Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 18 (5.3.1885)
- Date
- 1885-03-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449522--21771-2511363- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
297 stellt. — Der Schmerz der Familie wird noch erhöht durch eine schwere Erkrankung der tiefgebeugten Wittwe. Möge der altgütigc Gott den Kindern Trost und der Mutter chic nb'7ir nN'*c^ gewähren! : D'-nn ^22 jrmsr vom 'nn Tchildberg, 15. Adar. Ich hatte vielfach lKclegenhcit, die Erfahrung zu machen, dag in vielen Gemeinden am tct 'c rct? Knaben, die gerade an diesem Sabbat Bar-Mizwah werden, die Parschah nrr ur: in der Synagoge zu lesen pflegen. Ich erlaube mir deshalb die Vorstände und Lehrer solcher Gemeinden, die keinen rrnc ntmn haben, darauf aufmerksam zu machen, das; dies nach z"Q des --cn'-jc zu Orach-Ehajim d njh und Ehoschen-Mischpet rr?;e'd man nur dann das Gebot der Thora, Amaleks zu gedenken, erfüllt, ivknn man diese Parschah von einem Erwachsenen ("p lOervtr) lesen hört. Da nun nach einer Ansicht dasselbe auch bezüglich der mö 'o erforderlich, dürfte dieser Hinweis nicht unwillkommen sein. Rabbiner I. L. Marmorstein. O e st e r r. - U n g a r. M 0 n a r ch i e. Wie», 3. März. Im Gemcinderathc intcrpcllirtc Aigner, warum die Volkshallc zu antisemitischen Versammlungen überlassen worden sei. Ter Bürgermeister erwiderte, cs werde nicht mehr geschehen. Pesth, 2. März, lieber eine Skandalsccne, welche sich bei der Publikation des ttrtheils gegen die Gebrüder Verhovan ereignete, wird von hier berichtet: Julius Berhovay lies; sich während der Verlesung der umfangreichen Gründe, am ganzen Körper zitternd, auf einen Sessel nieder, lvähreud Ludwig Berhovay sofort nach Verkündigung des Unheils aus dem Saale raunte. Rach Verlesung der Urthcitsgründc spielte sich eine aufregende Scene ab, wie eine solche vielleicht noch nie im Gerichtssaal vorgekommen. Man konnte schon aus den Gesichtszügeu Julius Verhovay's, der nur schwer seine Erregung bemeisterte, hcrauslcscn, das; er kaum den Moment erwarte, wo ihm das Wort ertheilt wird. Der Präsident fragte: Wo ist der zweite Angeklagte V Der Gerichtsdiener bringt Ludwig Berhovay in den Saal. Präsident: Haben die Angeklagten etwas zu bemerken 2 — Julius Berhovay ruft laut schreiend mit vibrirender Stimme zum Präsidenten:^„Gott soll Ihnen ein gerechter Richter sein, wie Sie es mir gegenüber waren. Tisza hat mit dieser neuen Niederträchtigkeit sein zehnjähriges Regime besiegelt!" Große Erregung bcmeistert sich aller Anwesenden, der Präsident fällt Berhovay ins Wort, um ihn zttrechtzuweisen; unterdessen hat Julius Berhovay hu Saale den Hut aufgesetzt und eilt mit Ludwig eilends hinaus. Ludwig Berhovay schreit noch zurück: „Ich appcllire!" und schlägt die Thür hinter sich heftig zu. Die Bertheidiger wollen noch sprechen, die Worte verhallen jedoch; die Anhänger Verhovay's sind auch hinzugeeilt und provozircn auf dem Eorridor eine scandalösc Scene. „Eljcn Berhovay!" klingt cs ans Hunderten von Kehlen in den Saal hinein. Der Präsident.Kriszt eilt ans seinem Arbeitszimmer herbei, um Rnhe zu schaffen, hat jedoch keine Polizei zur Hand und so dauert der Tumult noch minutenlang weiter und verpflanzt sich auf die Straße. Wie verlautet, wird der Gerichtshof über Julius Berhovay noch eine besondere Disziplinarstrafe verhängen. Budapest, l. März. Die Bndapestcr israelitische Knltusgcmemeindc hielt unlängst im Gebäude der Synagoge ihre jährliche Generalversammlung unter dem Vorsitze Moritz Wahrmann's ab. Tie Generalversammlung acceptirte zunächst die Schlußrechnungen für das Jahr 1SS4 und ertheilte dem Dircctorinm, welches einstimmig wicdcrgcwählt wurde, das Absolntorium. Bei Beginn der Berathungen stellte Adolf Harsüuyi den Antrag ans Gründung eines israelitischen Gymnasiums aus Gemcindcmitteln. Der Vorsitzende opponirt dem Anträge mit Hinweis ans die mangelnden Fonds, welche für diesen Zweck erst aufzubringen wären und ebenfalls mit Hinweis darauf, das; die Aufstellung einer neuen Knaben- und Mädchenschule sich jedenfalls alsnothwendigcr erweisen dürfte, während Mor. Kärmüu in den vorliegenden Berichten der Kultusgcmeindc die geistigen Strebungen wenig berücksichtigt findet. Er nennt den auf diesem Gebiete vorherrschenden Zustand einen schamvollen. Der Vorsitzende nimmt die Gemeinde in Schutz und bemerkt, indem er die Vorwürfe Kürmän's zurückweist, das; bei erhöhter finanzieller Leistungskraft die Gemeinde im Stande sein werde, dem Wunsche Kürmün'S zu entsprechen. Mit dieser Erklärung des Vorsitzenden wird die Debatte geschlossen und die Anträge Harsünyk's und Kürmün's von der Generalversammlung abgelehnt. Ans bem Jahresberichte heben nur folgende statistische Daten hervor: Die Elementarschulen der Gemeinde wurden von 421» Knaben und 135 Mädchen frequentirt. Vom Schulgeld blieben befreit 292 Knaben und 228 Mädchen, 323 Schüler wurden mit Winterkleidern und 414 mit Schulrequisiten betheilt. Religionsunterricht genossen 9955 Schüler