sein. Im ganzen Flecken, welcher größtcnthcils von Inden bewohnt war, die während der ganzen Woche mit dem waarrngefüllten Sacke ans dem Rücken von Torf zn Torf zogen, um farbige Tücher, schimmernde Glasperlen und allerhand Kram gegen Hascnfclle, Eier und andere Naturprodukte cinzntanschen, war er der reichste Mann, besaß ein steinernes Hänschen und dahinter einen allerdings ungepflegten Garten, in welchem die 0bftbänme sich ganz mit grünem Moos überzogen hatten, und das Gemüse und auch einige Lilien und Sonnenblumen mit den: wnchernden Unkraut einen unerbittlichen Kamps nm's Tafefn führten. Ja, ja, er durfte schon lustig sein, trug er doch das Bewußtsein mit sich, daheim walte ein liebes Wesen, dem er alle Mühsale des Lebens erspare, das mit stiller, sinniger Bescheidenheit reinige und putze das Stübchen, in welchem er sich am Sabbath so wohl, so behaglich fühlen werde, und pflege sein einziges Kind .... Zwar seine Frau beschlich zuweilen eine Regung von Neid, wenn sic ihrer einfachen Kleidung wegen znrückgcsetzt wurde von den Weibern, die allwöchentlich kostbare Tinge heimbrachtcn ans Krakau, um am Festtag damit zu prunken und sich gegenseitig zu ärgern: Seidenzcngc, Sammetmäntel, theucrcs Pelzwerk, Bri^antschmnck. Eoxallcn- und Perlcnschnüre; aber Moschcle erzählte ihr, wie dieselben stolzen Frauen am Samstag Abend ihre .Herrlichkeiten wieder zusammcupackcn und nach Krakau schleppen mußten, damit ihnen der Großhändler gegen dieses Pfand wieder für eine Woche Waarcn leihe. Moschcle war ein reicher Alaun — man schätzte ihn auf 10,000 Gulden — hatte das Wanderleben anfgcgebcu und sich daheim ein so großes Waarenlagcr angelegt, daß er für seine früheren Genossen der Großhändler werden konnte, wogegen sich anfangs die Weiber sträubten, weil sie den Gedanken nicht ertrugen, Frau Moschele, die ehemalige Näherin, könne nunmehr alle ihre Kostbarkeiten von Sonntag früh bis zum Sabbath imgeitirt besehen und betasten. Später hatte er begonnen, die Leiter der Ehren emporzuklimmen, und jetzt sehen wir ihn als überhaupt der Jndcngcmtinde zu Z . . . . In dieser Würde fühlte'er sich recht behaglich und genoß auch die Achtung aller Leute, bis anf Einen, dem man dieses Ehrenamt wegen seiner Herrschsucht entzogen hatte. Tiefer Eine war der Lehrer Ephraim Jsakowicz, ein langer, hagerer Mensch mit tiefliegenden, funkelnden Augen und magerem, scharfgeschnittcnem Gesichte. Er hatte etwas Hastiges an sich in Gcbcrde, Sprache und Gang, eine Unruhe, die ansteckend wirkte. Dieser Mann war Moschclcs Todfeind: er haßte ihn, und zwar nicht dcßhalb, weil Moschelc reicher und angesehener war, sondern, weil' er ihn nicht kränken, ihm kein Herzeleid zufügcu konnte. Und Jsakowicz war cs, der nun eines Tages auf Moschelc zukam; er grüßte nicht, schaute vielmehr trotzig vor sich hin," und seine Bewegung zum Wcitergchcn zeigte, welche 0nal cs ihm" bereitete, stehen zu bleiben. Finster blickend sagte er: „Tann, mein Sohn will Eure Tochter zum Weibe." „Wollt Ihr?" fragte Moschcle ruhig. „Rein," schrie Jsakowicz, und feine Hände ballten sich, während seine Zähne das Bernsteinmnndstück der Pfeife so heftig bissen, daß cs knisternd zerbröckelte. „Nein, Dann, ich will nicht; aber ein Narr wird krank vor Hcrzwch nach Eurer Ruth — und das ist mein Sohn. Gebt Ihr sic ihm zum Weibe." „Hm," sagte Moschcle, „wenn Ihr nicht wollt, Jsakowicz, so will ich auch nicht." „Warum wollt Ihr nichts" fuhr Jsakowicz ihn an, „ist mein Sohn weniger wohlgestaltet, als Eure Tochter? Kann er nicht deutsch lesen, wie ein Gelehrter und zierlich schreiben, wie ein christlicher Gerichtsschrciber? Sagt, Moschele, könnt Ihr das? Oder glaubt Ihr, daß er weniger weise ist, weil sein Baker nicht mehr den früheren Reichtum und das frühere Ansehen besitzt? 0, Geld gibt noch nicht Verstand!" schloß er bitter. Moschele lächelte: „Aber Verstand erhält es." Jsakowicz erbleichte, und sein Blick flammte. L, Moschcle wußte ihn gut zu treffen. „Gut," murmelte er zwischen den Zähnen, „gut, Dann, nehmt nur den Vater auf Euer Gewissen und den Sohn." Damit wendete er sich zum Gehen. „Nein, Jsakowicz, Euer Sohn wäre mir schon