Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 17 (2.3.1885)
- Date
- 1885-03-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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279 zu liefern, als früher, jo steht die koschere Wurstnnd Fleischwaaren-Bereitung jedoch noch nicht auf der Stufe der Vollkommenheit, auf welcher sie eigentlich schon stehen müßte und stehen könnte. „Die Ursache, daß dem noch so ist, liegt rvohl hauptsächlich in dem Umstande, das; die Personen, welche sich mit diesem Industriezweige gewöhnlich befassen, in der Regel wohl tüchtige Viehkenner und dem entsprechend tüchtige Geschäftsleute sind, jedoch in ihrem sonstigen, zu ihrem gewählten Berufe nöthigcn Wissen und .Wonnen noch gar Vieles zu wünschen übrig lassen, also wohl mir tu Folge dessen den Gegenstand mehr nebensächlich betreiben. Man trägt der Eigenart des zur koscheren Wurst- und Fleischwaaren-Bereitung durch die Speisegesetze gegebenen (außer dem für größeren Betrieb etwas lostspieligen nud in größeren Massen schlver zu beschassenden Gänsefleische) dem Rindsleische zu wenig oder gar keine Rechnung, indem mau meisientheils Nachahmungen von Fleischwaaren zu erzeugen bestrebt ist, während es doch viel richtiger wäre, unter Berücksichtigung der Eigenschaften und des Verhaltens, sowie der Vorzüge des gegebenen Fleisches (des Rindfleisches) Produkte herzuftellen, welche anderen noch zum Muster dienen könnten und diese zur Nachahmung auregen würden. „Bei der koscheren Wurst- und Fleischwaarcu- Bereitnng macht man sich z. B. noch gar nicht die Erfindungen der neuen Zeit zu Nutze, um außer den zum baldigen Genuß bestimmten Wursten dauerhafte, sich mehr gleich bleibende Produkte herzustelleu, welche selbst bei längerer Aufbewahrung (z. B. den Sommer über) der Zartheit nicht entbehret;, was ja eigentlich gar nicht schwierig und auch nicht sonderlich kostspielig wäre, während die jetzigen koscheren Daucr-Fleischwaaren bei ihrer gewöhnlich recht primitiverl Zubereitung in ki,rzer Zeit dieser Zartheit entbehren, bei mangelhafter Bereitung diese Zartheit gar nicht einmal hatten. „Bei dem jetzigen Staudpluikte der koscheren Wurst- und Fleischwaaren-Fabrikation im allgemeinen ist, bei gründlichster Keuntniß der Bereitung und weiteren Aufbewahrung der Betrieb eines solcheit Geschäftes wohl einer der lohnendsten, und es dürfte eben mit in dem Mangel der Verbreitung dieser Kenntnisse in den betreffenden Kreisen liegen, daß die koschere Fieischwaaren-Bercitimg im großen ganzen noch nicht den Aufschwung gettommen und die größere Vollkommenheit erreicht hat, welche dieselbe schon längst erlangt haben könnte und erreicht haben müßte." O e st c r r. -11 n g a r. M o n a r ch i e. Pcsth, 29. Februar. In .Kalocsa begann heute die Schlußverhaudlung gegen die Veranstalter der Vadkerter Greesse. Der Zeuge .Kaspar Flittmamt erzählt ansführ.ich den Hergang der Tumulte, wie rasch der orgauisirte Volkshanfe den Ltnhlrichter und das Gemeindehaus augriff, wie dann' Joseph Farago den mit Stöcken und Steinen bewaffneten Haufen gegen die Kalocsaer Bewohner aufuhrte, sie aus dem Dorfe jagte unter der; Ausrufen: „Jetzt ist Alles frei: schlaget die Herren und die Juden!" Ferner wie er die Plünderung des Muller'scheu Geschäftes leitete, daun das Volk zum Verglichen Geschäfte mit den Worten führte: „Dort ist mehr zu holen." Der Zeuge beschuldigt die Angeklagten Schnell, Vilonua und Müller, das; sic ihn unter Drohungen, später durch Versprechungen bewegen wollten, seine vor dem Untersuchungsrichter gemachten Aussagen znrnckznziehen und dieses Vorgehen damit zu motivireu, die Juden hätten ihn bestochen. Pesth', 2.",. Februar. (Protest Berhovav). Morgen Vormittags beginnt vor dem hiesigen Strafgerichte die Schlußperhaudlnug in der bekannten Desrandations-Affaire der Bruder Julius und Ludwig Verhovan, der Führer der Antisemiten in Ungarn. Die Aufdeckung dieser Anlegenheit durch die königtiche Dber-Staatsanwaltschaft, die begleitenden Umstände, unter denen die Enthüllungen erfolgten, haben seinerzeit auch über die Grenzen Ungarns hinaus so großes Aussehen erregt, daß Aer Thatbeftand des Procefses in seiner Gänze als bekannt vorausgesetzt werden kann. Freilich sind seit der Entdeckung der Malversationcn beim Függetlenseg zwei Jahre verstrichen, und nahezu ein Jahr vor der Anberaumung der Schlußverhaudlung fällte das Strafgericht seinen Anktagebeschluß. Es wurden indessen gegen die Rechtskraft desselben durch drei Instanzen nfle Rechtsmittel erschöpft; außerdem wurde durch die inzwischen erfolgte Neuwahl eines der Hauptangeklagten zum Reichstag-Abgeordneten eine neuerliche Aufhebung der Immunität erforderlich: endlich schuf der (5onfliet Julius Beihovav's mit seinem spateren Drucker, Fanda, ein weiteres eoneurrireudes Verbrechen, die widerrechtliche Aneignung von Adrcßschleifen, welcher Umstand einen dritten Appell an das Abgeordnetenhaus wegen abermaliger Immunitäts-Aushebung nothwendig machte. Darauf muß es zu rückgeführt werden, daß das Gericht erst jetzt dazu gelangt, meritorisch über diese Anklagen nrtheilen, und Niemand mag die Schöpfung dieses