Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 25-26 (30.3.1885)
- Date
- 1885-03-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Feuilleton. Papyrus Erzherzog Hiainer. Von Professor Dr. Lcinrich Aüller. Gewisse Punkte auf der Erde sind durch ihre Lage und eine Reihe zusammentressender Umstände prädestinirt, eilte große Rolle in der Geschichte der Menschheit zu spielen, aber gewiß hat kein Landwehr Berechtigung auf eine welthistorische Bedeutung, als Egypten. An der Grenze dreier Erdtheile gelegen, von einem eigenartigen Strome durchflossen, wurde dieses Land schon in uralter Zeit die Wiege einer Kultur, die uns durch ihre Ursprünglichkeit und Großartigkeit noch heute in Erstaunen setzt. Sie tritt uns entgegen nicht im Werden und in der Entwickelung, sodern in der höchsten Stufe der Ausbildung. Die Jahrtausende, welche sie durchlauftn, bevor sie jene Höhe erreicht Haft sind in Dunkelheit gehüllt, und nur der Sprachsorscher und Ethnologe sind im Stande. ein wenig den Schleier zn lüften. Ter Historiker rechnet aber uur mit gegebenen Fakten. Mag nun die Individualität der Egyoter als das Produkt der Race und des Klimas angesehen werden, mag sie in ihren Ursprüngen in den Diesen des dunklen ErdtheileS sich verlieren oder auf asiatische Einflüsse zurnckzuführen sein — sic .st von der Zeit der Pyramiden bis auf den heutigen Dag w scharf gezeichnet nnd ausgeprägt, daß alle Völkersiürme, welche über das Land einherbrausten, sie nicht zu verwischen vermochten. Im Kampfe der Natur und den Elementen stählte sich die Kraft dieses Volkes, es lernte die Natur beobachten und sie beherrschen, im Kampfe mit andere» Menschen unterlag es. Die Denkmäler von Epypteu sind ihrem Wesen nach anders, als die voll Babylon und Assur. Das egyptische Volk will Ruhe von Außen haben, erwehrt sich der Angreifer und geht nur gezwungen in die Offensive über. Das Verstummen der Denkmäler während langer Zeiträume der alten Dynastien ist ein beredtes Zeugniß, daß dieses fruchtbare und gesegnete Land schon sehr frühe fremde Eroberer «»gezogen hat. In späterer Zeit wiederholen sich die feindlichen Einfälle in immer kürzeren Zwischenräumen. Egypten wird nicht mehr frei, es wechselt nur seinen Herrn. Jedes Volk, dem die Leitung der Weltercignisse auf eine Spanne Zeit anvertre.nt wurde, legte seine Hand auf Egypten. Assyrer herrschten im Nil-Lande, ihnen folgten die Perser, welche wieder von den Griechen abgelöst wurden. Roms Heere schlugen ihre Schlachten im Angesichte der Pyramiden. Das wiederaufblühende Pcrftrreich unter den Sassaniden hat feine Spuren in diesem Laude hinterlassen. Und als endlich der Strom des Islam die alten morschen Reiche der Byzantiner nnd Perser wegschwemmte, ergossen sich die Schaareu Arabiens auch über Egypten, das nunmehr der Schauplatz aller wechselvollcn Wandlungen geworden ist, denen daS Khalifenreich unterworfen ivar. Die verschiedenen Pläne und Bestrebungen, Egypten zu erobern, welche von großen Männern lind Denkern des Occidents ansgingen, von dem Papste Innocenz! II. herab bis auf Leibnitz blieben unausgeführt und erst dem großen Eorsen war es Vorbehalten, znm Erstaunen und zur Neberraschung der ganzen Welt plötzlich mit einem Heere in Egypten zn landen, ihm allein, der selbst neben de» riesenhaften Monumenten der Vorzeit eine gewaltige Erscheinung darbot. Der Besitz dieses Landes blieb nicht in den Händen der Franzosen, aber der unvergängliche Ruhm, das alte Egypten wieder entdeckt und erforscht zu haben, bleibt ihnen nnge- »onnnen. Der Gedanke, die alte Völkerstraße bei Suez zu dnrchschneiden und die Meere zu verbinde», ist nicht neu, aber die geniale Erfassung und Ausführung desselben ist' ebenfalls das Werk eines französischen Deukers. Wenn Frankreich auf Wahrzeichen geachtet haben würde, hätte es vielleicht, wie jener alte König, den schon zum Dheil gegrabenen Kanal wieder zugeschüttet, denn sein Rivale, der britische Löwe, stand sprungbereit und erwarb zuerst die Aktien, um dann den Suez-Kanal militärisch zu besetzen. Italien pocht au einem Hinterpförtchen und wünscht ebenfalls Eiulaß in das Land, das es von der Hauptpforte nicht zu betrctcu wagt. Unter den Gauen EgyptenS ist aber keiner durch Natur und Kunst so ausgezeichnet, wie der Elan von al - Fasson. Der Name al-Fajüm wurde ihm erst von den Arabern beigelcgt, die griechischen Schrifsteller nennen ihn den nomos Aismoites, nach Arsinoe, der Frau und Schwester des PtolemäuS PhiladelphuS. Vor den Lagiden hieß die Stadt Krokodilopolis, weil in diesem Districte das Krokodil eine besondere Verehrung genoß, nnd unter diesem Namen führt ihn auch Herodot an. Dieser Tistrict bildet durch feine Lage ein geschloffenes Ganzes nnd hängt nur durch einen schmalen Paß mit dem übrigen Egypten zusammen. So konnte es geschehen, daß die Araber erst ein volles Jahr nach der Occupatio» Egyptens von der Existenz dieses Distriktes erfuhren, den sie dann auch sofort besetzten. Seine Fruchtbarkeit war selbst in einem so fruchtbaren Lande, wie Egypten, berühmt und hat während der Jahrtausende, trotz des Verfalls