Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 18 (5.3.1885)
- Date
- 1885-03-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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294 Erfolge. — Was er in verschiedenen wohlthätigen Anstalten geleistet, ist ganz unbeschreiblich. Ganze Nächte brachte er an den Krankenlagern zu, und wo es galt, etwas Tüchtiges zu leisten, war Rabbi B. N. bei der Hand. Vorsteher der Synagoge des berühmten Ehasid Rabbi Nathan Adler *?"p"V'i:"T, verlegte er, als die Iudengasse abgerissen wurde, dieselbe in sein Haus. In früheren Jahren fnngirte er als ypm in der großen Gemeinde-Synagoge, legte aber dieses Amt sofort nieder, als der Rabbiner Stein Reformen im Gottesdienste einführre. - Auch die Armen des heiligen Landes haben in dem Heimgegangenen einen warmen freund verloren. Bei jeder nnc»*, bei der er zugegen war. pflegte er zu einer Sammlung für dieselben anznregen. Herr B. N. erreichte ein Alter von 74'/» Jahren. Gesund und rüstig, war er wie ein Jüngling, wenn es galt, Gutes zu wirken und zu leisten. Vergnügt hatte er das Purimfest zu feiern begonnen, als, bald nach Ansgang des Sabbats, am Vorabend des Pnrimfestes ein Herzschlag seinem irdischen Leben ein schmerzloses Ende bereitete. Ein echter, alter frankfurter, im edelsten und besten Sinne des Wortes, ist mit ihm von hinnen gegangen. Doch nicht nur die trauernde Wittwe, die tiefbetrübten minder und Enkel, nicht nur die Vaterstadt, sondern eilt großer Kreis von freunden und Verehrern in der Nähe und der ferne beklagen den großen Verlust, den wir Alle durch den Heimgang dieses edlen, würdigen Mannes erlitten. Ihm aber wird der reiche Lohn zu Theil werden, den Gott Seinen frommen verheißen. Mögen die Kinder und Enkel in die fnßstapfeu des Verewigten treten. p'NL "c:. AN KninmaMäl der Juden im deutschen Reiche während des Jahres 1882. Von dem Reichsjustizamt in Verbindung mit dem Kaiserlichen statistischen Bureau des deutschen Reiches ist vor Kurzem die Statistik der Strafrechtspflege für das Gesammtgebiet des Reiches nach dem Stande der Ergebnisse des Jahres 1882 ansgegeben worden. Wir entnehmen derselben eitrige höchst interessante Notizen über die Vetheiligung der Inden an strafbaren Handlungen im ganzen Reichsgebiete. Die Wichtigkeit und Beweiskrüftigkeit ist um so größer, da zum ersten Male für das Gesammtgebiet des deutschen Reiches die wirklichen Verhältnisse von den höchsten Reichsbehörden offiziell dargelegt werden. Zunächst müffen wir vorausschickend bemerken, daß bei 9279 Personen oder ettvas über 2°/„ die Religion nicht ermittelt werde» konnte, ein Umstand, welcher die Resultate etwas mib sicherlich nicht zu Gunsten der Juden alterirt, da auf die jüdische Population wohl der geringste Theil der Personen kommen dürste, deren Religion nicht zu erniitteln war. Auf 100,099 Personen der katholischen, evangelischen und israelischen Bevölkerung sielen Verurtheilte bei den Verbrechen gegen Staat, Religion und öffentliche Ordnung 108, loo und 128, bei den Verbrechen gegen die Person 274, 210 und 212, bei denjenigen gegen das Vermögen 892 , 862 und 274, bei den Verbrechen und Vergehen im Amte 8,9, 8.2 und 3,2. Spezialisireu wir diese allgemeinen Kategorien mit Rücksicht auf die wichtigsten strafbaren Handlungen, welche das Reichsjustizamt seiner Publikation zu Grunde legte, so betheiligten sich von je 100,000 Einwohnern der betreffenden Konfession des deutschen Reiches die an Karbol. 'promt. ^uben Hausfriedensbruch.... 28 82 25 Gewalt gegen Beamte . . 28 26 11 Arrestbruch. 7,7» 4,3 3,0 Meineid. 2,6 1,6 7.1 Beleidigung. 86 .80 123 Mord. 0,4 0,3 — Kindesmord. 0,4 0,8 -- Einfache Körperverlevnng . 41 34 Gefährliche „ Röthigung und Bedrohung. 114 68 29 9,7 7,6;>,» Einfacher Diebstahl . . . 184 170 63 Einf. Diebstahl ini Rücksalle 29 26 6,0 Schwerer Diebstahl . . . 21 19 7,8 Schw. Diebstahl im Rückfälle 7.2 6,2 2,5 Unterschlagung . . . . Raub . 31 33 33 1.1 0,8 0,3 Erpressung. 1.0 1,2 I,e Hehlerei. 20 18 27 Betrug. 26 26 60 Urkundenfälschung . . . f>.9 6,5 12 Betrügerischer Bangnerott . 0,2 0,4 6,4 Einfacher * 0,5 1,0 18 Brandstiftung. 1,2 1,5 0,5 Sachbeschädigung . . . . 30 28 8,0 Die vorstehenden Ziffer, n sind nun freilich keine solchen, wie sie uns als Ideale des Zustandes unserer Religionsgenofseu vvrschwcbcu, immerhin haben die antisemitischen Gegner kein Recht, aus denselben einen Schluß auf eine fortschreitende Entsittlichung des Iudenthums zu ziehen. Denn bei den Delikten,