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Der Israelit · 1885-02-26 · Heft 16 (26.2.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 16 (26.2.1885)
Date
1885-02-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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gibt. Wie schön und treffend sagen unsere Weisen: np w nein'? rr „die höchste Weisheit und Vernunft besteht darin, das; man schweigen kann", d. h., das; man nicht glaube, man mfofc selbst immer das Wort führen, selbst nur an ordnen und befehlen, sich aber von Anderen nichts sagen lassen, Anderer Meinung für nichts achten: sondern, das; man sich fuge und Andere anhöre und reden lasse. König Lanl war weit davon entfernt, dem göttlichen Befehl den gehorsam zu verweigern: aber er glaubte, auch nach seiner und des Volkes Ansicht bei einem göttlichen Befehle handeln zu dürfen. Leine snbjective Meinung, auch wenn er damit etwas Gutes bezwecken wollte, war hier ganz und gar nicht am Plage. Der stricte Befehl Wortes lautete, den Bernichtnngskampf gegen Amalek zu führen und auch dessen Vieh nicht zu verschonen. Laut brachte aber nicht den unbedingten Gehorsam dem göttlichen Befehl; entgegen, konnte deshalb auch nicht König bleiben über Israel, konnte kein Vertreter des himmlischen Königs ferner sein. Die (Gebote unseres Gottes haben Alle einen ähnlichen Iw eck, wie dieser Kampf unseres Volkes gegen Amalek: den Kampf des Guten gegen das Böse. Das Böse soll nicht blos; bekämpft und unterdrückt, sondern vernichtet werden, so das; das Gute in uns allein zur Herrschaft komme. Da gilt es, uns ganz strenge an die göttlichen Vorschriften halten; da dürfen wir mit unseren snbjectiven Gefühlen und Gmpfindnugen, Meinungen und Ansichten nicht dazwischen treten, dürfen nicht von diesen! göttlichen Befehle abweichcn, auch wenn wir vorgeblich nur GnrcS dabei beabsichtigen. GS beruht das nur auf Lelbsttänschnng, oder richtiger auf einem Lelbstbclngen. Wollen wir uns denn unterfangen, bester zu wissen und zu verstehen, iuic man den Kampf gegen das Böie am leichtesten und sichersten führen kann, als Gott, der uns Leine Vorschriften gab V Lowic im ganzen Leben nicht wir uns die Vorschriften machen können, sondern das Leben sie nnS dictiri, ohne erst viel nach uns zu fragen; ebensowenig können wir da, wo es nnS selbst betrifft, wo wir Partei sind, uns feste und wahre Vorschriften geben. Wenn wir in Bezug ans unfern Geist und unsere Leele, deren Wesen uns ja doch immer verschlossen und unerklärlich ist und bleibt, uns das Bestimmungsrecht Vorbehalten und nach eigener Ansicht unsere höhere Aufgabe zu erreichen glauben-, dann stellen wir uns wieder auf jenen kindischen Ltandpunet, als dürfe Niemand außer uns uns befehlen, als hätten wir nach Niemandem zu fragen. Und doch sind wir bei jedem Schritt tut Leben abhängig von allen möglichen Zufällen. Wie sind wir stolze, hcrrschsnchtigc Menschen, die wir ans unsere Unabhängigkeit, auf unsere starke Vernunft so eingebildet sind, doch nur die Lclaven eines jeden Infalls: Wie lehrt uns das Leben Gehorchen und Unterwerfen einem scheinbar blinden Willenschlimm freilich, wenn wir nicht ans freier Grkenntniß, als Ausfluß unserer Vernunft gehorchen lernen nnd nur dem allmächtigen Iwang der Nothwendigkeit uns beugen! Denn da werden oft unsere besten Kräfte aufgeriebcn, da ermatten wir nnd unterliegen oft unserer tbörichten Ginbildnng. Wenn wir so nufere Blicke auf der Menschen Dhnn nnd Dreiben richten, da werden wir leicht zu der Ginsicht kommen, das; nicht des Menschen Wille nnd Absicht geschieht, nicht der Mensch herrscht nnd gebietet, sondern ein höherer Wille, unbeirrt durch der Menschen rhörichtes Thun, waltet nnd sich vollzieht, nnd mag der Mensch sich dagegen stemmen, wie er will nnd mag er cs mit seiner Vernunft unvereinbar finden und darin eine Gntwnrdignng seiner Lebstbestimmnng nnd eine Beschränkung seines Willens erblicken. Und wenn wir andererseits wieder dieser Abhängigkeit einige Zugeständnisse machen, aber dabei unsere Unabhängigkeit von irgend einer außer uns liegenden Macht betonen, so hält uns Gort sein -vj n:n „Liehe, Gehorchen ist besser, als Opfer" entgegen. Wer das nicht lernt und versteht, der will in sich die Welt verkörpert sehen, hat keinen Linn für eine gemeinsame Menschenanfgabe, strebt etwas Unerreichbares und Unmögliches an. Darum mögen die sogen. Verbesserer des Indenthnms noch sö oft behaupten, daß sie der gemeinsamen Aufgabe des jüdischen Volkes leben, daß sie, lvas ja unsere Volksausgabe ist, für Gotteserkennlniß einstehen nnd die göttliche Idee vertreten: so lange sie nicht den göttlichen Geboten gehorchen lernen, ist ihr ganzes Dhnn ein entgegengesetztes, ein einziger, großer Irrthnm. zrc rcTD yiEtt* n:n „Liehe, Gehorchen ist besser, als Opfer!" Das war nuferem Volke eine unumstößliche, hinimlifche Wahrheit; darum auch hat es Bestand lebt nnd strebt es mit der Menschheit, wirkt es in Verbindung mit seinem Gotte. Nur durch Gehorsam kann das Kind, der Mensch nnd die Gcsammtwelt erzogen werden zu ihrem hohen Berufe, und so gelte auch uns fortan als oberster Lehrsatz für unsere weitere Bildung und Grzichung: Gehorsam unserem Gotte nnd Seinen Gebotet;!

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