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Der Israelit · 1885-03-26 · Heft 24 (26.3.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 24 (26.3.1885)
Date
1885-03-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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heit kann die wirkliche Freiheit, die Heiligung des Lebens sich anferbauen. Die Grundlage des Heidenthums aber war die Lüge. Wohl haben die heidnischen Volker des Alterthums auf den verschiedensten Gebieten menschlichen Könnens Großes geleistet. Alte Papyros-Rollen geben uns Kunde von der Zivilisation des alten Aegyptens, von seiner Industrie, von Kunst und Wissenschaft, die dort gepflegt wurden; wir staunen noch heute die Neberreste der großartigen Bauwerke au, welches dieses Bolk geschaffen har. In Dhon eingebrannte Keilinschriften erzählen uns von derPflege der Künsten und Wissenschaften bei den Assyrern und Chaldäern, (yiiic reiche Literatur berichtet uns ausführlich von der hohen Eivilisation, welche die Griechen und Römer errungen hatten; fast unerreicht sind diese Völker noch heute auf den Gebieten der Künste und der Wissenschaften. Aber trotz alles Glanzes war der innere Kern aller dieser Völker nichts als Fäulnis; und Moder. „Die Götzcnbildner sind alle eitel, ihr prächtiges Gebilde unnützes Wesen; das bezeugen sie ja selbst; aber sie sehen nicht und erkennen nicht, daniit sie beschämt werden, die Götzenbildner, die ein Götzenbild formen, das ja nichts nützen kann. Siehe, Alle, die sich dazu verbinden, werden beschämt werden und wären sie die größten Künstler unter den Menschen, und sannnelten sie sich Alle; einst wird sie Furcht ergreifen und sie werden beschämt werden. (Daselbst V. u, u) u. li.) ne« , der Ewige aber ist der Gott der Wahrheit." Was ist Wahrheit- Gewöhnlich erklärt man den Begriff der Wahrheit dahin, daß unsere Anschauungen mit den Objecten derselben übereinstimmen. Das ist wohl recht, gehl aber zu sehr auf das Einzelne, um den Begriff der Wahrheit zu erschöpfen. Wenn Jemand eine richtige Vorstellung von einem Tisch, einer Bank, einem Stuhle und hunderttausend andern Gegenständen hat, so ist er noch nicht im Besitze der Wahrheit. Die Wahrheit als solche ist nur eine, aber eine allumfassende. Von ihr ans muß das ganze Weltall erklärt und begriffen, zu ihr müssen alle einzelne Erscheinungen zurückgeführt werden können. Und diese eine Wahrheit ist Gott, der einzige Gott, der Schöpfer . des Weltalls. Daher heißt Gott nuos der ' Ewige, welcher alle Wesen in sich vereint. Er ist der Erste, Er ist der Letzte, und außer Ihn; ist kein Gott. Durch diesen Gedanken sind alle Räthsel gelöst, können alle Fragen beantwortet werden. Der Begriff der Wahrheit ist, daß alle Wesenheit in ihm enthalten, daß alle einzelnen Wesen auf ihn zurückgesührt werden, daß alles, was war, ist. und sein wird aus diesem Begriffe erlvächst. Demgemäß soll der Israelit denken, fühlen und handeln. Wir wollen das an einigen Beispiele klar machen. Was wir sind, verdanken wir Gott. Wenn Er nicht zuvor uns eine Wohnung verliehen, so könnten wir die Mesusa nicht an die Pfosten derselben heften; wenn Er uns nicht zuvor ein Kleid gegeben, so könnten wir die Schaufäden nicht daran befestigen; wenn Er uns nicht zuvor einen Sohn hätte geboren werden lassen, so könnten lvir die Beschneidunq nicht all ihm vollziehen. Alles, was wir erwerben und genießen, müssen lvir aus Gott beziehen. Wir sollen keinen andern Wunsch haben, kein anderes Verlangen als Ihm zu dienen. Rur zu diesem Zwecke sollen wir für unfern Lebensunterhalt sorgen und die Genüsse des Lebens uns gestatte». Selbst des Lebens Bitterkeiten und Kümmernisse sollen lvir als von Seiner Vaterhand uns zukonlmend betrachten. Dieser Gedanke ist auch in den besonderen Geboten des Peßachfeftes ausgesprochen. Das Opferlamm ist ein Symbol, daß wir unser ganzes Sein, daß wir unseren sälnmtlichen Besitz unserem Gotte weihen. Die ungesäuerten Brode sind ein Symbol, daß wir unsere Genüsse den Vorschriften unseres Gottes gemäß eiurichten. Die bitteren Kräuter sind ein Symbol, daß wir selbst des Lebens Bitternis; auf Ihn zllrückführen und auf die weisen Zwecke achten, die Er damit verbindet. Wenn wir so denken, fühlen und handeln, dann erfüllen wir unsererseits das, was uns aufgelegt ist worden durch das große Wort ds1? nrnS Euch zu sein zum Gotte; daun aber wird nraas der Herr aller Wesen, auch stets sein frnui iwer der König Israels und sein Erlöser. (Schluß folgt.) Die vier Kinder. tZum Ptßachsefte.) Von Dr. H. Sänger. Bei den Vorschriften über Peßach finden wir in der heiligen Schrift eine Eigenthünilichkeit, wie sonst bei keinem anderen Gesetze. Tie hl. Schrift setzt nämlich voraus, daß das Befreiungsfest unseres Volkes und die sich daran knüpfenden vielfachen lmd ekgenthümlichen Vorschriften einst den Nachkommen viel Stoff zum Fragest geben werden, und zeigt uns zugleich, wie lvir auf diese verschiedenen Fragen autworten sollen. So heißt es: „Wenn- Ihr kn daS Land kommt, das der Ewige Euch geben wird re. lind es wird sein, daß Eure Kinder zu Euch sagen: Was bedeutet Euch dieser Dienst-

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