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Der Israelit · 1885-03-19 · Heft 22 (19.3.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 22 (19.3.1885)
Date
1885-03-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI. Jahrga,,«. j\'g SS. Der Israelit. , (5 i n Gentrak - Argan für das orthodoXe Iudentfimn. Herarisgegeben vo» Di'. Lehman» in Mainz. Donnerstag, - e n IN. März 3«45 (1885). Ta mit dem 1. April 1885 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, das; namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Das JndentKmn in Keqemvart und Zukunft. (Von Eduard v. Hartmann.) XII. Mainz, 16. März. Wie wenig dieser Philosoph die Juden kennt, über die er trotzdem ein ganzes Buch geschrieben, geht unzweideutig aus dem nachfolgendem Latze hervor: „Unter den nichtjüdische» Deutschen,- schrcibl Herr v. H., ..siudel man auch jevl noch alle Parteischatlirungen vertreten; die deutsche,, Juden aber sind mertwurdiger Preise alle darüber einig, das, nur nui dem 20ege der snste,„arischen, iniransigenten Opposition, wie der docrri näre Liberalismus sie bei reibt, das Heil „für das deutsche Polt" zu siuden sei.- 9UchtS ist unrichtiger als das. Auch unter den jüdischen Dentschen findet man alleParteischattirnngen vertreten von den Ultraconscrvativen bis zu den Socialdeniokraten, die Eentrumspartei, die eine specifisch katholische Partei ist, und die Christlich-Socialen natürlich ausgeschlossen. Wir, die wir im regen Verkehr mit Glaubensgenossen aus allen Ständen stehen, glauben behaupten zli dürfen, das; die große Mehrzahl der Juden in Deutschland und Oesterreich in politischer Beziehung conservativ und regierungsfreundlich gesinnt ist. Bibel und Talmud empfehlen eine regierungstrene Gesinnung und das Sichfcrnhalten von' revolutionären Parteien. „Fürchte Gott, mein Sohll, und den König, und mit Abtrünnigen laß Dich nicht ein," heißt es in der Bibel in beii Sprüche» Salomonis. „Bete für das Wohl der Negierung, denn wäre nicht die Furcht vor ihr, so würde Einer den Andern lebendig verschlingen," lehrt der Taltnnnd im Traktat Aboth. Drastischer kann wohl die Warnung vor anarchischen Zuständen nicht ausgesprochen lverden. — Daß die Inden im Allgemeinen innerhalb der conservativeu und halbconservativen Parteien weniger hervortreten, ist leicht erklärlich. Die conservativeu Parteien sind vielfach von antisemitischer Gesinnung oder doch antisemitisch angehaucht und stoßen so die Juden meistens von sich. In Folge dessen sind die Juden conservativer Gesinnung gezwungen, sich still zu verhalten und von jeder politischen Rolle zu abstrahiren. Als einst der in den österreichischen Neichstag gewählte Qberrabbiner von Krakau, M eis e l s, vom Minister gefragt wurde, warum er seinen Platz auf der Linken genommen, antwortete er schlagfertig: „Weil wir Juden keine Rechte haben." Das war im Jahre 1849. Seitdem sind die Inden im österreichischen Kaiserstaate emancipirt worden. Der Nachfolger des erwähnten Nabbincn, Oberrabbiner Schreiber, wurde ebenfalls in den Reichstag gewählt und stimmte bis an sein Lebensende mit den konservativen. Nach seinem Tode deputirten dieselben Wähler den Rabbiner Tr. Bloch in den Sixichstag, und auch dieser hält sich zu bcn Eonservativen. tteberall, wo die Juden so zahlreich, daß sie bei den Wahlen den Ausschlag geben, lverden regierungsfreundliche Kandidaten gewählt. Daß aber die nichtjüdischen com servativen Wähler ihre Stimmen einem couservativen Juden zuwenden, das gehört zu deu größten Seltenheiten. Nur die wahrhaft liberalen Parteien, die sich von Racenhaß und Religionshas; vollstäm dig frei gemacht haben, sind so vorurtheilslos, auch einen Juden zu tvählen, wenn sie in ihm den rechten Mann gefunden Zlt haben glauben. Daß diese keinen conservativen Juden abordnen werden, ist doch selbstverständlich. Es hat daher feinen Sinn, wenn Herr v. H. den Juden rüth, „sich unter den politischen Parteien zu vertheilen."

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