Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 24 (26.3.1885)
- Date
- 1885-03-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVl. Jahrgang. M 24. ($• i it KenLrak - Hrgan für das orthodoxe Iudenthmn. Hcransgcgcben von Z-r'. Lehnratm in 'Mainz. Donnerstag, den 26. März 5645 (1885). Da mit dem 1. April 1885 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement fri'chzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Leitende Artikel. Der öolie Perus Israels. (Bit m P eßach feste.) II. Mainz, 24. März. Schon in uralten Zeiten, schon in den Tagen des Enosch, des dritten Menschengeschlechts, das auf Erden weilte, war die Menschheit von Gott abgefallen und hatte Götzen von Holz und Stein ihre Anbetung zugcwendet. Tie einzelnen Naturkräfte wurden persouificirt und als Götter verehrt. Auch in der nachsündfluthlichcn Zeit fielen die meisten Nachkommen Noachs von dem einzigen Gotte ab und machten sich Götter, die ihren thörichten Begriffen entsprachen. Je nach den Individualitäten der Völker stellten sie ihre Gottheiten unter andern Bildern dar. Die Aegypter fanden die einzelnen Natnrkräfte in den lebendigen Thiercn vertreten, die Chaldäer wählten sich die großen Himmelskörper, die Griechen faßten die Naturkräfte in menschenähnliche Formen zusainineit und schufen sich ein ganzes Heer von Göttern, denen sie menschliche Eigenschaften, menschliche Fehler, Schwächen und Leidenschaften beilegten. Aehnlich waren die andern zahllosen Religionen der heidnischen Völker beschaffen. Allen fehlte das Priucip der persönlichen Freiheit, Alles war Naturitothweitdigkcit, und damit war der erhabene Gedanke der freien Sittlichkeit ansgeschlossen. In allen diesen Religionen war das Fatum, das unabänderliche Geschick, das Maßgebende. Aber nur die Freiheit des Willens ist es, die den Menschen zum Menschen macht. Die Freiheit des Willens ist ohne den Gedanken an den einzigen, persönlichen Gott eine Unmöglichkeit. Der einzige Gott hat aus freiem Willen die Well erschaffen und dem Menschen, dem ersten und vorzüglichsten Seiner Geschöpfe die Freiheit verliehen, die Freiheit, das Gute zn thun und das Böse zu lassen oder umgekehrt. Erst diese Freiheit ergibt die Möglichkeit einer Belohnung und Bestrafung, und dieser Gedanke wiederum führt zur freien Sittlichkeit. mso* \-frnn ,*• 'mir n cy „Dieses Volk, das ich Mir gebildet habe, Meinen Ruhm sollen sie verkünden. (Jesaias E. 4N. V. 21). Und nun, höre, Jakob, Mein Knecht, Israel, den Ich erkoren: So spricht der Ewige, der Dich erschaffen und von dem Mutterschooße an Dich gebildet und stets Dir helfen wird: Fürchte Dich nicht, Mein Knecht Jakob, Jeschnrnn, den Ich erkoren,- denn so wie Ich Wasser gieße auf durstiges Land und Ströme rieseln lasse auf dürren Boden, so gieße ich ans Meinen Geist auf Deinen Samen und Meinen Segen auf Deine Nachkommen. Sie werden wachsen wie junges Gras, wie Weiden an Wasserbächen. Ter Eine wird sprechen: Dem Ewigen gehöre ich an, und dieser nennt sich nach Jakobs Namen, der Andere wird schreiben mit seiner Hand für den Elvigcn, „der Israelit" wird man ihn nennen. So hat gesprochen der Ewige, Israels Kö.nig und sein Erlöser, der Ewige Zebaoth: Ich bin der Erste und bin der Letzte, und außer Mir ist kein Gott. (Daselbst E. 44. B. 1—6.) Mit der Befreiung ans Aegypten hat Gott das israelitische Volk erwählt, uni es zu gestalten zu einem Reiche von Priestern, zu einem heiligen Volke. Gleichsam als ein ganzes Volk von Priestern soll Israel die erhabene Idee der sittlichen Freiheit vertreten und durch dieselbe sich zu einem heiligen Volke emporarbeiten, das durch sein erhabenes Beispiel der ganzen Menschheit zum Heile gereiche; denn nur ans dem granitenen Felsen der Wahr-