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Der Israelit · 1885-03-09 · Heft 19 (9.3.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 19 (9.3.1885)
Date
1885-03-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. M 19. Ein Zentral - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Heransgegcbcn von Vr. Lehmann in Mainz. Montag, den 9. Marz 5645 (1385). Leitende Artikel. Aas Judentum» in Gegenwart und Ankunft. (Von Eduard v. Hartmann.) IX.*) Mainz, 5. März. In Bezug auf K u n ft, Wissenschaft und Presse weiß Herr von H. den Inden so schlimme Dinge nachzusagen, wie sie nur ein enrangirtcr Antisemit sich auszudenken vermag. Zwar läßt er de;: Inden des Alterthums volle Gerechtigkeit widerfahren; er schreibt: „Die Bibel und der Talmud lehren uns, das; die Juden, so lange sie eine nationale Eultur besaßen, sich ans religiösem, philosophischem und poetischem Gebiete als ein hochbegabter Stamm erwiesen haben; auch in der Musik scheint derselbe nicht hinter andern Völkern zurückgestauden zu haben, wohl aber in der bildenden Kunst, was indcß vielleicht durch die Ausschließung der Götzenbilder allein zur Genüge erklärbar war." Um so weniger finden die jetztlebenden jüdischen Vertreter der Kunst und der Wissenschaft in den Augen dieses Philosophen Gnade. Er charakterisirt das Verhalten der Juden in Bezug auf Kunst und Wissenschaft als eklektisch aneignend oder als skeptisch negirend oder kritisch auflösend und spricht ihm jedwede Originalität ab. Herr von H. beschuldigt die Juden, daß sie durch Witz, Ironie, Satyre, Spott, Hohn, Frivolität und Eynismus dem Volke seine Ideale herunterreißen und durch den Koth schleifen. „Auf diese Weise hat grade an der deutschen Nation das Judenthum viel gesündigt, und *) Fortsetzung aus Nr. 17. dieses Sündenregister ist noch weit entfernt, ge schlossen zu sein." Es ist immer die alte Geschichte: wenn ein Jude etwas thut, was den Herren nicht gefällt, so wird gleich das ganze Jndcnthnm dafür verantwortlich gemacht. Wie viele Protestanten, Katholiken und Ealvinisten gibt es doch, die jene Ideale mit solchem Hohne und solchem Spotte lächerlich zu machen suchten und suchen, wie cs nie einem Juden in den Sinn gekommen ist! Wer wäre so thoricht, den Protestantismus, den Katholizismus, oder den Ealvinismus dafür verantwortlich zu machen? Wenn Herr von H. über die jüdische Skeptiker die volle Schale seines Zornes ansschüttet, so kommen die ernsten Vertreter von Kunst und Wissenschaft, sobald sie Juden sind, noch viel schlimmer lveg. Er nennt sie Eklektiker, die, ohne wahre Einheit des Princips in der Wissenschaft, ohne Einheit des Styls in der Kunst dem Publikum das Urtheil und den Geschmack verderben. Mayerbeer habe weiter nichts bewirkt als einer ganzen Generation das musikalische Urtheil zu verwirren, Spinoza habe durch die elegante Glätte der Form den Mangel innerer principieller Einheit bemäntelt. Herr von H. kennt einen noch gefährlicheren Typus, nämlich denjenigen, in welchem sich Skepeticismns und Eklekticismus miteinander vereinen, und gerade in diesem — Heinrich Heine habe das literarische Judenthnm seine höchsten Triumphe gefeiert. Die „Judenliteratur" ist Herrn von H. ein Dorn im Auge, und er kennt nur noch eins, was schrecklicher ist, nämlich die „Weiberlitcratur." Herr von Hartmann scheint keine Ahnung davon zu haben, daß diese seine Ausführungen, seine ganze Theorie zerstören. Was will denn Herr von H.? Er will ja beileibe nicht den Antisemitismus predigen, er will vielmehr die Inden mit dem deutschen Volke versöhnen, indem er ihnen, den Rath

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