Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 23 (23.3.1885)
- Date
- 1885-03-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Aber das schwerste Opfer war ihm für sein Alter Vorbehalten. Da mußte er dem Lieblinge seines Herzens die Segnungen entziehen, deren dieser nicht würdig war. Jakob wurde der Erbe der Abrahamverheißungen. Sie brachten ihm anfangs weder Reichthum nach Ehre, sondern Arbeit und Dienstbarkeit. Die Kämpfe, die Jakob zu kämpfen, die Mühen, denen er sich zu unterziehen hatte, waren großer und zahlreicher als die seiner Väter. Zwanzig Jahre brachte er als Diener zu im Hause seines götzendienerischen, ihm feindlich gesinnten Oheims und Schwiegervaters. Welches Opfcrmuthes, welcher unablässigen Kämpfe bedurfte es da, um für sich und die Seinen den reinen Gottesglaubcn zu erhalten! In einer solchen Umgebung werden seine Kinder geboren und wachsen heran, und der Vater inmitten seiner schweren, ihn Tag und Nacht beschäftigenden Arbeit, muß sie hüten und schützen vor jedem bösen Einflüsse. Auch er gcräth ^iu Eonflict mit mächtigen Fürsten und geht als Sieger aus allen Kämpfen hervor. Aber auch des Schmerzes größte Bitterkeit bleibt ihm nicht erspart; der Kamps der feindlichen Brüder verwundet aufs Tiefste sein Vaterherz; jedoch, nicht Trennung erwächst daraus, sondern Versöhnung und glückliche Wiedervereinigung. Nichtsdestoweniger blieben die Folgen jener traurigen Eonflicte nicht aus; durch sie waren Jakob und seine Familie nach Mizrajim gekommen, wo die znm Volke sich entwickelnden Nachkommen dieser Familie in bittere Knechtschaft geriethen. Der persönlichen Freiheit beraubt, hätten sie als Sklaven zn Grunde gehen müssen, wäre nicht der Freund ihrer Väter auch ihr Freund geblieben. Er war ihr Erbarmer und ihr Annehmer, ehe sie noch Sein Bol? geworden waren. Durch das Elend der Knechtschaft war Israel auch in geistige Abhängigkeit von seinen Unterdrückern gekommen. Bewahrt wurde die reinen Lehre von dem einzigen Gotte nur von wenige» hervorragenden Männern und Frauen; die große Menge war, vom Nachahmungstriebe besangen, in den Götzendienst der Aegypter versunken. Da riß sie Gott empor, zu Sich. Und der Zweck der Befreiung war nicht nur, ihnen die Freiheit zu geben, sondern sie zu einem Gottesvolke zu gestalten. „Ich, der Ewige, Euer Gott, der ich herausgeführt habe Euch aus dem Laude Mizrajim, zu sein Euch znm Gotte, Ich, der Ewige, Euer Gott." Mit der Erlösung der Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft war für die Entwickelung der Menschheit ein Wendepunkt eingetreten. Nicht mehr einzelne Menschen waren die Träger der Gottesidee, sondern ein ganzes Volk. Dies sollte von nun an der allgemein herrschenden Sittenlosigkeit gegenüber das Prinzip der Sittlichkeit vertreten; gegenüber der Lüge, welche die Welt gefangen hielt, sollte die Wahrheit zur Herrschaft gelangen; die bisher nur nach endlichen und nichtigen Dingen strebende Menschheit sollte von nun an auf das Ewige und Unvergängliche hingewiesen werden, an die Stelle der Thorheit sollte die Weisheit treten, und zu diesem hohen Berufe hat Gott das Volk ersehen, das Er zu diesem Zwecke aus der Knechtschaft befreit hat. lntou t>:r» spr icy 'i p^rt *a (r>. L. M. E. 32. V. 9.) Denn zu Seinern Volke hat Gott die Nachkcnnnen Jakobs erhoben für alle Z iten. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Dem Bureau des D.-J. G.-B., Berlin W., Skgismundstraße 5 sind in Folge der jüngsten Aufforderung sehr viele Namensmeldungen von jüdischen Gemeindebeamten zugegangen. Bereits weist das Vcrzeichniß über 1500 nach; nach unserer Schätzung fehlen uns noch über 1000. Da es sowohl im Interesse der Einzelnen, als des ganzen Standes liegt, das; ein möglichst vollständiges Verzeichnis; aller Eultusbcamten der Gemeinden irr Deutschland zu Stande komme, so werden diejenigen, die ihre Adressen bisher noch nicht eingesandt haben, dringend ersucht, dies doch bald nachzuholen. Die Säumigen werden es sich sonst selbst zuzuschreiben haben, wenn ihr Name in dem Allmanach fehlen wird. Ter Secretär des D.-J. G.-B. Arnold Bndwig. Frankfurt a. M., 16. März. Ter israelititischc Niänner-Kranken-Unterstützungs-Verein „Zur Wohlthäiigkcit", der über 20t» Mitglieder zählt, hielt am letzten Mittrvoch Abend unter reger Bethciligung im Saale des Eafü Borne ferne Getieral-Versammlung ab. Nach dem Jahresberichte beliefen sich die Jahresbeiträge der Mitglieder ans Ai. 1721.25», die Einnahmen im Ganzen auf M. 3236.66. Außerdem fielen dem Vereine M. 4077.8« an Geschenken zu. Die Ausgaben erreichte» den Betrag von M. 4077.8. Das bei der Sparkaffe nnd in Werthpapkeren angelegte Vermögen beziffert sich incl. des BaarbestandeS auf M. 17084.13. Der seitherige Vorsitzende Herr D. H. Ganz wurde nahezu einstimmig wieder als Vorsitzender gewählt. Auch die übrigen Vorstandsmitglieder wurden wieder ge-