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Der Israelit · 1885-03-05 · Heft 18 (5.3.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 18 (5.3.1885)
Date
1885-03-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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2H6 tcvblicbcucu erflehend. C^rfi nach :» Uhr kannte sich der Leichcnzng in Bewegung setzen. — Wir wollen noch einige biographische Notizen hinzufügen. Der Verewigte war in Moislingen bei Lübeck geboren, wo sein Vater Rabbiner war. Bekanntlich dursten zu jener Zeit in L. Inden nicht wohnen; aber in dem nahen Moislingen hatte eine zahlreiche jüdische (Gemeinde ihren Wohnsitz. Auch Dr. I. wollte sich dem Rabbinerstande widmen, zog es aber später vor, den Lchrerbernf zil ergreifen. Nach vollendetem <-tndium nahm er eine Hanslchrcrstclle in Frankfurt a. M. an, und Md daselbst an der nm jene Zeit durch Herrn Rabbiner Hirsch gegründeten lluterrichtsanstalt der israelitischen Rcligionsgesellschaft einen erwünschten Wirkungskreis. Als nach einigen Jahren der Inftitnts-Directör Herr Dr. Lob (jetzt Oberrabbiner in Altona) als Rabbiner nach Ichenhanseu berufen wurde, übertrug man dessen Stelle in Pfungstadt dem Verewigten, der sie dann kn segensreicher Wirksamkeit beinahe ein Vierteljahrhundcrt laug verwaltete. Das Institut, ursprünglich von mehreren Gemeinden der Provinz Starkenbnrg gegründet und verwaltet, wurde nach einigen Jahren schon Herrn Dr. I. in Gigenthum übergeben. Zahlreiche Schüler, zum Thcil ans fernen Ländern, wurden daselbst in jüdischem, wie in profanen Wissen ausgebildet. Worms, 2. März. Cviii Bubenstück sonder (Gleichen ist in der Nacht vom Samstag zum Sonnlag ans dein hiesigen israelitischen Friedhof verübt worden. 17 Grabsteine älteren und neueren Ursprungs sind mit Aufwand alter den Thätern zil Gebote gestandenen ttraft theils einfach umgestürzt, thcils zertrümmert und Vom Platze an irgend welchen entfernten Winkel des Friedhofs geschleift worden. Unter den also devaftirten Gräbern befinden sich unter Anderem die Ruhestätten von Leopold Cahn, Salomon Rckchlcfer. Jakob Cahn, Ludwig Laen.gsdorff, Sabine Brenner, Rosine Jakobi, Salomon Siefel, Rebecka Mayer, Lea Straft, Pauline Mayer und Sophie Mayer, Karoline Weiß, Bertha Kempuer und einige Andere, deren Gigenthümer wir im im Augenblick nicht constatiren konnten. Fast die sämmtlichen Gräber, welche von dem unerhörten Frevel betroffen wurden, liegen auf der westlichen dem Bahngelcise zugekehrtcn Seite und in dem südlichsten spitz auslaufenden Theile des Friedhofes, der von der Wärtcrwohnnng am meisten abgelegen ist. Die Schädigung mancher Gräber ist eine sehr beträchtliche und überaus bedauerliche. Verübt wurde das Verbrechen vermtlthlich in den Mitteruachtsstuuden vor (Antritt des starken Regens bezw. während desselben und zwar gelangten die Friedhofschänder mittelst Ucberfteigens am großen Thorweg zur Stätte ihres ruchlosen Vorhabens. An dem eisernen Thor lassen sich noch die Schmutzspuren der auf die Klinke aufgesetzten Tritte, dergleichen auf dem Friedhof die Fußtapscn im aufgeweichten Boden wahrnehmen. Die niederträchtige Demolirnng der Gräber muß den Thätern im Anfang noch nicht ausreichend erschiene» sein, da sic offenbar auch de» Versuch gemacht, einen der abgewälztcn schweren Steine über die Friedhofmauer auf das Bahngeleise hinuntcrzuschaffeu. Zum Glücke langten dazu die Kräfte nicht. Daß eine Person allein die Schandthat vollbracht, halten wir für nicht gut möglich. Welche Beweggründe zu dem bodenlosen Frevel geführt haben könnten, ist Jedermann ein Räthsel; ob Betrunkenheit, lediglich der Uebermuth, ob Judenhaß oder was sonst zil dem abscheulichen Beginnen anreizten, das läßt sich für jetzt nicht entscheiden. Berlin, März. 2m Bureau des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundcs ist man zur Zeit damit beschäftigt, eine Liste der in deutschen Gemeinden fungirenden Prediger, Lehrer und (Kantoren aufzuftellen. - Bei der Wichtigkeit und dem großen Umfang dieser Arbeit ist cs wünschenswert!), wenn die Beamten der genannten Kategorien das Unternehmen in der Weise fördern, daß sic ihre Namen nebst Angabe des Ortes und des Amtes durch Postkarte dem Bureau des D.-J.-G.-B. Berlin, \V., Sigismuudstr. r>, mittheilen. Solche Beamten, welche ihre Stellung zum 1. April d. I. verändern, werden gebeten, sowohl den alten als den neuen Amtswohnsitz anzugeben. Fulda, 2. März. In der Nacht vom 2-s. Februar auf den l. März verschied nach längerem Leiden der in weiten Kreisen rühmlichst bekannte Herr Simon Heftdörffer jr:. Der Verewigte war eine lange Reihe von Jahren hindurch Mitglied der isr. Gemeindeverwaltung und des isr. Provinzialvorsteheramtes. Sie, geehrter Herr Redactenr, haben den Dahingeschiedcncn länger als drei Jahrzehnte gekannt und ihn als treuen Freund geehrt und geschätzt. Der Verewigte hat stets nach bestem Wissen und Gewissen das Gute zu fördern gesucht und sich namentlich mit großem Eifer bemüht, seine Kinder zu wahrhaften, frommen Inden zu erziehen. Zwei seiner Söhne, die als Aerzte sich dem Dienste der Menschheit widmen, leben und wirken im Sinne und Geiste des Vaters, wiewohl der ärztliche Beruf der Beobachtung des jüdischen Religionsgesetzes vielfache Schwierigkeiten entgegen-

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