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Der Israelit · 1885-03-05 · Heft 18 (5.3.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 18 (5.3.1885)
Date
1885-03-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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205 bei denen das jüdische Kontingent, relativ genonuucn, die anderen K onfessionen überragt (Banqucrott, Betrug, Meineid), ist die Thatsache nicht zu vergessen, das; ein im Prozentsatz viel größerer Theil der jüdischen Bewohner des Reiches sich an solchen Berufen und Gewerben aktiv bethciligt, welche die Begehung solcher Strafthatcn ermöglichen, als die» sowohl bei Katholiken wie Protestanten der Fall ist, und dieser llmstand, den Herr von Hartmann in seiner bekannten oberflächlichen Manier natürlich nicht beachten konnte, mutz mit (Entschiedenheit betont werden, wenn die jüdischen Quoten bei Urkundenfälschung, Meineid und Banqucrott, bei Betrug und Prellerei gewürdigt sein wollen. Bon besonderem Interesse sind nutz noch die Angaben über die Religion der wegen Vergehen gegen das Wuchergesetz bestraften Personen. Abgeurtheilt wurden 176 Personen, vcrnrthcilt nr>. Hierunter waren 46 Protestanten, :n» Katholiken und 21 Inden. Wiewohl das jüdische Element, wenn man diese Wahlen mit der Frequenz der einzelnen Religionen in Zusammenhang bringt, nicht gerade die allergünstigste Stellung einnimmt, so erhellt doch sowohl an» der absoluten wie relativen Frequenz, das; die katholischen und evangelischen Wucherer nicht minder häufig mit dem Strafrichter intime Bekanntschaft machen, wie die jüdischen. Wenn' wir einen Blick ans die einzelnen Theilc de» Reiches werfen, in denen Bestrafungen wegen Wuchers Vorkommen, so erfahren nur ganz merkwürdige Dinge. So wurden in Berlin nur n Personen wegen Wuchers bestraft und alle drei waren protestantischer Religion, in Breslau 2 Katholiken, 1 Protestant und i Jude; im Regierungsbezirk Wiesbaden trotz bei zahlreichen jüdischen Bevölkerung und ihres lebhaften Handels in Frankfurt a. M. nur eine Person, welche der evangelischen Religion angehörte. In ganz Bayern wurde kein einziger Jude wegen dieses angeblich jüdischen Schoßdeliktes bestraft, ebenso in Sachsen, Würtemberg, im Großerzogthum Hessen, in Mecklenburg- Schwerin , in Braunschweig, Koburg-Gotha und in Bremen. Das hindert natürlich die antisemitschen Schriftsteller nicht, zu behaupten, daß der Wucher nur von Juden getrieben wird. Wir können der Oberflächlichkeit Herrn von Hartmanns natürlich nicht zumuthen, sich so weit zu erniedrigen und vom Piedestal seiner Philosophischen Weisheit bis herab zn den nüchternen Tabellen zu steigen, welche die Monatshefte des statistischen Bureaus ansfüllen. Wo bliebe auch sonst seine schöne Phrase von dem jüdische» Wucherthum, als Ratioualeigenschaft des Iudenthums prrr exeelleuev! Wer aber sich noch so viel llrtheilssreiheit bewahrt hat, das; er für die officiellcn Zahlenangabcn, welche vielleicht doch beweiskräftiger find als Hartmann'sche Tiraden, noch zugänglich ist, der muß durch die Statistik der wegen Wucher bestraften Personen die feste Ilcberzeugnug gewinnen, das;, wie einmal ein preußischer Sandrath ans dem Armenpflege-Kongreß gesagt hat, die nichtjüdischen Gcldcntleihcr gerade so gut wuchern wie die jüdischen, llnd hierbei wird cs trotz E. v. HartmannS und feiner Ausführungen wohl sein Bewenden haben. ' li. F. ZeiLrlitgsrrachrichteir und Correspoiidenzen. D e n t s ch l a n d. Pfungstadt bei Darmftadt, 6. März. Es ist eirie Trauerbotschaft, die ich Ihnen heute berichten habe. In der Pnrimnacht verschied nach kurzem Krankenlager Herr Institms-Director Dr. Joel y'*:, und heute Rachmittag ],/a Uhr fand die Beerdigung statt. Zn derselben hatten sich eine überaus große Anzahl von Leidtragenden aus der Nähe und der Ferne eingefunden. Die Bahre wurde in dem geräumigen Hofe de» Instituts ausgestellt. An derselben sprach zuerst Herr Rabbiner Dr. M a r r aus D ö r m st o d t. Mit ergreifenden Worten schilderte er den großen Verlust, den die Familie, das Institut, die Gemeinde und die Freunde des Dahingefchiedenen erlitten. - Von Rührung fast übermannt hob der Institutslehrer Herr Dr. L n tz hervor, daß die Tranerknnde in den weitesten Fernen bei den fast über die ganze Welt zerstreuten zahlreichen Schülern des edlen Verblichenen den tiefsten Schmerz Hervorrufen werde. — Der erste Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herr Joseph I e i d e l, schilderte die große Lücke, die dieser Tod hervorgcbracht. Die Gemeinde werde dem Verewigten ein unauslöschliches Andenken bewahren. — Der ehemalige Rcichstagabgeordnete, Herr Büchner, ergriff hierauf das Wort, um im Rainen des zahlreichen Freundeskreises das Andenken des Verewigten zn feiern. Mit beredten Worten schilderte er dessen große Tugenden als Mensch, als Iugcndbildner imd als Staatsbürger. Vor Allem pries er die Eharakterfestigkcit des Entschlafenen. Sein ganzes Leben fei eine fortlaufende Bewährung der Rüchstenliebe gewesen, welche die Menschen nicht nach Religionen nnd Eonfessionen sondert. — Zum Schlüsse sprach der Schwiegersohn des Heimgegangenen, Herr Dr. Adler aus Lübeck, im Namen der Familie, einige von tiefster Rührung durchdrungene Worte, vom Altgütigen Trost für die schwergeprüften Hin-

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