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Der Israelit · 1885-03-12 · Heft 20 (12.3.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 20 (12.3.1885)
Date
1885-03-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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333 mnstürzcndc lliinini^iiiujrn in naiven Böllern wie in einzelnen Individuen hervorgcrufen, indem cs, wie gesagt, nnbekümmcrt um diese Fragen, ruhig ans leinen alten, bekannten, festgesetzten Bahnen sich abspielte. Dieses innere jüdische Volksleben, so eigenthümlich cs^anch erscheinen mag, cs ist weiter nichts, als die Folge jenes ersten, uns jetzt wieder in's Gedächtnis; gerufenen Gebotes: „Dieser Monat sei Euch als Haupt der Monate." Durch die stete Erinnerung an diesen Monat, an die wunderbare Befreiung, an den göttlichen Schutz und an die hohe Ausgabe, die uns damals geworden, ist auch das Vcrständniff uns erhalten worden, haben wir den Anfang unserer Ausgabe begriffen, haben der Zukunft im Sinuc und Geiste dieser Aufgabe zugestrebt und sind heute noch das Volk, das an Dingen festhält, die allen andern Nationen unbekannt und unverständlich, das sich seine Besonderheiten nicht hat nehmen lassen, weder durch Gewalt und List, noch auch durch llcbcrrcdung, das immer noch denkt und handelt wie seine Urväter, das sich immer noch in die Sklaverei seines Gesetzes fugt und alte ihm augcboteuc sonstige Freiheit, die im Widerspruche mit seinen Anschauungen über Freiheit steht, ansschlägt. Merkwürdig ist cs doch, das; ein Volk, das in seinen Ansichten über Gott und Welt, über Mensch und Menschenaufgabe niemals das Joch einer fremden Anschauung sich hat anfzwingcn lassen, das auch nicht den geringsten Zwang hierin duldete, sich freiwillig und unter den erschwerendsten Umständen sich in das Joch fügt, das ihm sein Gottesgesetz anferlegt! Ja, wer die Freiheit richtig auffafft, wie es bei unserem Volke der Fall war, dem ist es kein besonderes Räthscl, der findet diesen scheinbaren Widerspruch nicht auffällig. Und die vielen unlösbare« Rathsel, die das jüdische Gesetz denen bietet, die ihm ferne stehen, sie klären sich alle auf, dem der in nub mit seinem Volke lebt und strebt, nicht nur mit dem jetzt lebenden, sondern mit dem seit fast 4 Jahrtausenden cristircndcn. Darum seien wir eingedenk des ersten Monats: vergessen wir nicht, das; er uns die Freiheit gebracht ans körperlicher und geistiger Zlncchtschast: vergessen wir nicht, daß and) wir noch die Pflicht haben, diese Freiheit uns zu erhalten, sic immer mehr Nils anzueignen. Schauen wir zurück ans jenen Auszug aus Egypten und blicken wir dann auf die Gegenwart. Von damals bis heute eine Ursache. Wenn wir heute noch einzig und unbestritten groß in unserer Gottesanschauung dastehe», wir verdanken cs jenem Anfänge vor Jahrtausenden. Suchen wir auch in Zukunft uns freiznhatten von allen Einflüssen, die uns die echte Freiheit rauben könnten. Möge der Beginn des Monats Nissan auch für uns in Zukunft ein Hauptmonat sein, an Bedeutung reich und wichtig, und möge mit ihm der Anfang einer schönen Zukunft für uns Alle beginnen! — Zeitungsnachrichten und <§orrespo»rdc»rze». Deutschland. Berlin, 22. Februar. Dem hiesigen Neichcnhcim'schen Waiscnhausc hat der Bruder des verstorbenen Dr. Eduard Laster von Amerika ans 025, M. zugehcn lassen, die als eine „Eduard Lasker-Stiftung" in gedachter Anstalt gelten sollen. Die Zinsen sollen alljährlich am 5». Januar, am Todestage Laskcr's, dem flciffigstcu Zögling als Prämie ansgeantwortet werden. - Der jüdischen Alterversorgnngs-Anstalt zu Berlin wurden von dem Geh. Sanitätsrath Oesterreich 2 i ,()()(> Mark behufs Errichtung einer „Oesterreich-Stiftung" zu unentgeltlicher Aufnahme zweier Hospitalitcu, sofort zahlbar, überwiesen,' ebenso wurde von Herrn Jacob Israel für dieselbe Anstalt eine „Iacob-Minna-ISrael-Stitnng" in Höhe von 24,000 M. zur unentgeltlichen Aufnahme zweier Hospitalitcu gegründet. O c st e r r. - U n g a r. Mo n a r ch i c. Wie», l<>. März. Das Ministerium ordnete an, das; Versammlungen über die Nordbahnfragc, weil in denselben antisemitische Demonstrationen vorkamcn, künftig verboten werden sollen. Pest!). Frau Johanna Kohn, Präsidentin des isr. Franenvcreins in Szcgedin, wurde mit dein goldneu Verdienstorden dccorirt, als Anerkennung für ihre Leistungen auf dem Gebiete der öffentlichen Wohlthätigkeit. F runfrei ch. Paris. Durch die Verfügung des.ttriegsministers können von nun an die isr. Soldaten aus Algerien ihrer Militärpflicht in ihrer Heimath genügen. Damit ist den Israeliten dieser Provinz eine groffc Wohlthat geschehen. Bisher mufften ihre militärpflichtigen Söhne fast ansschliefflich in (Garnisonen des eigentlichen Frankreichs dienen. Das neue Mikwa in der nie Villuinlouiu.

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