Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 19 (9.3.1885)
- Date
- 1885-03-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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314 ertheilt, aufzuhören, jüdisch zu denken und jüdisch zu fühlen. Und gerade die Beispiele, die er vorführt, schlagen seiner Theorie ins Gesicht. Jene Mitarbeiter der Witzblätter, die ihm so schrecklich sindhaben längst aufgehört, jüdisch zu denken und jüdisch zu fühlen. Spinoza war vollständig entludet, ebenso Mayerbeer, der seine Töchter mit Nichtjuden verheirathete. Heinrich Heine war getauft und seine Frau war eine Christin. Von seinem Standpunkte aus hat also Herr von H. durchaus Unrecht für die Leistungen dieser Männer das Judenthnm verantwortlich zu machen. Wir wollen damit jedoch nicht das wegwerfende Urtheil unterschreiben, das Herr von H. über diese Männer fällt; wir meinen vielmehr, daß Spinoza in der Geschichte der Philosophie noch seine hervorragende Stelle behauptet, wenn die Philosophie des Unbewußten und deren Urheber längst vergessen sein werden, daß die Compositionen Mayerbeer's die „Originalitäten" der jüngsten Musikepoche überdauern werden und daß das deutsche Volk den Dichter Heinrich Heine noch lange zu seinen Lieblingen zählen wird. Daß Herr von Hartmyim den jüdischen Künstlern und Gelehrten die schlimmsten Dinge nachsagt, kann nach dem Voransgeschickten nicht in Verwunderung setzen. „Neberall," schreibt er, „ist es dir Routine, das Raffi nement. der Hautgout, kur; die Speculation auf deu schlechten oder doch des jeinern .Nunstunheils baareu t^ejchmact drr Masse, durch welche» die Juden ihre (Erfolge erzielen, überall treten sie erst dann in den Vordergrund, wenn die Richtjuden das zur Genüge schöpferisch bearbeitet baben, so daß nur die Reproduction der vorhandenen Vorbilder übrig bleibt, und überall entadeln sie die Idealität der .nnnst durch Heradziehen ihres Betriebes in die geschäftliche Sphäre des «Gelderwerbs. Auch die wissenschaftliche und künstlerifche Lrhrthätigteil gehört;u den reproductiven Benlfsarten, und deingemäß scben wir auch zu diesen Stellungen einen Andrang der Juden, der sich nur bis fehl noch mcift an der erschwerenden Bedingung des Religionswechsels, ivie an einem Wehr gestaut bat. Aus allen diesen Gebieten greisen die geistige Versatilität und ReproductionSgewandtheit mit der cliquenhaflen Solidarität des Judenthnms und der Beherrschung des öffentlichen Unheils durch die in jüdischen Händen befindliche Journalistik in einander, um de» Juden eine» Vorsprung iu der t«oncurrell; mit nichtjüdischcn Bewerbern zu sichern; denn hier hängt alles von der Begünstigung durch Miqnenthum und von dem künstlichen Renommee in der öffentlichen Meinung ab. In diesen Dingen sind aber die Juden uustreitig unübertroffen, weil das Judenthum selbst nur eine große trlique bildet, die zugleich den größten rhcil der Presse und durch diese bis zu einem erheblichen t^rade die öffentliche Meinung beherrscht." Wir brauchen wohl unseren geehrten Lesern nicht zn versichern, daß dieses ganze Raisonnement vollständig ans Unwahrheit beruht. Die große Mehrzahl der jüdischen Gelehrten und Künstler widmen sich mit Ernst und Eifer ihrer Kunst oder ihrer Wissenschaft und haben kn erster Linie nur das Interesse im Auge, diese durch ernste Arbeit oder durch mühevolle Forschung zu fördern. Daß es auch unter den jüdischen Gelehrten und Künstlern einige gibt, denen Kunst oder Wissenschaft nur als Mittel zum Gelderwerbe dienen, wollen wir nicht bestreiten; aber auch die Bekenner anderer Religionen haben keinen Mangel an derartigen Persönlichkeiten. Vollständig unwahr ist es, daß das Judenthum selbst nur eine große Clique bildet, unwahr ist es, daß die Inden die Presse beherrschen und dadurch das Urtheil des Volkes zu Gunsten der Juden beeinflussen. Dem letztgenannten Punkte wollen wir ein besonderes Capktel widmen. (Fortsetzung folgt.) Ale Hieben der Abgeordneten H?anl Wandet und Iranz Worin über §5 des dem ungar. Abgeordnetenhause vorgelegten Gesetzentwurfs über die Oberhausreform. I. Pesth, 18. Februar. Paul Mandel erklärte, daß ihn das Pflichtgefühl in die Zwangslage versetze, gegen die Beschuldigungen, die wider die Juden hier erhoben wurden, das Wort zu ergreifen. Der sehr ehrwürdige Herr Abgeordnete Joseph Veress (Joseph Veress ruft dazwischen: Hier ist er nicht ehrwürdig!) und seine Parteigenossen, darunter der hochwürdige Herr Abgeordnete Göndöcs, werfen den Juden, vor, daß diese ihre religiösen Dogmen nicht vorlegen; ferner machen sie von der Vorlegung dieser Dogmen ihre weiteren Entschließungen abhängig. Die Herren Abgeordneten befinden sich in einem großen Jrrthum. Die Inden fürchten sich gar nicht davor, ihre Dogmen vorzulegen; auch wäre dies gar nicht so schwierig. Die Dogmen des Judenthums wurden schon vor Jahrtausenden auf dem Berge Sinai in der Form der Zehn-Gebote vorgelegt. Das sind die Dogmen der Juden. Außerdem kommt noch das alte Testament in Betracht, das doch für Niemand ein Gcheimniß ist; ja, ein Theil desselben, der Psalter, widerhallt auch in den protestantischen Kirchen und ist noch immer ein Gebet der Juden ebenso, wie der Protestanten. Der so oft verdächtigte Talmud ist nur ein Kommentar des alten Testaments und eine Kollektivbenennung für die Literatur dieser Kommentare. Cr enthält weder Dogmen, noch religiöse Grundsätze, sondern nur die Ansichten einzelner Seelsorger. Das ist ebenfalls