Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-03-02 · Heft 17 (2.3.1885) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 17 (2.3.1885)
Date
1885-03-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449521--21751-2511342
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Wenn Herr von H. nicht durch einen Nachsatz diesen sonderbaren Orakel sprach berichtigen würde, so müßte man glauben, daß er von Recht und Rechtlichkeit ganz eigentbümlichr. Begriffe habe. Den Grundsätzen des Rechts entsprechend müßte der Latz lauten: „I e d c r m a n n soll für Iahlrmgsverpstichtnngen seine persönliche Ehre eil,setzen." H. von H. lvill nur damit sagen, daß Ossiziere und Studenten nicht Wncherschalden gegen Ehrenscheine coutrahiren sollen. Das wäre allerdings sehr wunschenswerth. ,.4) 4,'iemaiib soll vorn Händler x!*orfcfiiif|e auf zu liefernde iVaaitu oder l'vebii auf empfangene 2vaarr beanivenchen.- Wie schön und glatt würden sich bei Befolgung dieses (Grundsatzes alle Geschäfte abwickeln! Wir wollen das au einem Bcispicje klar machen. Ie- ,nand bestellt bei einem Lchnhmachcr eine Partie Lchnhtvaaren. Der arme Handwerker hat aber reinen Borralh an Leder. Ans Kredit darf er nach dein H.'scheu Grundsatz vom Lederhändler den Troff für Lchnhwaarcu nicht entnehmen; ebenso darf er sich vom Besteller keinen Vorschuß geben lassen. Volksbanken und derartige Genossenschaften gewähren ihm ohne genügende Sicherheit kein Darlehen. Der fleißige Handwerker müßte denlnach den Auftrag ablehnen und mit Weib und.Andern verhungern. Die Veranlwortlichkeit für den Untergang dieser Familie fiele ans Herr v. H. zurück. ^eder Vieserani soll sein (^eichän so versiebru. das; er den preis der ipaare und die Zrist, innerhalb deren er sie lie fern tan»,;n berechnen weis;, und soll Preis und ^'ieierungs srin seldsr mir Opfern innehaile», um den :Mis ivim'r .lieellilär zll belmuptrn.“ Sehr schön gesagt. Aber decretiren lassen sich solche Dinge nicht. Herr v. H. meint, durch die Befolgung dieses seines Gebotes würde den meist in indischen Händen befindlichen Eonfceüonsgeschüsten der Boden entzogen. Jetzt lause das Publikum lieber seine Waare lheurer in den Magazinen der capitalistischen (?) Händler, als daß es sich durch die Unpünktlichkeit der Handwerker und ihre nachträglichen Mehrforderungen krank ärgern läßt. Mari sieht, Herr von H. macht „unbewußt" für die genannten Geschäfte Reclame. Er ist ia der Urheber der Philosophie der Unbewußtert! „«) jedermann soll aus möglichst stabile Änlage seines tzapilalverniögens bedacht sein und jede gewinnsnchligc -Lpecnla'.ion. die nicht durch seinen Lpecialberus unbedingt gefordert wird, meiden." Ja, wenn man die Gewinnsucht beseitigen könnte, das Kartenspiel, das Würfelspiel, das Lotteriespiel, das Börsenspiel und wie alle diese Spielarten der gewinnsüchtigen Menschen heißen, es würde vieles besser in der Welt sein! Schon Größere als Herr v. H. haben gegen diese Laster geeifert, mit großen! Recht und geringem Erfolg. ..7» jedermann soll so virl an ihm liegt, bernübl sei,«, den -Zwischenhandel uns das Permiuelnngsgeschäsr;u verringern, über wo möglich gan; ,u beseitigen durch .'lnbabnung direkter j-e;it!unige«;wischcn «'onsnmenlrn und t-roducrneen." Wenn der Arzt Herrn von H. den Genus; von Rheinweine verordnet, so soll dieser ihn nur nicht von einer Weinhandlung beziehen, sondern soll sich nur direct drei Flaschen von dem Weinbauer Adam Martens in Rierftein schicken lassen. „8) jedermann soll nach .grasten des Zustandekommen und «Gedeihen von t^enossem'chaslen fördern, welche a! ein im Alande sind, die Monopole der Kleinhändler nnd l^ominisnvnöre;u durchs brechen nnd die t^ewinnnc des Zwischenhandels de» tzonfuinenten und Producemen;u;uwenden.- Als vor einigen Jahrzehnten die Eousumver einc erstanden, da glaubte man, daß es mit dem .-Zwischenhandel zu Ende sei. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß diese Vereine ihn nicht zu verdrängen vermochten. Wir wollen hier nicht von den trüben Erfahrungen sprechen, da ungetreue Verwalter nnd Dircctorcn solcher Vereine das Eigenthlun der Arbeiter verpraßten und daun durch einen freiwilligen Tod der Schande zu entgehen suchten; selbst da, wo die Verwaltung in treuen und fleißigen Händel! sich befand, haben sich so viele llnzuträglichkellen, so viele Schwierigkeiten hcrausgestellt, daß man bald gezwungen war, zu dem Zwischenhandel znrückzllkehren. Wir bedauern, daß Herr von H. zu diesen acht Geboten nicht noch zwei hinzugefügt hat. Die zehn Gebote des Herrn von H. hatten gewiß Epoche ge niacht und eine neue Aera der Bolkswirthschaft begründet. (Fortsetzung folgt.) Zeittttt«zckttachrichtett und Aorrespottde».;«?». D e n t s ch l a n d. Mainz, I. Marz. (Nach Schluß der Redaction.) Von Frankfurt a. M. erhalten wir soeben die betrübende Nachricht, daß der in den weitesten Äreisen rühmlichst bekannte Rabbi Benjamin Niederhofheim vom Schauplätze seiner irdischen Thätigkeit abberufen wurde. n"::"x":"n Leipzig. Die hier erscheinende „Internationale Ileischerzeiluug" veröffentlicht einen Artikel, der für viele Leser des „Israelit" von Interesse sein wird. Derselbe kantet: „So sehr sich im Allgemeinen auch das Be- ' streben zeigt, möglichst gute nnd bessere Produkte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.