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Der Israelit · 1885-03-09 · Heft 19 (9.3.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 19 (9.3.1885)
Date
1885-03-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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319 fand das Thier und die Geschichte ist aus. {So geschehen in der zweiten Hälfte des Januar 1885.' (Neuzeit.) Schwede n. In Stockholm hat der König Herrn Sennni Rnbinson, den Secretär der israelitischen Gemeinde, zum Polizeimeister, d. i. Polizeipräsident der Stadt, ernannt. Johann Jeher. (Eine wahre Begebenheit.) Mikgetheilr von Nach«» Kelter. V. Nachdem der Räuber sich gesättigt hat, nahm er den zuletzt ausgesprochenen Gedanken wieder auf. „Mein junger Freund," sagte er, „ich bin nicht Räuber ans eigener Wahl; gar traurige Verhältnisse haben mich in diese Laufbahn getrieben. Ich war ein Schlossergeselle in K., tüchtig und geschickt in meinem Handwerke, geschätzt von meinem Meister, geliebt von meinen Mitgesellen. Meine Aussichten für die Zukunft waren die besten. Ich hatte ein Mädchen gern, ein prächtiges, liebes Kind. Meine Marie diente im Hause des reichen Senators Zickborn, wo ich häufig Schlosserarbeiten zu besorgen hatte. Der Senator hatte eine einzige Tochter, buckelig, häßlich, rothhaarig. Sobald ich im Hause war, machte sie sich bei mir zu schaffen. Sie nannte mich stets „lieber Johann." Eines Tages eröffnete sie mir, daß sie mich heirathen wolle. Sie liebe mich unendlich, und ihr Vater thue Alles, was sie wolle; ich würde ein reicher, angesehener Mann werden. Nachdem sie mir das Alles gesagt, wollte sie mir um den Hals fallen, ich aber trat einen Schritt zurück. „Mamsell," sagte ich, „was fällt Ihnen ein! Ich bin ein armer Schlossergeselle, ohne Bildung, roh an Sitten und Gewohnheiten!" — „Das macht nichts," sprach sie, „ich werde Dich schon erziehen, lieber Johann!" — Und wieder näherte sie sich mir, und wieder retirirte ich. — „Aber ich liebe Sie nicht, Mamsell!" — „Närrchen," lachte sie, „weiß ich denn das nicht? Aber ich liebe Dich, und Liebe erzeugt mit der Zeit Gegenliebe. Sei kein Narr, Johann! Ein Glück, wie ich es Dir biete, wird Dir vielleicht niemals wieder geboten." — „Aber ich liebe ja die Marie!" platzte ich heraus. Kaum hatte ich das gesagt, so bereute ich es. Das Frauenzimmer fletschte die Zähne, ballte die Fäuste, und ein teufliches Feuer leuchtete ans ihren Angen. „So, so, die Marie!" kam cs zischend aus ihren Zähnen hervor. Sie ging davon; ich beendete meine Arbeit und ging ebenfalls. An demselben Abend wurde Marie ins Gefängnis; abgeführt. Die Mamsell behauptete, daß ihr ein werthvoller Diamantring abhanden gekommen. Bei einer Haussuchung wurde der Ring in Mariens Schlafkamnlcr aufgefunden. Am andern Tage begab ich mich zu der Mamsell und hielt ihr schändliches Treiben ihr vor. Sie machte kein Hehl daraus. „Willst Du mich heirathen," sagte sie, „so werde ich meinen Vater veranlassen, Marie die Freiheit wieder zu geben." Empört lief ich davon, lief zu Advocateu und Richtern. Niemand wollte mir glauben, und als ich nicht ruhte und rastete, wurde ich als ein gemeingefährliches Subject ans der Stadt verwiesen, die ich binnen 24 Stunden zu verlassen hätte. Ich schäumte vor Wnth. Kaum meiner Sinne mehr mächtig, legte ich Feuer in datz Haus des Senators, das total niederbrannte. Der Verdacht fiel natürlich sofort ans mich. Ich hatte zwar sogleich das Weite gesucht. Gensdarme» wurden ausgeschickt, auf mich zu fahnden. Ich wurde ergriffen, nach K. znrückgebracht und ins Gefängnis; geworfen. In der Untersuchung leugnete ich nicht, was ich gethan hatte. Mein offenes Vckenntniß und die Erzählung der Gründe, die mich zu der Brandstiftung veranlaßt hatten, machten auf die Richter den Eindruck, daß sie Mariens Unschuld erkannten. Marie wurde in Freiheit gesetzt. Der Senator und namentlich seine Tochter verfielen der allgemeinen Verachtung. Der Alte erkrankte vor Scham und starb; die Mamsell machte durch einen Sprung in den Fluß ihrem Leben ein Ende. So war meine Rache befriedigt; aber anch meine Schuld war klar erwiesen und erheischte nach den damaligen strengen Gesetzen die Buße durch den Tod. Als gemeingefährlicher Verbrecher, als Brandstifter, der die ganze Stadt hätte ins Unglück stürzen können, wurde ich verurtheilt, auf's Rad geflochten zu werden. Die Gnade des Landesherrn milderte den Spruch zu einfachem Tode durch Henkershand. Da wurde Marie meine Retterin. In einem Brödchen, das sie mir zusteckte,

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