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Der Israelit · 1885-03-09 · Heft 19 (9.3.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 19 (9.3.1885)
Date
1885-03-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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323 Mit iDflvmni, zu £>017,011 dringenden Worten rühmte der hochbegabte Redner dem Lcrewigtc» nach dessen Helten Scharfsinn, klaren Geist und äusgebreitetcs Wissen ans dem Gebiete des Talmud und derHalacha, wodurch er schon in seiner Jugend derart hervorragte, dass er, obgleich noch jung an Jahren, von ansehnlichen Gemeinden zum Rabbiner gewählt, später nach Boskowitz, einer der ältesten imd größten Gemeinden Mährens, berufen und sodann zum mähr. Landrabbiner ernannt wurde, und wie er — seiner hohen Aufgabe und seines heiligen Berufes als Seclcnhirt in Israel sich bewußt und dafür erglüht — nach dem Worte unsrer Weisen: sruw -puy cwp durch seine makellose Eharakterrcinheit. sein streng religiöses Leben, seine Selbstlosigkeit nnd Uneigennützigkeit allen, die ihn kannten, ein edles Beispiel und leuchtend Vorbild war, zudem mit diesen Tugenden auch lichtvolle Klugheit, reiche Erfahrung, milde Sanftmuth, eine dcmuthsvollc Bescheidenheit und ein liebevolles Benehmen verband, so daß er durch seinen feinen Takt uni) sein kluges Vorgehen Zank und Streit zwischen Personen und Parteien, deren Ansichten in religiöser Beziehung weit anseinandergingen, schlichtete, die Gegensätze der alten nnd neuen Richtung ansglich, weshalb er allgemein geliebt und verehrt, sein Rath gern befolgt wurde und so sich an ihm bewährte der Spruch des Rabbi Meir: mvc PD'iyn bz rroy . . zthn yi mp: . . ncir1? ptw -itr Ten pnu nvnP vwrci 'rw nuy. Ter geehrte Redner schilderte sodann lief ergreifend den unersetzlichen Verlust, den die Judenschaft, insbesondere die mährische, durch das Hiuschciden dieses edlen nnd wahrhaft frommen Rabbiners erlitten hat. Manche mögen wohl sagen, mit dem Verblichenen sei ein Stück Vergangenheit eingesargt worden, aber mit mehr Recht müssen wir klagen, mit ihm wurde ein Stück Zukunft begraben, denn, wenn solche Männer uns genommen, welcher Zukunft geht das Jndenthnm entgegen, was hat cs von dem nachwachsende» Gcschlechte zu erwarten, das im Elternhause Gleichgiltigkeit gegen Glauben und Religion, wenn nicht zur Mißachtung derselben sicht. Anknüpfend au das Wort Moses wrn V? prvin.fcO n»» Y?*rir ermahnte er cindringlichst zur religiösen Erziehung der Jugend. Das war eine Trauerrede, würdig des großen Mannes, dem sie gehalten wurde. Nachdem dann das von d.em Gefertigten zn dieser Feier verfaßte rrrm 7-r vorgetragen worden war, sprach der Herr Rabbiner noch einige Trostworte nnd damit war die Traucrfeier beendet. Bei Gelegenheit dieser meiner Berichterstattung kann ich nicht umhin, auf einen großen Uebelstand aufmerksam zu machen, der, wie ich ans meinen Reisen zur Vornahme der Beschneidungs-Operation beobachtete, unter den in Mähren und Niederöstcrreich zerstreut nnd vereinzelt wohnenden Juden — und cs sind deren Hunderte — allgemein ist. Diese sind dem Jndenthumc fast ganz entfremdet. DieSabbatnnd Festtagsfeier wird von ihnen nicht beachtet, öffentlicher Gottesdienst nicht abgalten: sie hören nie ein belehrendes Wort über Religion, so sind sie bar jedes Sinnes für dieselbe, nnd nur auf materiellen Gewinn und die Befriedigung der sinnlichen.Wünsche ist ihr Geist nnd Herz gerichtet. Ihre Kinder genießen keinen Religionsunterricht und ' wissen vom Jttdcnthnme nichts, als die Schmähungen und Lästerungen, welche von den Judenfeinden über dasselbe verbreitet werden. Kein Wunder, daß sie alsdann, erwachsen, ihres angestammten Glaubens sich schämend, denselben verleugnen. - - Die wenigen rituellen Anstalten, die gleichwohl von den älteren Familien noch erhalten werden, ermangeln jeder Aufsicht nnd können darum den Zweck nicht erfüllen. So ist z. B. die rürrur ein freies Gewerbe und wer nur ein Messer führen kann, handhabt sic, wodurch die Führung eines jüdischen Hauswesens fast zur Unmöglichkeit wird. Es ist daher heilige Pflicht sämmtlicher Rabbincn in Mähren diesen schreienden Uebelstand in Betracht zn ziehen nnd ans Mittel zu sinnen, durch welche dem gänzlichen Verfall des Jndenthums, der unter den zerstreut wohnenden jüdischen Familien kn Mähren nnd namentlich in Niederöstcrreich cinzulreten droht, vorgebengt werden könnte, und wäre cs meiner umnaßgcbcnden Ansicht angezeigt, wenn dieselben diesbezügliche Vorschläge im „Israelit" veröffentlichen würden. Moses L. Ko hu, Rabb.-Asseffor. In Zala-Vgerstcg, wo früher die Flamme des Antisemitismus hoch anfschlug, hat sich der Sturm gelegt und die Ehristcn sind ans Feinden Freunde der Inden geworden. Es wurde ein gemeinschaftlicher Verein gegründet, um Freundschaft und Brüderlichkeit zu pflege». R ii m ä n i e ii. Bukarest. Seit vierzehn Tagen erscheint hier in Bukarest unter dem Titel „Trepturile Omnlui" (Menschenrechte) ein Blatt, welches sich als Organ einer neuen socialdemokratischeu Partei ankündigte. Als Redactionscomitä siguriren fast ausschließlich

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