Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-03-19 · Heft 22 (19.3.1885) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 22 (19.3.1885)
Date
1885-03-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449526--21850-2511446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

364 Beschlich miflicbcii? flcnjmiiü looRcn Sie vermeiden? - Haben wir nicht schon Durchgreifendere« beschlossen, was A egerniß Hervorrufen konnte? Denken Sic an unser neues Gebetbuch! Denken Sie an die Orgel! Glauben Sie, das; die Orgel nicht sehr vielen teilten hier Aergniß verursacht, und werden Sie sie deshalb heransnchinen? Wir kommen auf diesem Wege zum größten Rückschritt. Wir verletzten alle, die sich ihr ganzes Leben abgemüht haben, — die vererbtenDummheitcn abznschafsen, mit denen die dumpfc Tradit ion derttnwissenheit uns belastet hat. Ich bitte, gestatten Sie den öffentlichen Eondnct am zweiten Festtage! Bamberg er: „Ich mich die Worte meines Vorredners und seine Angriffe auf den Talmud tief bedauern. Ich will ans die vielen Punkte, die Prof. Lazarus vorgebracht hat, und die mit der Sache in gar keinem Zusammenhänge stehen, nicht antworten. Nur das mich ich sagen: Wohl hat der Talmud in besonderen Fällen' die Bestattung von Leichen atn zweiten Feiertage gestattet, wenn es eben nicht anders ging: aber, das; cS den Gcsttzcslehrern jemals eingefallen wäre, das Fahren am Festtage zu gestatten. (Prof. Lazarus lacht und meldet sich zunr Wort,) das, m. H., muß ich auf das A l l c r c u t s ch i e d e n stc b e ft r e i te n. Das Fahren ist ein strenges Verbot, ebenso wie der 2. Tag ein heiliger Festtag ist. Prof. Lazarus hat den Schnlchan Aruch angegriffen: m. H., da mich ich Ihnen Folgendes erzählen. In einer Ausschnßsitznug erklärte Prof. L., der Schnlchan Aruch stehe in Bezug ans das Fahren am Festtage ganz ans seiner Seite; als ihm nun dann in der gemischten (5 ommtffioii ein Mitglied das Verbot des Fahrens eutgcgcnhielt, erklärte Prof. Lazarus: Ich kenne nur zwei Gesetze, die Bibel und den Vorftandsbcschlnß der jüd. Gemeinde vom Jahre 1881; der Schnlchan Arnch ist für mich nicht biirden d." (Sensation.) M. H.! Ich wiederhole Ihnen, Sic schaffen ein großes Aergerniß, wenn Sie den Eondnct gestatten, Sie verletzen die Gefühle der Mitglieder, welche streng an ihrem Glauben hängen, Sie entweihen einen von unserer Neligion gebotenen Feiertag. Im Interesse des Friedens in unserer Gemeinde bitte ich dringend, den Beschluß der Beerdignngskommission anznnehmcn. B i e s e n t h a l: „Der (5 oudnct ist nur noch eine Zeitfrage; das meilenweite Fahren ist eine Qual. Glicht um des Friedens willen nehmen Sie den Antrag an, sondern ans Pietät gegen einen seit vielen Jahrhunderten mit Innigkeit und Freude in den jüdischen Familien begangene» Feiertag." Landsberger: Ich gehöre nicht zu den dunklen Nückschrittsmännern, wie sich mein rechter Nachbar lPros. Lazarus) ausdrückte; doch bin ich entschieden gegen ein öffentliches Leichenbegängniß. Wir haben die GewigenSfreiheit unserer Mitglieder zu wahren. Wer die Orgel nicht hören will, kann nach der alten Synagoge gehen; wer koscher essen will, für den sind die mit ungeheuren Opfern verbundene Fleischscharren da. Wenn aber ein Anverwandter stirbt, sollen die Hinterbliebenen gezwungen werden, Ihre Ansicht zu adoptiren? Ich halte den zweiten Tag noch für wichtiger, als den ersten wegen der Todtenfcicr. Er ist ein Tag der Erbauung und soll nicht durch Eondncte profanistrt werden. V o r sitze nd er Instizrath Dr. Makower: Herr Prof. Lazarus hat das Wort: Prof. Lazarus: Ich verzichte. Hirschscld: „Die Eondncte sind eine Geldfrage. Auf 1100 Beerdigungen fallen 75 Eondncte. Nur die Neichen können sich einen Eonduct, der uns 5—600 Mark cinbringe, leisten. Mögen sich doch diese Neichen einen Zinksarg kaufen nnd die Leichen noch einen Tag liegen lassen; das ist durchaus kein Unglück. Im Interesse des Friedens, nehmen Sie den Antrag der Beerdignngskommission an." Dr. Makower: „Wir kommen zur Abstimmung. Wer für den Antrag der Beerdigungs- Kommission ist, auch an den zweiten Festtagen nur von der Leichenhalle ans zu bestatten, der erhebe die Hand. Das sind vierzehn Stimmen; der Antrag ist angenommen: fünf Herren st i m m e ii dagegen, unter ihnen der Vorsitzende nnd Prof. Lazarus.-. Diese Verhandlung bedarf keines grotzen Kommentars. In gleicher Weise wie wir den mit einer so i m p o f(i it tcn Maj o r itä t gefaßten Beschluß mit hoher Freude begrüßen, wird andererseits der unglaubliche Angriff des Pros. Lazarus auf das jüdissche Gesetz nicht verfehlen, in allen Kreisen, wo man jüdisch denkt nnd jüdisch fühlt, entrüstete» Unwillen zu erregen. Daß Herr Prof. Lazarus ein ganz gehöriges Onantnm von „Mnth" besitzt, haben wir längst gewußt; daß er aber den Mnth haben wird, in einer jüdischen Nepräsentantenversammlung die bestehenden Neligionsgesetzc wie irgend ein antisemitischer Agitator zu verhöhnen und lächerlich zu machen, nein, den „Mnth" haben wir ihm nicht zugetraut. Wir erinnern uns einst eine Hetzrede des Hofprediger Stöcker gelesen zu haben, welche sich genau so über den „rabbinischen Unsinn" lustig machte. Herr Prof. Lazarus meinte: „Ich kenne nur zwei Gesetze: Die Bibel und den BorstandSbeschlnß der Berliner j ü d i sch c n Ge m ei »de!!" Glaubt denn der Herr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.