Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 25-26 (30.3.1885)
- Date
- 1885-03-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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415 „Der Weisheit Anfang ist Gottesfurcht, höchste Vernunft für Alle, die sie üben, sein Ruhm besteht für die Ewigkeit." > Das ist der Beruf, den Gott uns zngethcilt hat, als er »ns aus Aegypten erlöste: durch Sittlichkeit uns zu heiligen, die Wahrheit zu erkennen, für die Ewigkeit uns vorznbcrciten und darin die höchste Weisheit zu suchen und zu finden. Es waren nur kurze Epochen, in welchen Israel diesen seinen Beruf erfüllt hat; Lunde und Abfall haben unser Heiligthnm zerstört, unfern Staat aufgelöst und unsre Löter in die Verbannung zu ziehen gezwungen. Der hohe Beruf Israels ist auch im nto, in der Diaspora, derselbe geblieben. Inmitten der Völker sollen wir ein Beispiel geben hoher Sittlichkeit, um Anerkennung zu verschaffen bcr ä\?ar)vheit, die unser Erbthcil seit Jahrtausenden, auf das; wir erringen die Ewigkeit '?yb ccny» n-r-rn s*n -2 crtsyn denn das ist unsere Weisheit und die Bewährung unsrer Bernnuft vor den Augen der Nationen. Noch in keiner Zeit aber scheint Israel der Erfüllung dieser hohen Aufgabe so fern gewesen zu sein, wie in der nnsrigen. Mit dem Schwinden der GcsetzeStrenc hat in gewissen Kreisen die Sittcnlosigkcit in erschreckender Weise um sich gegriffen; die altcrerbte Wahrheit wird verlacht und verhöhnt von modernen Heiden, die, zur Vergötterung dcrRaturträfte zurückgekehrt, die sittliche Freiheit verloren haben; das ewige Lebe» wird geleugnet von Philosophastern, denen das wahrhaft philosophische Denken ein siebenfach verschlossenes Buch ist; so geht ihnen die jüdische Weisheit verloren, die feit Jahrtausenden unser höchster Schatz gewesen. Sie gleichen der Stoppel, dem Stroh, der Spreu, die der Wind verweht. Aber die treuen Gläubigen in Israel, die fcfthalten an den Grundsätzen unserer hl. Religion und das Vollziehen der Gebote unsres Gcttcs, das forschen in Seiner Lehre zu ihrer Lebensaufgabe machen — sie werden an jedem Peßachfestc in der llebcrzeugung bestärkt, daß Gott uns dcßhalb ans Mizrajim erlöst hat, auf daß wir seien ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk, das seinen hohen Berns zu würdigen weiß und zu erfüllen strebt. Und Gott '2Z7L7.2 Nin;>d?!2 s«n Nr.ri z'-bub td? nrb *n *2. 'yd rvjr verra upcr* .*im :d2**£n \3N „Er ist unser Gott, Er ist unser Vater, Er ist nufer König, Er ist unser Helfer und Er wird uns hören lassen in Seinem Erbarmen zum zweiten Male: zu sein Euch zum Gotte, Ich bin der Ewige, Euer Gott." _;_ Die vier Kinder. «Zum Pcpachsesie.) Von Tr. H. Säuger. (Schluß.) „'Was bedeuten die Satzungen?" fragt er ferner. c-pr. sind solche Gesetze, für die nns Gott leinen Grund «»gibt. Daß der 22.-. dennoch die Grunde wissen möchte, ist natürlich; es ist ihm ja and) gestaltet, darüber nachzndenkcn und ihre Bedeutung zu erforschen. Es muß dem c:r. mit so mehr anffallen, daß hier bei den Peßachvorschriften, wo sich doch Alles auf die Befreiung ans Mizrajim bezieht, anch Satzungen Vorkommen, die wir nicht verstehen. Der denkende Mensch wird sich fragen, was bedeuten wohl diese dunklen Vorschriften? welchen Einfluß können diese auf uns haben? wie stehen sie in Verbindung mit den andern Gesetzen, deren Grund uns klar und deutlich ist?. Auch der denkende, gefetzeStreue Mensch wird leicht in Verlegenheit gerathen, sülchen Satzungen gegenüber. Aber die hl. Schrift, auch wenn sie uns keine» klaren Einblick gestattet in Gottes Absicht und Rathschlnß, wenn sie den dichten Schleier auch nicht lüftet, so daß klar und erkenntlich das Gesetz Gottes uns vor Augen tritt, gibt dennoch dem 221-. Andeutungen und Winke, um ihn auf den rechten Weg zu führen, um ihm zu sagen, daß eine tiefe Absicht diesen Satzungen zu Grunde liegt, daß Gott auch bei sülchen Gesetzen, die einem historischen Vorgänge ihren Ursprung verdanken, nicht bloß dieser geschichtlichen Begebenheit Rechnung trägt, die dadurch entstandenen Gesetze nicht bloß für diesen Moment berechnet sind, nicht bloß historischen Werth haben, daß diese menschlichen Vorgänge nicht aus bloßen Anfälligkeiten, nicht als bloß natürliche Folgen menschlichen Thuns entstanden; vielmehr im Hintergründe aller Erscheinungen und Begebenheiten, eine leitende, wenn auch dem blöden Menschenange verborgene Hand sich befindet, in welcher alle Fäden der Menschengeschichte und Menschengeschicke znsammcnlanfen. Darum antwortet auf die Frage des am die hl. Schrift auch mit den Worten: „Und es befahl uns der Ewige, all diese Satzungen zu üben, damit wir Ehrfurcht haben vor dem Ewigen nnscrent Gotte, damit cs uns wohl ergehe und uns am Leben zu erhalten wie bis zu diesem Tage. Und als Verdienst soll es uns angerechnet werden, wenn wir alle diese Gebote beobachten, vor