Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 23 (23.3.1885)
- Date
- 1885-03-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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383 wählt; nur an stelle des ausgcschiedenen Hrn. I. Metz trat Herr Willi Trost. Frankfurt a. M., 22. Mär.;. Unlängst wurde in diesen geschätzten Blättern vor so manchen mnherreisenden angeblichen ans« gewarnt; gestatten Sic mir, zur Begründung dieser Warnung ein Factnm anzuführen. Es wurden mir nämlich von einem Manne ans Stuttgart ein Paar r^n znm Nachsehen übergeben. Dieselben waren statt mit rr; mit Biolinsaitcn znsammengcheftet! Der Berkänser ist ein Pole, ein junger Mensch von einigen und zwanzig Jahren und hält sich meistens in Baden und Württemberg auf. A. Rothschild, c"n"c -®id. Ocsterr. - Unga r. M onarchi e. Wien, l3. März- Frau Marie Hnbcr, Hotelbesiyerin in Amstetten, ersuchte im vorigen Jahre das Eonfections-Gcschäft der Herren Ludwig Zwicback und Bruder in Mariahilf mittelst einer Korrespondenzkarte um Zusendung von Mustern. Sic erhielt darauf folgende verblüffende Antwort: „Ihre Bestellung haben wir nicht ansgeführt, da wir principicll Geschäfte nur mit Glaubensgenossen «Israeliten) machen und mit Christen nichts zu thun Naben wollen. Ludwig Zwieback und Bruder-" Die Iran konnte sich vor Verwunderung über diese Zuschrift kaum faffcn; Eharakterzüge solcher Art hatte sie an jüdischen Kanflcntcn noch niemals beobachtet. Sie wendete sich endlich an Herrn Zwieback mit der Frage, ob er als Ehcf von dieser Sache .Kenntniß habe. Inzwischen hatte Herr Joseph Taubcnrauch, der Inhaber der gleichnamigen Eonfections- Firma in Mariahilf, eine in Wien, Mariahilf, ansgcgcbene Eorrespoudcnz-Karte erhalten, worin ein Herr Knger Namens der Frau Huber in Amstetten für dieselbe eine Mustersendung bestellte. Diese .Karte war, wie sich später ergab, von derselben Hand geschrieben, wie jene selbstverständlich singirtc Antwort der Herren Zwieback und Brnder an Frau Huber. Herr Taubenranch liest die Mnster-Eoltcction an Frau Huber abgehen, welche auch wirklich eines der Stoffmuster answählte und cs mit der Erthcilung eines Auftrages an die Firma schickte. Der Brief wurde jedoch zollamtlich confiscirt, so daß er gar nicht in die Hände der Taubenrauchs gelangte. Während dies geschah, hatte Zwieback, erbittert über die Mystification, die Bitte um nähere Mittheilungen an Frau Huber gerichtet, welche ihn: nun von der Korrespondenz mit dem Hanse Taubenrauch Kenntniß gab. Daraus zog Herr Zwieback den Schluß, das; .verr Taubeuranch durch einen Jrrthum des Briefträgers die an ihn gerichtete Korrespondenz- Karte ans Amstettcn empfangen, sic mißbräuchlich behalten und an Fron Huber die falsche Antwort, sowie später seine eigenen Muster gesendet habe. Herr Zwieback liest in diesem Sinne bei der Sicherheits-Bchördc die Anzeige erstatten. Das Polizei- Kommissariat lud beide Parteien vor und es erschienen Namens der Firma Zieback und Bruder deren Geschäftsführer Miskolczv, für Herrn Tänbcnrauch sein Eommis Ebner. Da dieser ans der Vorlage nicht erfahren hatte, um was es sich handle, war er nicht in der Lage, die an seinen Ehcf gelangte Eorrespondenz-Karte vorznlegen oder auch nur von derselben Mittheilung zu machen. Herr Miskolczy hielt die Behauptung aufrecht, daß Herr Taubeuranch in der oben erwähnten Weise vorgcgangen sei; erklärte, das; er dies beeiden könnte, und fragte den Polizci-Eommissär, ob dcsthalb nicht eine Untersuchung wegen Betruges eingeleitet werden könnte. Diese Frage wurde verneint, worauf Miskolczv die Handlungsweise Tanbcnrauchs als llii* reellität, Schwindel und Gewerbestörung bczeichnete. Nachdem Herr Taubeuranch durch seinen Eommis hievon Kenntnis; erhalten hatte, übermittelte er dem Polizei - Eommissariate die ihm zngcgangcnc Eorrcspondenz-.Kanc und erhob zugleich gegen Miskolczv die Ehrcnbelcidignngsklage. Bor Gericht fand Herr Taubeuranch als die einzige Erklärung für den sonderbaren Vorfall, das; der Briefträger die Eorrespondenz - Karte der Frau Huber an das Hans Zwieback verloren, ein Antisemit oder persönlicher Feind dieser Firma sie gefunden und den Herren Zwieback und Bruder einen Schabernack habe spielen wollen: derselbe dürste zu diesem Zweckt die Mvstisication veranstaltet und die beiden unechten Zuschriften abgescndct haben. Das Bezirksgericht sowohl, als heute das Apeltgcricht unter Vorsitz des Landgcrichtsrathcs L a n g th a l er, sprachen Herrn Miskolczy frei: Letzteres b.gründete diese Entscheidung damit, das; Miskolezv zu der Zeit, als er bei dem Polizei-Eommissariate seine Deposition abgab, allen Grund hatte, au die Nichtigkeit seiner Angaben zu glauben, da ihm damals die an Herrn Taubeuranch gelangte, mit dem Datum zutreffende Eorrespondenz-Kartc mit der Bestellung der Muster noch nicht vorlag. Wie», itt. März. Der Eassationshof hat das Uriheil des Schwurgerichtes in .Krakan, durch welches Moses Ritter und dessen Gattin des Mordes schuldig erkannt und zum Tode vcrurtheilt wurden, in nichtöffentlicher Sitzung cassirt und dem Land-