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Der Israelit · 1885-03-26 · Heft 24 (26.3.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 24 (26.3.1885)
Date
1885-03-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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402 jcm starb dcr edle Erzbischof Mat Dalena, den die! Juden als ihren Wohlthäter verehrten wib liebten. | Ilm diesen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, begleitete der Rabbiner Josef Lewi und eine Deputation der israelitischen Gemeinde die Leiche des verstorbenen Kirchenfürsten bis zum jüdischen Friedhöfe. Hier hielt der Lcichenzug stille und dcr Rabbiner verrichtete laut das Gebet 2-^ -fisn, worauf er in dcr Landessprache ein Gebet für das Seelenheil des edlen Priesters verrichtete. A m e r i k a. Baltimore. Unsere Glaubensgenossen in Baltimore haben in ihrem lobcnswerthcn Bestreben, die Lage ihrer Armen zu bessern, eine Institution errichtet, welche die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen berechtigt ist. Sie nennt sich „üni- 1<'il Jlebrew School and Kitchen Carden“ und ist eine praktische Bcrvollkommnuug des sogenannten Kindcr-Gartenspstcms. Die kleinen Kinder, insbesondere Mädchen, welche im elterlichen Hanse in Folge der großen Armnth vernachlässigt werden und in Schmutz answachsen, werden hier ihren Kräften entsprechend zu den praktischen Pflichten des Lebens und namentlich an strenge Reinlichkeit gewöhnt. Die Mädchen müsscit sich selbst und ihre Umgebung reinigen, ihre Betten machen, Tische decken und andere häusliche Pflichten vollziehen. Durch körperliche Uebnngcn, Spiele, Unterricht im Hebräischen und Englischen wird für ihre körperliche und geistige Entwickelung gesorgt. Wenn diese Einrichtung sich bewähren wird,' sollen auch höhere Klassen für ältere Kinder errichtet werden, in welchen dieselben soweit herangebildet werden sollen, daß sic im Stande sind, nicht nur einen geordneten Hausstand zu führen, sondern sich auch' selbstständig ernähren zu können. Feuilleton. Hereltel. pine Zahlung von Friedrich Rstt. Zweites Kapitel. Mehrere Wochen waren verstrichen. Es war an einem Sabbat. Das überaus einfach möblirte Zimmer des Maibaum'schcn Ehepaares machte heute einen feierlichen Gindruck. Dcr große viereckige Tisch in dcr Mitte desselben war mit weißem Linnen überdeckt, und über demselben hing vom Plafond herab die sicbcnarmige sogenannte Sabbatlampe von Messing, das heute wie eitel Gold erglänzte. Auch ans dem kleinen Tischchen neben dem Kachelofen lag eine weiße Serviette und eine gleiche auf dem Pfcilcrschränkchen unter dem Spiegel, wo sich auch ein riesiges Bouquet von getrockneten, sogenannten gebackenen Blumen befand. Herr Maibaum war Vorbeter und Schächter bei der israelitischen Gemeinde in der Residenzstadt eines seitdem depossidirten Fürsten. Sein Einkommen war ein sehr bescheidenes; doch wußte er es durch einen kleinen Handel mit allem Möglichen zu verbessern. Wohlhabend hätte man ihn zwar nicht nennen können; doch die beiden alternden Leute hatten, was sie gebrauchten, und waren sogar im Stande, soviel zu erübrigen, daß sic alljährlich ihre einzige Tochter, die eine kleine Tagereise entfernt von ihnen verhcirathct war, besuchen konnten. Rach jedem solchen Besuche erschien ihnen ihr eigenes Heim überaus still und öde: doch dieses Mal machten sic diese Wahrnehmung nicht, das gerettete Kind brachte Leben in die sonst so stillen Räume. Sabbatlichc Ruhe herrschte in dem traulichen Raume, im Ofen brannte knisternd ein helles Feuer, die Schwarzwälder Uhr an dcr Wand ließ ihr einförmiges Diktat ertönen. Auf dem Großvatcrstuhl vor dein Eichentischc in der Mitte saß Herr Maibanm im großgcblnrnten Schlafrock mit dem goldgestickten Saunnetkäppchen auf dem bereits ergrautem Haupte. Bor ihm lag ein anfgcschlagener Foliant, ans dem er „lernte." Halblattt summend schaukelte er bald den Oberkörper, bald wiegte er sinnend das Haupt: er schien sehr vertieft. Seitwärts auf dem Kanapee saß seine Frau gleichfalls in sabbatlichcr Toilette und tändelte mit dem Kinde, das sic gerettet. Es war ein schönes, lebhaftes Kind von höchstens dreiviertcl Jahren. Die großen dunkeln Angen hatten zwar am ersten Tage recht verwundert umhcrgeblickt in den ihm fremden Räumen, doch hatte es sich rasch behaglich gefühlt unter der liebevollen Pflege der sanften, freundlichen Frau, die an dein fremden Kinde bereits hing, als wäre es ihr eigenes. Der Kleine stand ans ihrem Schooße und bemühte sich, die bunten Blumen ihrer Sabbathaube zu Haschen. Bald neigte sic das Haupt ihm zu, indem sie seine kleinen Hände hielt, bald ließ sie seine Hände frei, um sich rasch znrnckzuwcnden, wenn er laut jauchzend auf's Rene nach den prächtigen Rosen greifen wollte, und dabei nickte sic stets lächelnd ihm zu und flüsterte Schmeichelworte ihm in das Ohr, die das gescheidte Bürschchen zu verstehen schien, denn er erwiderte sie mit Liebkosungen, indem er mit offenem Mündchen seine freundliche Pflegerin zu küssen suchte. Diese fürchtete jedoch, daß das laute Jauchzen des Kindes den Gatten im Lernen stören könnesie bemühte sich daher die Aufmerksamkeit des Kleinen auf andere Gegenstände zu lenken, bis endlich der Dam-

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