Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 25-26 (30.3.1885)
- Date
- 1885-03-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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423 intb des Ansbeulesystems, niifu sein gelitten, fpjpoft die Beschreibung Strabo's noch heute wohl paßt. Mehr noch als durch seine Frnchtbarlcit und die reichen Ertragnisse war dieser »«„ums durch die beiden Weltwnnder berühmt, von denen die alten Schriftsteller nicht genug zn erzählen wissen. Ich meine den Moeris-Scc und das Labyrinth. Was wir ans den griechischen Berichten über den Mocris- Sce wußten, haben die modernen Untersuchungen vollkommen bestätigt. Der See wurde thatsächlich von Menschenhänden hergcstellt und hatte den Zweck, die Nil-Überschwemmung zu rcgnliren. Nur die Uebcrliefcrnng über den Urheber desselben hat sich als ein Mißverständnis; erwiesen. Wir wissen jetzt, daß Amenemhat HI. von der zwölften Dynastie, der auch sonst der Nilschwcllc eine besondere Aufmerksamkeit widmete, diese großen Anlagen geschaffen hat. Derselbe König hat auch das Labyrinth erbaut, von dem Herodot sagte, daß cs alte griechischen Bauten und selbst die Pyramiden an Größe und Wunderbarkeit übcrtrcfsc. Es ist kein Zweifel, daß zwischen diesen beiden Schöpfungen ein gewisser Zusammenhang bestand. Der Mocris- Lce, der für ganz (Ägypten von segensreicher Wirkung war, scheint unter den Schutz sämmtlichcr egyplischer Gottheiten gestellt worden und das Labyrinth eine Art Pantheon und Repräsentantenhaus der 27 Romen gewesen zn sein. Während wir über den Morris - See und das Labyrinth durch die alten Schriftsteller sehr wohl unterrichtet waren, erwähnen seltsamer Weise die hicroglyphischcn Denkmäler fast gar nicht dieses Districts, und über die Stadt Arsrnoe l.Krolodilopolis) erfahren wir auch ans den griechischen Quellen wenig mehr als den Ramen. Aber lvic schon einmal eine Papyrus-Urkunde über den Morris-Sec Auskunft gab nnd einen Plan desselben anfbcwahrtc, sollten wieder Papyrus-Dokumente Anfschlüssc geben über die Verhältnisse dieses Distriktes, die aber weit hinansreichen über die engen Grenzen des Beckens von al-Fajstm. Diese Anfschlüssc verdanken wir dem Papyrusfund, welcher im Winter des Jahres V*77/78 von Fellachen (egyptischen Bauern) in den Trümmcrftätten des alten Arsknoc gemacht wurde. Wie es im Oriente Brauch ist, wurde der Fund verheimlicht nnd nur partienweise zum Verkaufe angcbotcn. So kamen nach und nach etwa 2000 ganze und fragmentirtc Papyrus-Urkunden nach Guropa und wurden größtentheils für Berliner Sammlungen erworben. In Folge einer von Prof. Karabacck gegebenen Anregung forschte der hiesige Kaufmann Den' Graf dem Funde in Egypten nach, und cs gelang ihm, denselben zn erwerben. Wie jetzt alle Welt weiß, ist dieser Papyrus durch einen Act großherziger Mnuisiccnz des Erzherzogs Rainer Oesterreich erhalten geblieben nnd unter Aufsicht des Professors Karabacek im Oestcrrcichischen Museum der Wissenschaft zugänglich gemacht worden. Freilich bot dieser Fund dem oberflächlichen Beschauer einen trostlosen Anblick, und wer jetzt die prachtvollen, gereinigten, geglätteten mtb zwischen Glastafcln eonservirtcn Papyrus - Dokumente betrachtet , ahnt nicht, welch' ungeheure Mühe und Sorgfalt darauf verwendet werden mußte, bis die schmutzigbraunen und staubbedeckten Rollen und die zerknitterten steinhartcu Knäuel oder Ballen dieses Ansehen bekommen haben. Es gehörten dazu eine ebenso hingebcnde Liebe zur Sache, als ausgezeichnete technische Kenntnisse und manuelle Fetigkeit, und vor Allem eine bewunderungswürdige Ausdauer, welche den Forscher oft auf eine harte Probe stellt. Der Gouservator besitzt alle diese Eigenschaften und kennt auch, wie nur Wenige, den historischen Zusammenhang des Orients und Occidcnts nnd die Wechselwirkung, welche christliche und moslemische Kultur auf einander übten, und ist gleichsam vorherbestimmt, diesen Fund recht ergiebig für die Wissenschaft zu machen. Je mehr die Knäuel auseiiiaudergewickelt, die Rollen entfaltet werden, desto weiter reichen die Ausschlüsse, welche sich ans ihnen ergeben. Das ganze alte egyptische Wunderland mit all' den Geschlechtern, welche in demselben gelebt und geherrscht haben, scheinen sich an der Fundstätte ein Stelldichein gegeben zu haben. Die Urkunden, welche sie uns hinterlassen haben, sind, soweit sie bis jetzt geprüft werden konnten, in elf verschiedenen Sprachen abgcfaßt und umfassen einen Zeitraum von nahezu zweitausend Jahren. Die Anzahl derselben beläuft sich nach einer ungefähren Schätzung ans zwauzigtanscnd. Was den Bcschreibstoff betrifft, so ist allerdings der Papyrus bei Weitem vorherrschend; aber daneben kommen auch Leder oder Dhierhäute, Pergamente und Papier vor, und zwar, wie eine Untersuchung Professor Wiesner's ergeben hat, aus Lcinenlumpcn verfertigtes. Diese Dokumente, in Sprachgruppen eingctheilt, zerfallen in die hieroglnphische Gruppe, die hieratische, demotische, merottisch-äthiopische, koptische, hebräische, syrische, persische, lateinische, griechische nnd arabische Gruppe. Tic Aufzählung der Sprachen allein gibt in kurzen Zügen eine llebcrsicht der egyptischen Geschichte. Die ersten drei Gruppen (im Ganzen 26 Stück) gehören der Sprache des alten Egypten in ihren verschiedenen Entwickclungsstufen und Schreibweise» und fallen in die Zeit vor der gewöhnlichen Zeit-