Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-03-23 · Heft 23 (23.3.1885) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 23 (23.3.1885)
Date
1885-03-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449527--21888-2511485
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

355 Vice-Lchul Inspektor Felder, der Komitats-Obernotär Edmund v. Vinczmandy (als Vertreter des KomitateS) und der BczirkS-Oberstuhlrichtcr Julius v. D ö k a S waren erschienen und nahmen mit sichtlich freudigem Gemüthe Antheil an dem erhebenden Feste. Der Lehrkörper der hiesigen kathol. Schule statte sich unter Führung des Direktors Ordcnsgeistlichen Mathias Szab« cingefuudcu. Präcis 10 Uhr Vormittags wurde eine aus den Schnlkommij'sionsmitgliedern Herm. Deutsch und Mor. Wein berge r bestehende Deputation entsendet, um den Jubilar cinznladcn, in dem festlich dckorirtcn Gemeinde-Schnl-Lokale zu erscheinen. Der Jubilar folgte nun der Deputation, begleitet von seiner Familie und seinen intimen Freunden, und wurde bei seinem Eintritte in den Saal mit begeisterten Eljenrufcn empfangen. Auf seinem Platze angelangt, erhob sich der vermöge seiner vielseitigen talmudischen und profanen Kenntnisse, so auch wegen seiner biederen Eigenschaften und strcngreligiösen Lebensweise hochgeachtete Präses der Schnl-Kommission, Herr Albert Fried lieb er — -px* '-i '.'5ML1 vc* — und richtete eine wahrhaft gediegene und geistvolle Ansprache au den Jubilar, welche selbst über manches ernste Mannesgcsicht Thräncn fließen machte. In schwungvollen Worten betonte der Redner den unermüdlichen Fleiß, den cchtrcligiösen Lebenswandel und den allbekannten Wohlthätigkeitssinu des gelehrten Jubilars, sowie auch den sittlichen Ernst, der alte seine Handlungen charakterisirt und schloß mit dem Nachweise, daß der Jubilar all' sein Wirken der o-ion rb-nz mny ,mm widmet. Schließlich beglückwünschte der Redner den Jubilar im Namen der Schulkommission und der Gemeinde und überreichte ihm Namens der Letzteren als Ehrengeschenk einen wcrthvollcn silbernen Becher. Als die stürmischen Eljenrufc, welche die Rede des Herrn Friedlieber hervorrief, verhallt waren, begrüßte Herr Dr. jur. Armin Nagy den Jubilar Namens des „Vereins zur Unterstützung der armen Schuljugend" — zu dessen Gründern der Jubilar gehört — in einer trefflichen Ansprache. Die ehemaligen Schüler ließen den Jubilar durch Dr. jur. Salomo» Reichard begrüßen, und wahrlich hätten dieselben keinen besseren Sprecher wählen können; denn der genannte, ausgezeichnete junge Redner riß die ganze Versammlung durch die Gediegenheit seiner Rede, sowie durch die warme Empfindung, welche aus derselben heraustönte, zu stürmischer Begeisterung hin. Von den ehemaligen Schülern erhielt der Jubilar ein Ehrengeschenk im Werthe von 200 fl. o. W. Die Glückwünsche des Lehrkörpers verdolmetschte Schreiber dieser Zeilen als treuer Kollege und langjähriger Freund des Jubilars. Hierauf gratulirtc die Schuljugend dem Jubilar nnd zuletzt wurde derselbe vom Schul-Inspektor Ludwig v. Neines in der diesem besonders eigenthümlichcn herzlichen Weise begrüßt. — Dann dankte der Jubilar ticfgerührt für die viclsachcn ihm erwiesenen Ehrenbezeugungen. Dieser ergreifenden Erwiderung folgten nichtcndenwollendc Eljcnruse. Sinn drängte sich Alles an den Jubilar, und es war eine wahrhaft erhebende Scene, Zeuge einer so warmen, herzlichen Anerkennung zu sein, mit welcher die Verdienste eines wackcrn, hochgeachteten Lehrers belohnt wurden. Wahrlich, hier könnte ein Lehrerherz wieder neuen Muth und neue Begeisterung schöpfen; denn nichts spornt ja mehr an, als Anerkennung von Seiten der Eltern nnd Vorgesetzten. ~ Zum Schluffe sei noch erwähnt, daß die Feier mit einem Festessen beschlossen wurde nnd daß während der Feier zahlreiche Telegramme und Adressen von Gemeinden, Körperschaften, Eollegen, Rabbinen und anderen hervorragenden Personen aus den verschiedensten Städten unseres Vaterlandes nnd auch viele Briefe aus Oesterreich und Deutschland eiutrafcn. So endete diese schöne Jubiläumsfeier, die alku Anwesenden noch lange Zeit eine erhebende Erinnerung gewähren wird.' Alex. Knopfler. Frankreich. Paris. Schon seit mehreren Wochen dauert in der Academic de Medieinc zu Paris die Discnssion über die stetige Abnahme der Bevölkerung in Frankreichs Das Interesse, welches die Verhandlungen naturgemäß Hervorrufen, steigerte sich in der am io. v. M. abgehaltencn Sitzung fast zu einer sensationellen Maire durch die Rede, welche der Vorstand der medizinischen Klinik an dem Hospital de la Eharittz, Prof. Hardy, zu dieser Frage hielt. „Alle vorgcschlagenen moralischen und sonstigen Maßnahmen werden sich," so sagte er, „als fruchtlos zur Heilung des ttcbcls erweisen... Die Lücken, die sich in der französischen Bevölkerung zeigen, können nur durch eine möglichst starke Einwanderung von Individuen israelitischer Race ansgcfüllt werden, die anderswo molestirt, ja maltraitirt, bei uns Freiheit nnd Gleichheit finden, und sich wohl auch angezogcn fühlen durch den Reiz, den unsere Sitten und politischen Institutionen ihnen bieten. Die Juden sind intelligent, arbeitsam, ehrgeizig und was das Wichtigste ist — sie sind kinderreich. Diese letztere Eigenschaft macht uns ihre Einwanderung besonders werthvolt: ihre Kinder werden einst die besten Franzosen sein. * i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.