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Der Israelit · 1885-03-09 · Heft 19 (9.3.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 19 (9.3.1885)
Date
1885-03-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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31S die Anhänger der jüdischen Religion solche Verdienste erwerben sollten, wie die Mitglieder jener Religionsbekenntnisse, welche schon seit Jahrhunderten im Lande die politischen und bürgerlichen Rechte ge-' niesten. Allein das Eine wage ich zu behaupten, dast ich kein Beispiel in der Geschichte kenne, wonach die Anschmiegung einer zum Theil wenigstens fremdsprachlichen Religion an den Leib der Nation rascher in Erfüllung gegangen wäre, als dieAmalgamirnng der die jüdische Religion bekennenden Bürger. Seit 17 Jahren ist die Assimilirung mit einer so erstaunlichen Raschheit geschehen, dast in der That nur ttcbelwollcn oder Befangenheit anzweifeln kann, dast die Burger israelitischer Konfession durch Thatsachen bewiesen haben, sie waren reif für jenes, übrigens jedem zustchende Recht: ohne Rücksicht auf ihre Konfession allen Ucbrigcn rechtlich gleichgestellt z» werden. Ich will nur ein Moment erwähnen. Daß sich die Juden auf dem Gebiete des Handels und der Industrie Verdienste erworben haben, das wird Niemand leugnen, der die Entwicklung des Handels und der Industrie im Lande mit Aufmerksamkeit verfolgt. Da haben wir aber weiter das Gebiet der Literatur: sehen Sic sich die Preisarbeiten der Akademie, der wissenschaftlichen periodischen Schriften, die Fachblätter an, und wer unbefangen überden Fortschritt auf dem Gebiete der Literatur und der Wissenschaft nrtheilt, wird anerkennen, daß die ungarische Judenschaft daran beträchtlichenAntheil hat. Uebrigens geehrtes Hans, glaube ich, dast cs vollkommen überflüssig ist, die Majorität des Hauses in dieser Frage zu kapazitiren. (So ist's! rechts.) Die Minorität zu kapazitiren, ist unmöglich. Ich bin davon überzeugt, daß die ungarische Legislative — wenigstens von diesem Hause bin ich davon überzeugt — mit riesiger Majorität diesen Paragraphen annehmen wird, welcher dem Prinzip der Billigkeit, der Rechtsgleichheit und Gerechtigkeit entspricht, indem er einem Vertreter von 600,000 Individuen dort einen Platz gibt, wo alle im Lande existirenden Konfessionen vertreten sein werden. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Eine Anzahl hier wohnhafter israelitischer Ausländer (Oesterreicher, Russen re.), welche schon eine Reihe von Jahren das Hausirgewerbe dahier betrieben, wurde in voriger Woche auf die Polizeireviere beschicden, woselbst jenen Leuten eröffnet wurde, daß sie ohne ständiges Gewerbe innerhalb 10 Tagen das Gebiet der Stadt zu verlassen hätten und daß diese Maßregel nur aufgehaben werden könne, wenn die Betreffenden eine Bürgschaft in Höhe von 500 Mark stellen wollten. Oestcrr.-Ungar. Monarchie. Wien. Dem Ofsicial im k. k. militär-geograph. Institute Israel Wellifch wurde in Anerkennung seiner hervorragenden Leistung bei Anfertigung der Specialkarte der österr.-ung. Monarchie und der Uebsichtskarte von Central-Europa von Kroner der goldene Verdienstorden verliehen. Demselben wurde schon früher in „Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Kupferstecherkunst" die goldene Medaille von Sr. Majestät verliehen. Pcsth, 3. März. Julius Verhovay ist wegen seines unziemlichen Benehmens gegenüber dem Gerichtshöfe und wegen seiner gegen Minister Tisza geschlenderten Schmähungen in Anklagezustand versetzt worden. Trieft. Der Antisemitismus, dieser Krebsschaden unserer Zeit, kommt nicht nur in Ungarn und ungarischen Dörfern zum Ausbruch, sondern auch in Oesterreich n. zw. in einer Gegend, wo er am Allerwenigsten für möglich gehalten worden wäre. Und doch ists traurige Wahrheit, daß ein Tisza-Estlar in zweiter Auflage beinahe angezettelt worden wäre. In Pola (zur Statthalterei Triest gehörend) wohnt seit kurzem ein deutscher Jude, der für einen Theil der Matrosen Fleisch und Viktnalien liefert. Vor einigen Tagen kamen um 11 Uhr Nachts Polizisten und Gcnsdarmen, hoben ihn aus dem Bette, und führten ihn mit gezogener Waffe in Arrest. Warum? Zwei bis drei Weiber sagten aus, sie hätten gesehen und gehört, wie dieser Jude ein vierjähriges Kind schlachtete. Sie hörten das Kind rufen: Papa. Mama mi mazza — (ammazza. er tobtet mich) und sahen durchs Fenster, wie das Kind mit den Füßen zappelte. Diese Weiber bctheuerten und beschworen ihre Aussage. Natürlich wurde das ganze Haus, Magazin und die Fleischbank durchgesucht, alle Burschen (lauter Christen) verhört. Und was war das Ganze? Die Frau hatte einen kranken Hund, welchen die Burschen ins Bett legten: dieser hat wahrscheinlich geschrieen und gleich waren Weiber da, welche ein Kind „in Todesangst nach Vater und Mutter schreien hörten"- Man

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