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Der Israelit · 1885-03-30 · Heft 25-26 (30.3.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 25-26 (30.3.1885)
Date
1885-03-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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416 bau Ewigen unscrcm Gotte, sowie Er uus besohlen." Zn den V o rschrifte n am Peßach wird z. V. gerechnet, das; ein Nichtjude nicht von dem Peßachöpscr essen darf. Wenn wir die Nichjnden nicht heranziehen zu unseren Verpflichtungen, so läßt sich das leicht begreifen. Wenn wir sie aber dabei ansschlicßen von unsere» Festen, von nnseren Mahlzeiten, die sogar speciell indischen Charakters sind, da wirft man uns so leicht Intoleranz vor. Und deshalb Nagt der Lin, der doch weist, dast nicht ans Unduldsamkeit eine göttliche Vorschrift entstanden sein kann, nach der Bedeutung derselben. Die Antwort tautet: „Uns hat Gott von dort heransgeführr, um uns zu bringen und uns zu geben das Land Kenaan, welches Gr unseren Vätern zugeschworen." So wenig die »ichtjüdische Welt an den jüdischen Verpflichtungen Thal nimmt, ebensowenig kann sie Anspruch erheben auf Thcilnahme an speciell indischen Rechten. Der Lin sucht in allen diesen Fragen nicht E i n w ä n d c gegen die ciÄrci c'p-n ,nnj? zn erheben, sondern künftigen, unberechtigten Einwänden im Voraus zu begegnen, die Einwände dcsyr^ zn widerlegen. Dieser fragt zwar nicht nach den einzelnen Bestimmungen unserer Peßachgesetze: er wendet sich gegen das Gesammtgesetz von Pcstach. rrz hrf: nsin? Was soll dieser ganze Dienst Euch? fragt er. Der yvr ist kein Unrvissender, sondern er steht geistig dem Lin fast ebenbürtig zur Seite, freilich mit dem großen Unterschiede, daß der csn das Positive, die Bejahung, vertritt, der yen hingegen die Verneinung verkörpert. Für den yyn gibt cs keine jüdische Vergangenheit, keine jüdische Geschichte, keine jüdische Aufgabe. Was kümmert er sich um seine Vorfahren, um ihre Leiden nnd Freuden? Er kennt nur sich allein. „Was soll Euch dieser Dienst?" Er, der sich außerhalb des jüdisch-gesetzlichen Bodens gestellt hat, will natürlich nichts wissen von den Pcstachgesctzen. wenn er auch vielleicht die historische Thatsachc der einstigen Knechtung unseres Volkes nnd seine Befreiung nicht leugnet. Aber nicht zufrieden damit, selbst seiner jüdischen Vergangenheit, seiner jüdischen Herkunft entfremdet zu sein, sich nur auf den allgemein menschlichen Standpunkt zn stellen, ohne specielle Ausgabe und Verpflichtung anznerkcnnen nnd seine»Weg nach seiner Ucberzengnng ruhig zn gehen, will er auch sein Volk entfremden, will er nicht haben, daß das jüdische Volk noch bestehe nnd eine Fortsetzung des Volkes sei, das einst aus Aegnptcn so wunderbar befreit wurde. Und da die Vcrnnnftgrnnde, die er dagegen aufbringru könnte, nicht die historische Thatsachc nmstoßcn könnten, da alle Gegenbeweise, alle Leugnung gegenüber einer tausendjährigen Existenz des jüdischen Volkes schwach nnd haltlos wären, so greift er zn Spott nnd Hohn: „Was soll Euch dieser Dienst? Was nntzt oder schadet es Euch, so spricht er, nnd was habt Ihr davon, daß einst Eure Väter 5t n echte waren? Heute seid Ihr ja frei; laßt die Vergangenheit vergangen sein, lebt niit der Gegenwart." Was die Vernunft nicht vermag, soll Hohn nnd Spott fertig bringen. Wahrlich weit herab hat unsere hl. Schrift geblickt! Tenn man könnte versucht sein zu glauben, daß speciell unsere Zeit damit gekennzeichnet werden sollte. Denn kaum in einer anderen Zeit haben die Söhne unseres Volkes unser Gesetz mit so viel Spott nnd Verachtung behandelt, wie in unseren Tagen. Tag für Tag müssen wir die Frage Horen cLi'v nxin rrnuyn nc? „Was soll Euch dieser Dienst?" Und was hätte« jene Frager davon, wenn sie uns überzeugen, oder richtiger durch ihren Spott znm Uebcrtreten nnd Verlagen unserer Lehre veranlassen könnten? Nutzen nnd Vorthcil gewiß nicht; aber ihr schuldiges Bewußtsein könnte möglicherweise in etwas beruhigt sein, das schuldige Bewußtsein, Ueberlänfer, Renegaten zn sein, die ihren Gott nnd ihr Volk verlassen haben, das schuldige Bewußtsein, gegen Thatsachcn nichts Beweiskräftiges Vorbringen zu können nnd dennoch sie nicht anznerkenncn. Die Frage des ysn. „Was soll Euch dieser Dienst?" wird in der hl. Schrift nicht einem Einzelnen in den Mund gelegt, sondern die betreffende Stelle lautet: „Wenn einst Eure Kinder Euch fragen re." Deshalb machen die Erklärer die Bemerkung, daß damit unserem Volke angedeutet wurde, daß einst die hei.ige Lehre vergeffen werde. Aber andere Erklärer erblicken eine frohe Verheißung darin, daß nämlich immer Nachkommen jener Männer, die aus Mizrajün zogen, vorhanden sein werden. Und gewiß ist letztere Erklärung eine den Thatsachcn entsprechende. Es liegt für uns ein Trost darin, daß, auch wenn immer ein yvn als Vertreter jener Frage sich vorfindet, auch treue Söhne, echte Nachkommen unseres Volkes existiren werden, welche Jenem gegcnübertrcten. Jenem das Gleichgewicht bieten, und so seine Angriffe abschwächen.

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