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Der Israelit · 1885-03-19 · Heft 22 (19.3.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 22 (19.3.1885)
Date
1885-03-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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^ltiu Schlüsse erhebt sich Herr v. H. zu dem Standpunkte eines Propheten und prophczeiht den Inden eine bedeutende Zukunft, aber nur dann, wenn sie aufhören — Inden zu sein: sie sollen die scheidenden llntcrschicde ihrer religiösen Litten und ihr Slammesbewnßtsein oblegen. Die Regierung soll den Inden die Lossagung vom Indenthum durch Austritt ans der jüdischen ReligionSgcmeinschast in jeder Weise erleichtern, also erstens den Ausgetretenen auch ohne Uebertritt zum Ghristenthnnl in jeder Hinsicht ein gleiches Vertrauen wie den Christen schenken und zweitens eine blos noch dem Namen nach christliche Richtung innerhalb des Protestantismus, welche den Juden ohne Gcwisscnsbcdenken den nominellen llcbertritt zum (5hristcnthnm ermöglicht, nicht blos dulden, sondern auch gegen die Verfolgungssucht und Ausstoßungsgelüste der orthodoxen Protestanten in Lehnt; nehmen. Also religionslose Inden oder religionslose Christen, das gilt Herrn von Hartmann gleich. Wir aber verzichten gern auf die bedeutende Zukunft, die Herr vonHartmann unter dieser Bedingung dem jüdischen Stamme in Aussicht stellt. Kauz andere, und zwar wirkliche Propheten, haben uns eine bedeutende Zukunft verheißen, wenn wir unserem Gott und seinen heiligen Geboten treu bleiben. — Wir lassen uns weder von den Verheißungen des Herrn von H. verlocken, noch von den liebevollen Befürchtungen, die er für unsere Zukunft hegt, cinschüchtern. Wir vertrauen dem Worte unseres Gottes, das uns durch den Propheten Iesaias geivorden, und das da lautet: „Wenn auch die Berge weichen und die Hügel wanken werden, so wird meine Liebe von Dir nicht weichen und der Bund meines Wohlwollens nicht wanken, also hat gesprochen Dein Grbarrner, der Gwige." Wir haben es seit dem Hervortreten der antisemitischen Bewegung sorgfältig vermieden, den antisemitischen Streitschriften dadurch eine größere Bedeutung beizumessen, daß wir sie ausführlich zu widerlegen gewürdigt hätten. Wir haben mit dem Buche des Herrn von Hartman» anders verfahren zu müssen geglaubt, weil Herr von H. bisher für einen bedeutenden Philosophen und gediegenen Denker gegolten hat. - Auch Viele unserer geehrten Leser waren derselben Ansicht und haben uns zu einer 'ausführlichen Besprechung und Widerlegung aufgesordert. Dazu kam noch, daß Herr von H. es nicht verhindert hatte, daß sein Verleger in den von dent Philosophen angeblich so verachteten Zeitnngen eine ganz nnqnalifizirbare Reclame für dieses Buch gemacht und namentlich darauf hingewiesen kralle, daß wir Inden aus demselben viel lernen könnten. Das Einzige, was wir aus der Schrift des Herrn von H. gelernt haben, ist, daß der Antisemitismus, einer epidemischen Krankheit gleich, in die weitesten kreise unseres Vaterlandes gedrungen und das llrtheil selbst Derer trübt, deren Feld der Dhätigkeit die Gedankenarbeit ist. Viele in jüngster Zeit zu Tage getretene Symptome gtbcn der Hoffnung Raum, daß diese so weit verbreitete Krankheit im Abnehmen begriffen und unter göttlichem Beistände bald ganz von der Erde verschwinden wird. Dann wird auch Herr von Hartmann erkennen, daß seine Anschauungen in Bezug auf den jüdischen Stamm meistens nichts als gehässige Vorurtheile sind. Alt ntnestc Htanzkeiitung des Herrn ^'voMov Lazarus. Berlin, 15. März. „Wir kommen zum nächsten Punkte der Tagesordnung: Kommissions-Protokoll betr. die Beerdigungen an Festtagen." Diese Worte verkündete Insrizrath Dr. Mackower in der heutigen Repräscntantcriversammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde, und eine tiefe Stille trat in dem Sitznngssaale ein. Tie Angelegenheit, welche auf der Tagesordnung stand, war allerdings von hervorragendster Bedeutung. Es sollte nämlich darüber Beschluß gefaßt werden, ob an den zweiten Feiertagen die Leichen vom Hause aus mit einem Eonducte bestattet werden dürsten oder reden wir deutsch: es sollte ein bescheidener Versuch gemacht werden, die zweiten Feier-- tage allmählich überhaupt abzn sch affen. Wir wollen im Vornhinein bemerken, daß dieser Versuch schmählich mißlang. Die an sich schon beachtcuswerthc Lache wird noch bedeutungsvoller durch eine Hetzrede, welche Herr Prof. L a z a r u s gegen den Talmud und Schntchan Aruch zu halten sich bemüßigt fand, und die einen energischen, lauten Protest schon in der Versammlung selbst erfuhr. Der Thatbeftand, um den es sich handelt, ist folgender: Bis vor ca. 4 Jahren war es Usus, an den ersten Feiertagen die Leichen selbstverständlich nur von der Leichenhalle aus zu beerdigen, am zweiten Tage aber auf besonderen Wunsch der Angehörigen die Bestattung auch vom Tranerhause aus vorznnchmen. Die Eonducte, welche bei diesen übrigens sehr seltenen Fällen stattfanden, erregte» vielfachen Anstoß. Daher beantragte schon 1881

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