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Der Israelit · 1885-03-30 · Heft 25-26 (30.3.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 25-26 (30.3.1885)
Date
1885-03-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Welche Antwort soll man dein jrm gebend Nach dernun keine dkrccte; nach der hl. Schrift aber bekommt er die schlagende Antwort, daß er erst die historische Thatsache des Peßach äbleugnen möge. Wen» er erst Beweise bringen kann, das; die Geschichte erfunden, daß unser Volk nicht in Mizrajim war, nicht befreit wurde, dann könnte seine Frage begründet und berechtigt sein. Und das mag auch heute unsere Antwort auf alle jene Spötter und Verächter unseres Gesetzes sein. Mögen sie, die ja leugnen, erst beweisen, daß sie mit Recht die Geschichte unseres Volkes als erfunden und erdichtet erklären dürfen. So lange man aber nur die unwürdige Waffe des Spottes anwendct, so lange man noch mit solch:«, einem jeden Unwissenden und Ungebildeten zu Gebote stehenden Mitteln gegen das Iudenthnm zu Felde zieht, verlohnt cs sich kaum anders zu erwicdern, als mit einem Schweigen in Hinweis ans die historische Thatsache. Den zwei geistig geweckten Menschen stehen der cn und Hncö jnr u*x gegenüber. Während der ccn ans Alles merkt, jedes Einzelne seiner Betrachtung nnd Forschung unterzieht, in die innerste Gründe cinzndringen sucht, so den echten und wahrhaften Forscher repräscutirend; wird nns in dem cn der Anfänger vorgcführt. Noch unverdorben, in seiner vollen Unschuld, aber doch schon aufmerksam, gleichsam im ersten Erwachen seines Geistes, fragt er nur: „rwnc, iuct* ist daS?" Tic heilige Schrift läßt die Frage des cn durch das Gesetz, rcsp. durch die Ausführung des Gesetzes über die Erstgeborenen Hervorrufen. „Wenn Dich", so heißt es, „bringen wird der Ewige in das Land Kanaan :c., so sollst Du alle männlichen Erstgeborenen des Viehes dem Ewigen bringen :c. nnd alles Erstgeborne von Menschen unter Deinen Söhnen, sollst Du auSlöscn. Und wenn Dein Sohn Dich einst fragen wird: Was ist Das? so sage ihm, mit starker Hand hat uns der Ewige aus Mizrajim geführt." Aus der praktischen Beobachtung unserer heiligen Lehre erwächst das Verständnis;, soll es erwachen. Das Kind, der Altfänger, sicht da, wie sein Vater ein Erstgeborenes seiner Thicre heiligt und weiht, weiß auch, daß cs selbst einst geweiht und ausgclöst wurde. Ein seltsames Gebot, daß sich auf Thier und Mensch gleichmäßig erstreckt. Dieses auffallende Gesetz ruft die Frage hervor, nw .12? Worauf die richtige Antwort ertheilt tvird, der Grund dieses Gesetzes dem Kinde klar wird, zugleich lernt cs die Anfänge unserer Geschichte kennen, wie auch die göttliche Macht nnd den göttlichen Schutz, den Gott uns hat angedcihcn lassen. Wer in seiner Unschuld nnd aus Unkenntnis; nach unseren Gesetzen und ihrer Bedeutung fragt, dem sollen wir immer den richtigen Grund 'angeben. Denn nur dadurch werden und können wir belehren, nur dadurch wird die Uebcrzengnng erzielt undgekrästigt, die später gegen alle Einwände, auch gegen Spott nnd Verachtung Stand hält. Dem pci, wie er uns in der nun vorgcführt wird, gibt dieselbe d i e Antwort, welche auch dem >•”*’ i:\x als Erzählung der Pcßachgcschichte nnd Erklärung der Pcßachvorschriftcn mitgetheilt wird. Jener stellt sich Allem fremd gegenüber, imb Diesem ist noch Alles fremd. Er ist noch völlig theilnahmslos, achtet noch nicht ans Gesetze, und wären sie noch so auffallend. In der heit. Schrift, bei Erwähnung des Gesetzes, daß wir nse essen müssen nnd uns des per. zu enthalten haben ganz Peßach hindurch, wird uns der Auftrag, unserem Kinde zu erzählen. DaS ist der erste Unterricht, den wir unfern kleinen Kindern angedcihcn lassen sollen. So soll das jüd. Kind in das Jndenthnm cingeführt werden. An der Hand der praktischen Mizwoth, die auch das zarte Kind schon beobachten soll und kann. Tie Erzählung alles Dessen, was sich beim Auszug aus Egypten ereignete, ist außerordentlich geeignet für Kinder, wird sich getviß dem K'indergcgedächtnisse tief cinprägcn. Dadurch wird als Resultat der cn, der erste Fragesteller, nnd ans diesem der ccn, sich entwickeln, der ernste Forscher, der wahre, echte )chudi,dcrTrägcr nnd Erhalter dcsIndcnthnms, noch mehr aber der Berthcidigcr nnd Verfechter nuferer GotteSlehre gegenüber dem yvn, dem Spötter nnd Verächter unseres Volkes, seiner Geschichte und Lehre. Und so enthält die Erzählung, die wir unseren Kleinen am Scdcrabend erzählen, die richtige Antwort auch für den ym. Möchten auch wir so unsere Kinder mit jüdischen Erzählungen unterhalten, durch praktisches Beispiel ihre Frage hcrvorrnfcn, auf daß sie dereinst selbstständig forschen können nach den tiefen Gründen unserer heiligen Gebote. Das ist nnd bleibt die beste Antwort auf all jene spöttischen Fragen; das ist und bleibt der beste Weg, sie zum Schweigen zu bringen; vor Allem aber ist und bleibt es der einzige Dank, womit wir unserem Allvater im Himmel für die große Rettung. für den bcsondern Schutz, den Er uns zu allen Zeiten hat angedcihcn lassen, erstatten können.

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