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Der Israelit · 1885-03-09 · Heft 19 (9.3.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 19 (9.3.1885)
Date
1885-03-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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im llchen Lanisprache, mit Stemuiiiffeu und Fertigkeiten, so daß sie befähigt werden, sich einst selbstständig ihr Brod zn verdiene». Die Einnahmen betrugen 898 k Mk., die bis ans 401 Mk. verausgabt wurden. Hieran wollen wir noch einige Notizen über die jüdische Tanbstummen-Anstalt zu Fürstcnwalde a. d. Spree anschließen. So lange in Deutschland feine besondere Anstalt für jüdische Taubstumme bestand, mußten die Eltern, denen daran gelegen war, ihre Kinder der angestammten Religion erhalten zn sehen und sie in den Glandenssatzungen ihrer Väter erziehen zu lassen, dieselben in die jüdische Taubstnmmen-Anstalt nach Wien schicken, wenn ihre Vcrmögensverhältnisse cs gestatteten. Die Unbemittelten waren gezwungen, ihre unglücklichen Kinder mehr oder weniger geistig und moralisch verkonnnen zu lassen. Zur Beseitigung dieses Nothstandes hat Herr M. Reich unter Beihilfe edler Menschenfreunde, hauptsächlich des seligen Herrn Jacob Nachod in Leipzig und der Familie Ginsberg in Berlin, am 17. Juli 1878 die hiesige jüdische Tanbstnmmen- Anstalt eröffnet. Dieselbe hat die Bestimmung, jüdischen taubstummen Kindern, zunächst ans Deutschland, (5rziehung und Unterricht nebst vollständiger Verpflegung zn gewähren; die Theilnahme Taubstummer anderer Konfessionen an dem Unterrichte ist nicht ausgeschlossen. Die Zöglinge erhalten in 82 Lehrstunden wöchentlich, mit Ausnahme des Gesanges, in denselben Gegenständen Unterricht wie hörende Kinder in den besseren Volksschulen; im Lesen, Schreiben, Rechnen und Zeichnen, in der Religion, Bibl. Geschichte, Geographie, Geschichte, Naturkunde; im Hebräisch-Lesen und Gebet-Uebcrsetzen. Die Freistunden werden durch Spaziergänge, gymnastische Uebnngen und allerlei Handarbeiten, als: Holznnd Laubsägearbeiten ausgefüllt. Die Mädchen erhalten in allen weiblichen Handarbeiten Unterricht. Die Kinder werden stets angehalten, ihre Anliegen nur mündlich vorzutragen, mündlich gegebene Aufträge auszuführen oder Andere zu bestellen. Ter Vorsteher, Herr Reich, ist bestrebt, ihnen, soweit es möglich ist, die Familie zu ersetzen, sie speisen mit der Familie an einem Tische und es wird für das ganze Hauswesen nur eine Küche (und zwar streng rituell) geführt. Die Sabbate und Festtage werden würdig gefeiert und die Kinder zum Verständnisse des Wortes Gottes hingelcitet. Seit dem Bestehen des Instituts erfreuen sich 24 Tanbftnttime der Wohlthat desselben, wovon 12 dem Gewerbe bereits zugeführt wurden und zwar: 8 Buchbinder, 1 Drechsler, 1 Klepner, 1 Schmied, 1 Lithograph, 1 .Wograph, 1 Schuhmacher, 1 Schneider, 2 Schriftsetzer. Vorgenannte haben sich die Zufriedenheit ihrer Meister erworben. Sierk (Lothringen). Der Bericht über die hiesige Synagogen-Einweihnng in Nummer 17 des „Israelit" läßt einige Notizen vermissen, die zum Theil gerade von besonderem gemeinnützigen Interesse sind. Sierk ist nur eine kleine, nicht bemittelte Gemeinde, welche nicht in der Lage gewesen wäre, ihr baufällig gewordenes Gotteshaus durch ein so schönes, neues Gebäude zu ersetzen, wenn ihr nicht von vielen Seiten beträchtliche Unterstützungen zugeflosscn wären. So hat die Kommune 2000 Mark und die Regierung 2800 Mark für den Ban bewilligt. Ferner gestattete der Oberpräsident die Abhaltung einer Lotterie, welche einen ansehnlichen Beitrag abwarf. Von den zahlreichen jüdischen Spendern sei Herr Anatol Levy ans Nancy erwähnt, der 1100 Frs. zum Baue der Synagoge beisteuerte und dem die dankbare Gemeinde eine Votivtafel errichtete. Was die Ginweihungsfeierlichkeit selbst betrifft, so bildeten neben den trefflichen Reden des Herrn Rabbiner Weil von Pfalzburg die Leistungen des Synagogcn-Gesang-Chores von Merzig den Glanzpunkt der ganzen Festlichkeit. Die Mitglieder dieses in der ganzen Gegend mit Recht berühmten Ghors waren mit ihrem bewährten Meister, Herrn Cantor Schn erb, hierhergekommcn und haben durch ihre meisterhaften Leistungen einen wahren Beifallssturm entfesselt. Die Vollendung und Präcision, mit welcher die einzelnen Piecen vorgetrageu wurden, und besonders das Mussaphgebet des Herrn Eantor Schnerb, fanden allgemeine, anerkennende Bewunderung. Gäste aus Nancy, Metz und Paris versicherten , daß diese künstlerische Leistung selbst in ihren großen Gemeinden unerreicht bleibe. — Da die verehrten Sänger ihre Mitwirkung in uneigennützigster Weise geleistet und nicht einmal eine Vergütung ihrer Reisekosten angenommen hatten, so spreche ich gewiß im Sinne aller zahlreichen Festgäste, wenn ich hiermit den innigsten Dank für diesen seltenen Genuß öffentlich abstatte. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Nikolsburg, im März. Am 7. Adar, dem Todestage unseres großen Lehrers Moses, fand hier die Trauerfeierlichkeit für den unlängst verstorbenen mähr. Landesrabiner, Herr Abr. Placzek, statt, und hielt unser verehrter Herr Rabbiner Feuchtwang die Gedächtnißrede.

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