Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 23 (23.3.1885)
- Date
- 1885-03-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. M S8. Ern * Zentral - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgcgcbcn voll Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 2». März 5645 (1885). Da mit dein 1. April 1885 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert loerden :nuß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Leite n der Artikel. Der holle Beruf Israels. (Zum Peßachfeste.) I. Mainz, 18. März. Täglich zweimal lesen wir am Schluffe des Schema den Vers (4. V. M. (5. 15, V. 21.) nrrb nnso pND D2nx wsin new ,d'i »jk 'n &k „Ich, der Ewige, Euer Gott, der Ich herausgeführt habe Euch aus dem Lande Mizrajim zu sein Euch zum Gotte, Ich, der Ewige, Euer Gott." Jll diesem Verse ist ein Dreifaches ausgesprochen: l) daß Gott bereits unser Gott war, ehe Er uns aus der Knechtschaft Mizrajirns befreite; 2) daß Er uns zu den» Zwecke aus Mizrajim erlöst hat, um unser Gott zu bleiben; und 3) daß Er für alle Ewigkeiten unser Gott bleiben wird. Gott, der Allmächtige, der Schöpfer des Weltalls, der Herr aller Wesen, hat uns zu Seinem Volke erwählt, noch ehe lvir zum Volke geworden. Es war die hohe Tugend, die wahrhafte Gotteserkenntniß, die unendliche, hingebungsvolle Liebe unserer erhabenen Stamlnväter, die uns zur Erlangung dieses hohen Berufes vorbereitet haben. Jrn hohen Liede wird Israel einmal ro, die Tochter der Wogen, genannt; unsere Weisen erklären diese eigenthümliche Bezeichnung dadurch, daß die Gemeinde Israels eine Tochter sei von Abraham, Jizchak und Jakob, welche Großthaten verübt so mächtig und so zahlreich wie die Wogen des Meeres. Es ist das ei» wunderbar schönes und zutreffendes Bild. Bedenken wir nur das Wirken unserer Stammväter inmitten einer götzendienerischen, von bcm einzigen Gotte abgefallenen Menschheit! Noch fast ein Knabe war Abraham von dem heidnischen Könige Nimrod in den brennenden Kalkofen geworfen, und in wunderbarer Weise war er gerettet worden. Von diesem Augenblicke an warsein ganzes Leben eine ununterbrochene Reihe von Versuchungen und Ueberwindungen, von Kämpfen und Siegen. Mit den mächtigsten Königen der damaligen Zeit, geräth er, der einfache Heerdenbesitzer, in Eonflict, mit dem Pharao in Aegypten und mit Abimelech, dem Könige der Philister; gegen vier andere Könige, die mit großer Heeresmacht soeben fünf mächtige Herrscher besiegt hatten, wagt er mit einer geringen Anzahl von Knechten die offene Feldschlacht nnd geht als Sieger hervor. Die innigste Liebe zu Gott nnd das unbegrenzte Gottvertrauen heben ihn über alle Schwierigkeiten hinweg. Gott selbst legt ihm die schwersten Versuchungen auf, nnd seine unendliche Liebe zum Herrn des Weltalls belvährt sich auf das Glänzendste bei jeder Prüfung. Er hat nur einen Lebenszweck: Gott zu dienen und Seinen heiligen Namen zu verkünden. Aus dein Schooße der eigenen Familie droht ihm Gefahr; aber er zögert nicht einen Augenblick, sich von Lot, dem Sohne seines Bruders, dem Bruder feiner Gattin, zu trennen, den eigenen Sohn, Jischmael und dessen Mutter hinwegzuschicken, da es gilt, die Reinheit des Gottesglanbens bei den Seinen zu erhalten. Dieser Gesichtspunkt leitete ihn auch bei der Wahl der Gattin für den geliebten, einzig ihm gebliebenen Sohn. Und Jizchak setzte mit derselben Liebe nnd Hingebung das vorn Vater begonnene Werk fort. Auch ihm erwuchsen schwere Kämpfe; auch er gcrieth in Eonflict mit Königen und Fürsten. Schon als Jüngling war auch er bereit gewesen, freudig und gern sein Leben hinzugeben für die Heiligung des göttlichen Namens.