Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 24 (26.3.1885)
- Date
- 1885-03-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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300 so antwortet: Es ist das Ueberschrcitungsopfer rc." ferner heißt es: „Wenn der Ewige Dich bringen wird in das Land Kenaan rc. so sollst Tn sieben Tage ress essen rc. und Du sollst erzählen Deinem Sohne an jenem Tage: Um deswillen, was mir gcthan hat der Ewige bei meinem Auszuge ans Aegypten." An einer dritten Stelle heißt es: „Wenn Du einst im heiligen Lande die Erstgeborenen dem Ewigen weihst und auslösest die Erstgeborenen Deiner Söhne und cs wird Dich Dein Sohn fragen: Was ist das? so sage ihm: Mit starker Hand hat uns der Ewige hcrauSgcführt ans Mizrajim, ans dem Sclavcnhause." Endlich im ö. B. M. heißt es: „Wenn einst Tein Sohn Dich fragen wird: „Was bedeuten die Zeugnisse, Satzungen und Vorschriften, welche der Ewige unser Gott Euch besohlen? so sage chm: Knechte waren wir einst dem Pharo in Mizrajim rc." Die rrwn bemerkt hiezu, daß diese vier verschiedenen Stellen der hl. Schrift bcu vier Fragestellern üw ,cn ,ycn ,L2N entsprechen. Die Frage, welche die m:n dem eilte» der vier Kinder, dem cm in den Mnnd legt, sie steht eigentlich an der lebten Stelle, im r>. B. M., während die anderen drei Fragen bei dem Berichte des Auszugs ans Aegypten erwähnt iverdcn, und die ersten Worte, welche dort angeführt sind, werden vom Verfasser der nun dem yc* in den Mund gelegt. Allein in richtiger Würdigung der Fragenden wird der osn au den ersten Platz gesetzt, da in erster Linie anznnehmcu ist, das; der Frager nicht ans mnssiger Neugierde oder gar ans unlauteren Motiven fragt, sondern um die Gründe kennen zu lernen irgend eines Gesetzes oder eines Geschehnisses, das ihttl ans Mangel au Kcnntuiß desselben nicht klar und verständlich ist. Darum fragt der Lin: „Was sollen die Zeugnisse, die Satzungen und Vorschriften, welche der Ewige unser Gott Euch befohlen?" Zeugnisse, das sind Bestätigungen von Ereignissen und Thatsachen. Wenn solche Ereignisse und Thatsachen nun gar einer grauen Vergangenheit angehören, wenn Jahrtausende darüber hingcgangen sind, und mit den vergangenen Jahrtausenden auch leicht ein vollständiges Vergessen jener Thatsachen hätte Platz greifen können, dann sind solche Zeugnisse um so werthvoller, besonders wenn sie Thatsachen und Ereignisse bestätigen sollen, die nicht der Vergessenheit anhekmfallen, die vielmehr zur ewigen Erinnerung dem Gedächtnisse erhalten werden sollen. Für unsere Knechtschaft in Aegypten und für nufere merkwürdige Befreiung aus derselben hat die Weltgeschichte wenig Beweise und keine anderweitigen Berichte, als die, welche unsere hl. Schrift mittheilt. Die nichtjüdischc Welt mag cs glauben oder nicht, mag der hl. Schrift historischen Werth zncrkcnncn oder absprcchen, so wird sic sich dennoch die Zeugnisse nicht zurechtlegcn können, wird dieselben aber nicht als bloße Erfindungen erklären dürfen. Denn wenn sie auch annehmen wollte, die Geschichte wäre erfunden, so läßt sich doch vernünftigerweise nicht behaupten, man wäre so weit gegangen auch falsche Zeugnisse zu erdichten, besonders, wenn cs so ausfallende sind wie hier, zur Bestätigung des Auszuges ans Aegypten durch -in :i nae. Wenn Millionen von Menschen in jedem Zeitalter seit Jahrtausenden * Tage lang nnschmackhaftcS Brod essen, unter den erschwerendsten Nmständcn die gewohnte Lebensweise anfgcbcn; wenn sie gegen ihren Geschmack und der allgemeinen menschlichen Geschmacksrichtung zuwider, statt Süßes und Angenehmes zu genießen, bittere .Kräuter essen: so mnß doch diese auffallende Erscheinung einen gewichtigen Grund haben. Mit der Erklärung, daß die nso zur Erinnerung dienen soll an die durch göttliche Fügung so merkwürdige Vertreibung unseres Volkes durch Pharo und das Acgyptervolk, welche vorher, so hartnäckig widerstanden, dieses Volk ziehen zu lassen, und daß der -»rc uns die Bitterkeit unseres früheren Looses in Aegypten vergegenwärtigen soll, bekommen diese Zeugnisse erst ihre wahre Beweiskraft. Wenn man bedenkt, daß gerade diese vieltanscndjährigc Beobachtung des Mazzoh-GcboteS die Thatsachc unserer Befreiung immer wieder frisch in's Gedächtnis; ruft, immer anf'S Nene bezeugt und erhärtet, eine Verleugnung der historischen Wahrheit dieses Ereignisses nicht'aufkommen läßt: daun zeigt sich erst so recht, wie wichtig solche Zenguissc sind, gerade solche scheinbar abnorme, außergewöhnliche, der Welt fast komisch vorkommende jüdische Branche und Sitten. Wohl mag selbst der vernünftige, weise Mensch, der gerne den Gründen nachforscht, der Meinung sein, daß cs solcher Zeugnisse nicht bedurfte, daß wir ja Hunderte wichtigere Gebote haben, die an jene historische Thatsachc anknüpfen und deshalb die Frage stellen: Was bedeuten die Zeugnisse rc.? Er mag wohl glauben, sic wären nicht so wichtig und nothwcndig, weil er, trotz seiner Vernunft, den vollen Werth und die ganze Bedeutung und Tragweite noch nicht kennt. (Schluß folgt.)