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Der Israelit · 1885-03-12 · Heft 20 (12.3.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 20 (12.3.1885)
Date
1885-03-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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stalumq der beschicke seines Vaterlandes vermittelst der Wahl der Volksvertreter Theil zu nehmen, ist auch das Bedürfnis; entstanden, sich durch Lektüre von politischen Leitungen zu unterrichten. Daß die Presse manches Böse und Schlimme hervorbringt, wer wollte es leugnen? Mein der Nutzen, den sie schasst, das Gute, das sie fördert, indem sie Mißstände öffentlich rügt und dadurch beseitigt, ist doch bei Weitem überwiegend. (y§ gibt keine menschliche Einrichtung, die nicht mißbraucht werden könnte, und es zeugt von nicht geringer Bornirtheir, wenn man an einer Sache lediglich das Schlimme hervorkehrt, ohne das überwiegend Gute in Rechnung zu ziehen. Auch die Volksvertretung in den Parlamenten scheint Herrn von H. ein Dorn im Auge zu sein; wenigstens beschimpft er die Vertreter der Nationen in derselben Weise wie die Journalisten. Gr schreibt: „Tie Sunm beb Zeitungsschreibers wie des Parlamentariers beliebet darin, fofort über Alles oratorisch gewandt und benechenb schwatzen zu tonnen, wovon er nichts versteh», nnd dadei immer im Sinne und Interesse derjenigen Partei oder t'liqitc zu ove rirv.i, in deren Ticns» er gerade steht." Was Herr von Hartmann über die Betheilignng der Juden an der Zeitungsliteratur schreibt, ist eine derartige Uebertreibung. daß wir seine Behauptungen als unwahr zurückweisen können. Unter bcu nach Tausenden zählenden politischen Zeitungen befinden sich nur ganz wellige in jüdischen Hände», nnd diese haben meistens christliche Mitarbeiter. Auch die Zahl der jüdischen Redakteure nnd Mitarbeiter an andern Zeitungen ist verhältnißmäßig nur gering. Daß es auch schlechte und nichtsnutzige, jüdische Literaten gibt, wollen wir nicht in Abrede stellen. Der beste Beweis dafür ist wohl der, daß in Berlin einige jüdische Literaten zu den Mitarbeitern von antisemitischen Blättern gehören, die cs sich zur Ausgabe machen, Juden nnd Iudenthum zu verlästern, mit Hohn und Spott zu überschütten! Doch das sind Auswüchse; der größte Theil der politischen Schriftsteller jüdischen Stammes besteht ans Männern, die au (5'hrcnhaftigkcit und Redlichkeit Herrn' von Hartmann durchaus nicht nachstehcn. Als Guriosum wollen wir hier noch mittheilen, durch welche Gesetzesvorschläge Herr von H. den jüdischen Ginflnß auf die Presse zu bekämpfen sucht. Gr schreibt: „rieb lärm die Gesetzgebung durch folgende Miucl bewirlen: 1) durch ^insührung des Inseratenmonopols für das Reick,, die Staaten, Provinzen, Kreise und t^emeinden, um den Zeiluiigsuuternehmern den Inserlionsgewinu und die Mögliche leit der Bestechung durch Zuwendung von Inseraten abzuschneiden (Inseraleusleuer als Uebergangsflalion zum Monopol). 2) durch rreunung der 'Börsen- und HaudelSzeilungeu von den politischen Zeitungen, um den feisteren die Unabhängigkeit von der Börse zurückzugeben. :r> dtlrch Besteuerung der Zeitungen nach dem bedruckten Ilächenraum (damit die Zeitungen wieder kürzer und weniger zeitraubend werden, der Börsen- und Handelsbläuer aber mit einem bedeutend erhöhten Steuersatz). 4) durch die Berpslichmug zlir Nmerzeichnung jedes Artikels und jeder Notiz mit dem vollen wahre» Namen des Autors, damit der Nimbus des „•■hUr“ schwindet. .'») durch Belastung der Slenersreibeil der Inserate und des Rechtes zur Anomimiläi und Pseudoimiilitül bei den Wochenilnd Monatsschriste», damit das Publikum sich daran gewöhnt, alle Belehrung über Politik. Bolkswinhschast. Wisscmchast, Literatur und Kunst nur aus den sorgsamer und gründlicher redigirte» 'Wochen- und Monatsschriften zu schöpfen, in der Zeitung aber nichts als turze thatsüchliche Minbeilnugen ohne .griiik und Naisounement zu suchen, l'iuc solche Reform der Journalistik würde das Nebel alt der Wurzel angreisen und jüdische Ausbeulung der Preise ohne jede Ausnahmemastrcgei gegen die Jude» auf ei» ungefährliches Mast beschränken." Ginc solche Reform der Journalistik würde nicht allein die gesummte politische Zeitungsliteratur ruiniren, sie würde das deutsche Volk seiner Zivilisation nnd Gultnr berauben und es zum Hohne und zum Spotte, ja im Laufe der Zeit auch zum Sklaven der Nachbarvölker machen. Herr von H. scheint keine Ahnung davon zu haben, welchen wohlthärigcn Ginflnß die Presse auf die Einigung und Neugestaltung Deutschlands gehabt hat. (Fortsetzung folgt.) Jas Kaupt der Hilonate. (Zn Paraschath L'-uiri.» Von D r. H. ü ii n g e r. 2'^n irsn üz? nrn srinn .n:vn 'enrt? „Dieser Monat sei Gnch das Haupt der Monate, der erste sei er Guch für die Monate des Jahres." Gs ist ein scheinbar formelles Gebot, das als erstes Gebot des Gwigen an das Volk Israel erging. Doch Jeder, der mit der Geschichte und dem Geschicke unseres Volkes vertrant ist, wer noch vollen Antheil daran nimmt nnd sich stolz und freudig noch zu den Nachkommen jenes alten Volkes zählt, weiß, von welch hoher Bedeutung der Monat;:r: für uns Israeliten ist und sein soll. Allüberall in der Geschichte der Menschheit, wo ein unterdrücktes Volk das harte Joch seiner Unterdrücker nnd Peiniger abwkrft oder durch äußere Ginflüsse von demselben befreit wird, bringen wir ihm unsere Sympathien entgegen, weil durch diese erlangte Freiheit, durch dieses Abstreifen einer Sclavenkette wieder ein Theil der natürlichen Menschenrechte znrückerobert, weil dadurch wieder ein Glied der Mette, ans der sich die menschliche Gesell-

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