Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 20 (12.3.1885)
- Date
- 1885-03-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. J\s AO. Kentrak - Zrgan für das orthodoxe Iudentfinm. Herausgegeben von Ov. Lehmau»» in Mainz. Donnerstag, den 12. März 5645 (1885). Leitende Artikel. Das Zildenttium in GiMinvart und Zukunft. (Von Eduard v. Hartmann.) X. Mainz, 9. März. Wenn wir nach allem Bishergesagten noch nvihig hätten, die Oberflächlichkeit, Beschränktheit nnd Boreirlgenommeuheit des berühmten Philosophen »achzuweiscn, so brauchten wir nnr sein llrtheil über die Prelle wörtlich abzudrucken, nnd Jedermann würde sofort erkennen, welch ein lichtscheuer Spießbürger der Urheber der Philosophie des Unbewußten ist. Tie Prelle ist nach ihm das Asyl aller Gebildeten und Halbgebildeten, die zwar von geistiger Arbeit leben mochten, aber einen soliden Beruf verfehlt haben, sie sek, meint er, der Tummelplatz angehender Dichter nnd Literaten, die ihren Namen bekannt machen und durch Eliquewesen in die Höhe kommen wollen. Sie stehe im Rufe der Unlauterkeit und mnthe auch dem Redlichsten eine Einbuße an Gcsinnungstrene, Wahrheitsliebe und Gerechtigkeittzliebe zu. Daher komme es, daß Halbbildung und feile Gesinnungslosigkeit bei der Presse dominiren: sie schmeichele der Neugier, Klatschsucht, Skandalsncht, der Lust arn Pikanten, Gemeinen, Gräßlichen und Bosen 2C.; sie segele mit der Zeitslrömnng nnd wechsele sofort die Knrsrichtnng, wenn der Wind der öneutlichen Meinung nmschlägt. Die Wirkung der Presse auf das Publikum besteht nach Herrn von Hartmann darin, Berstand, Gemnth, Geschmack und Eharakter zn verderben und die kostbare Mnßezeit, welche die Berufsarbeit ihm nbrig läßt, edlerer Beschäftigung abzustehlen. Unsere geehrten Leser werden sofort richtig vermuthen, daß dieser Zornesansbrnch gegen die Presse nur die llnterlage bilden soll, »m gegen Juden und Iudenthunl loszuziehen. „(>:ö ist nicht;u leugnen", schveidl Herr von „das; die .xnden sich stark von der Presse angezogen suhlen, das? sie die tsorrnption derselben schnell gesteigert haben, und das; sie im benachbarten Oesterreich nahe daran sind, ans der gesaminien Presse ein jüdisches Monopol zu machen. o'S ist nichr blos die Verbindung vou pvpnlarisirender stieprodnclion nnd geschästlicher Lhäligteit, nicht bloS die Schwierigkeit des Nnterkommens in akademischen Peruisanrn (auster dem ärztlichen), nicht blos der Mangel an Slrnpeln gegen die NnannehmUchleiten des Iournalistenbernss, sondern vor allem die lohnende Aussicht aus die Pesorderung der jüdischen Sonderinlerejsen durch Peeinjlusinng der öneutlichen Meinung, was das Indenlhnm nach 'Beherrschung der Presse systematisch streben läßt. Durch die Presse wird die jüdische P.ch'seilschast, Literatur nnd .'tunst poujsin und so der unterirdischen Minirarbeil der jüdischen «ligue vorgearbeilet; durch die Presse ivird die össentliche Meinung über die vom '\iibcm(jum drohenden nationalen v'esahren eingeiullr und so die Zeit zur Pesestignng und Ausbreitung der jüdischen Aristotrane gervoniiex; durch die Presse iverden die Interessen des txapilalismus vertreten und Lchlepperdieuste für die höhere Bauernfängerei der 2'örse geleistet; durch dicPresse endlich werden diesenigen politischen, religiösen und voltswinhschastlichen Parteien dekämpst, welche den Interessen des Iiidenthimis widerstrebell, und diejenigen venheidigt und gcsördcrl, welche ihnen dienen, oder mit ihnen Hand in Hand gehen.'' Wir sind weit davon entfernt, uns zu Lobrebitcrn der Zcltllngsliteraturekl aufsmuevfeu; es gibt gewiß viele schlechte Zeitungen, wie ja Jeder sich überzeugen kann, wenn er eine antisemitische Zeitung in die Hand nimmt. Die Art nnd Weise aber, wie Herr v. H. daS Lind mit dem Bade ausschüttet, verdient den ernstesten Tadel. Aeltere Leute werden sich wohl noch der Zeit erinnern, da nnr wenige Menschen eine Zeitung in die Hand nahmen. Danials verbrachten die Meisten ihre Mußestunden, die sie jetzt der Zeitungslektnre zuwenden, mit Kartenspielen oder ganz orbinärem Klatsch. Seitdem das politische Leben im Volke erwacht ist, seitbem jeder Einzelne Gelegenheit hat, an der Ge-