Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 25-26 (30.3.1885)
- Date
- 1885-03-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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418 Zciturrgsrmchrichtcn und Corrcspondcuzcn. D c st c r r. - U it g a r. M onarchie. Aus dem Ncntracr Comitate. Wieder bat der unerbittliche Tod einen der edelsten, einen der besten Menschen ans der Mitte feiner Angehörigen, ans dem kreise seiner Verehrer entrissen. I t wohlgerathcne Kinder in den verschiedensten Stellungen des Gebens, eine ansehnliche und angesehene Verwandtschaft, eine grostc Anzahl von Freunden im In- und Auslände, ein ganzes Städtchen, Vccsc an der Waag, ohne Unterschied der Konfession — alle, sind sic tief gerührt vom Dahinscheidcn des 'ms p'-sn comssn psun mn y'pa'T L'S"-?. Seine einfache, mastige Lebensweise, seine Gemüthsrnhc und Heiterkeit liesten ihn das vom Psalmisten bcgränzte Lebensalter erreichen. (5r wurde?'l Jahre alt. -nx m"j? erkrankte er plötzlich nnd am 3. -nx ging er zn seinen Vätern. Vag-Vcesc war stets der Schauplatz seines ruhigen, bescheidenen aber (Mott nnd Menschen wohlgefälligen nnd segensreichen Lebens gewesett. Es glich dem klaren stillen Bächlein im lauschigen Wiesengrunde, das an seinen Ufern Vergissmeinnicht hervorlockt. Trotz seiner grostcn Gelahrtheit, die ihn für jeden Rabbiuerstnhl gnalifizirtc, machte er ans der Thora keinen Spaten; er ernährte seine groste Familie in früheren Jahren durch Handel. Und hier erwarb er sich durch seilte Ehrlichkeit allgemeines Vertrauen, allscitige Hochachtung. Im vorgerückten Alter, vom Geschäfte sich ganz zurückzieheud, widmete er sich ausschliestlich dein Studium der heil. Lehre. Wie schöu, wie harmonisch wnstte er rnn mit px *yn zu verbinden! Groß war die Zahl seiner Zuhörer, die sich an seinen vom Herzen kommenden zu Herzen gehenden homiletischen Vorträgen erbauten und ausrichteten. Bei seinem Leichenbegängnisse beklagter! ihn sein Sohn, Herr Philipp Deutsch ans Stettin, der ans die Tranerknnde ans weiter Ferne herbeigccklt war nnd Herr Hermann Brody aus Bcczko, ein Schwiegersohn des selig Dahingeschiedenen. Den ältesten Sohn, Herrn Rabbiner Deutsch inWeistkirchen, warf die Schreckensnachricht arrfs Krankenlager, und so war ihm nicht gegönnt zur ,vb hcrbcizueilen. Im Gotteshanse hielt der Rabbiner der Gemeinde, Herr M. Danzig, unter dem kaum nnterdrücktcn Schluchzen nnd Weinen der Anwesenden die Trauerrede. Gerettet. Eine Erzählung von Friedrich Rolt. Drittes Kapitel. Die Zeit verging nnd schien der braven Frau Recht geben zn wollen; der Besitz des Kindes war ihr von keiner Seite streitig gemacht wordeü. Es war ein lebhaftes Kind von seltener Schönheit, das sich von Tag zn Tag herrlicher entwickelte Mit inniger Zärtlichkeit hing cs an den Pflegeeltern, die cs vollständig als ihr eigenes Kind betrachteten nnd auch schon anfingen, es an einige leichte Pflichten zu gewöhnen. „Komm' Viktor," sprach Iran Maibaum zu dein Kleinen, der das dritte Jahr überschritten haben mochte, „ich will Dir das Mast nehmen, halte Dich ruhig." „Willst Du mir ein neues Röckchen machen?" fragte das Kind, seine kleine Persönlichkeit stramm aufrichtend. Frau Maibaum schüttelte den Kopf. „Heute will ich Dir etwas Besseres als ein Röckchen machen, ein Arbakanfos —" „Ein Arbakanfos?" — wiederholte der Kleine, „was ist das?" „Hast Du noch nicht gesehen, wie der Vater cs unter der Weste trägt, mit langen Wollsädcn an den Ecken?" „Ach, so etwas willst Du mir machen?" fragte der Knabe sichtlich enttäuscht; ein neues Röckchen wäre ihm vermuthlich lieber gewesen, „aber ich habe doch keine Weste, da kann ich cs auch nicht darunter tragen." „Das schadet nicht; Du wirst cs unter dem Röckchen tragen. Ich werde es jetzt nähen, nnd der Vater wird die wollenen Fäden daran machen." „Die wird der Vater daran nähen?" fragte der Kleine lachend, „das wird schön sein, und dann werde ich die Fäden inimer ansehen und küssen, gerade so wie es der Vater thut." Frau Maibaum nickte ihm lächelnd zu. „Thu Du nur Alles, tvas der Vater thut." „Dann werde ich mir auch schwarze Bänder um den Arm binden nnd um die Stirn."